Das ganz normale Bahnwochenende: Schon am Samstag um 9 Uhr früh lassen Frauen auf Tour gern die Sektkorken im Großraumwagen knallen. Für Junggesellenabschiede ist die Zugfahrt der Auftakt zum Promille-Wochenende. Fußballfans, die schon beim Betreten des Zuges blau und auf Krawall gebürstet sind. Und dann ist da noch das Pärchen, das sich still auf seinen Sitzen besäuft – und das letzte Bier auf dem Gang zur Toilette über diese Autorin kippt.
Wer viel Zug fährt, kennt die Reisenden, die den Weg zum Ziel als Party-Event nutzen. Es ist ihnen egal, welchen Raum sie dabei einnehmen, wie sehr Familien, Dienstreisende, Urlauber genervt sind. Und wenn es richtig schlecht läuft, dann wird aus dem Alkohol-Exzess ein lebensgefährlicher Gewalt-Exzess. Genau dies bekam in der vergangenen Woche zwischen dem südbadischen Offenburg und Karlsruhe ein Kontrolleur zu spüren, der im Gerangel mit einem Fahrgast aus dem Zug fiel und dabei lebensgefährlich verletzt wurde.
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Wenn jetzt die Bahn reagiert und dem Vortrinken auf dem Bahnhof mit einem Verbot begegnet, ist das durchaus verständlich, schließlich geht es um die Sicherheit von Mitarbeitern und Fahrgästen. Doch was ist mit dem mitgebrachten Bier für die Heimfahrt nach einer anstrengenden Arbeitswoche? Und überhaupt: Mit Geld lässt sich in Bahnhofsgaststätten und im Bordbistro so viel trinken wie gewünscht.
Ein Alkoholverbot lässt sich kaum kontrollieren, doch es setzt ein Zeichen
Doch ein Bahnsteig ist kein Partykeller, ein Zugabteil keine Kneipentheke. Sondern ein Raum, in dem viele Menschen auf wenig Platz zusammenkommen. Ohne Regeln, Respekt und ein gewisses Einfühlungsvermögen für die Empfindungen der Mitreisenden geht es nicht.

Natürlich lässt sich ein Alkoholverbot kaum kontrollieren, wenn das Gin-Tonic-Gemisch in der Thermoskanne steckt und der Vorrat an „Piccolöchen“ in der Handtasche. Und dann ist da auch noch der Alkohol, der längst im Körper steckt.
Dass sich trinkfreudige Fahrgäste herausziehen lassen, noch bevor sie einen Zug betreten, dürfte die Ausnahme sein. Und doch ist ein Verbot die richtige Reaktion auf alkoholbedingte Eskalation. Wenn nur die im Hinterkopf verborgenen Benimmregeln ins Bewusstsein geholt werden, ist schon viel gewonnen.



