Awo-Landesgeschäftsführer geht

Erfurt/Pößneck.  Mitten im Awo-Skandal geht der Landesgeschäftsführer der Awo von Bord: Ulf Grießmann hat die Kreisverbände am Mittwoch darüber informiert, dass er um seine Abberufung zum Jahresende gebeten hat.

Awo-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann Ende 2014 beim Vorlesetag in der Kita "Tausendfüßler" in seinem Geburtsort Hildburghausen. Der 46-Jährige hat jetzt um die Abberufung von seiner Funktion zum Jahresende gebeten.

Awo-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann Ende 2014 beim Vorlesetag in der Kita "Tausendfüßler" in seinem Geburtsort Hildburghausen. Der 46-Jährige hat jetzt um die Abberufung von seiner Funktion zum Jahresende gebeten.

Foto: Awo Thüringen

Der Landesgeschäftsführer des Arbeiterwohlfahrt-Landesverbandes Thüringen nimmt seinen Hut: Per Mail informierte Ulf Grießmann die Awo-Kreisverbände am Mittwoch darüber, dass er den Awo-Landesvorsitzenden um seine Abberufung zum Jahresende gebeten habe.

Zu den Gründen wollte sich Grießmann auf Nachfrage nicht öffentlich äußern. Doch in dem internen Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, geht er darauf näher ein: Danach hat er sich im vergangenen Jahr auf die Position des Geschäftsführers der Awo-Tochter Awo AJS gGmbH beworben, weil er der „festen Überzeugung“ sei, „dass der Awo-Landesverband und dessen Tochterunternehmen organisatorisch und personell eine Einheit bilden sollten“. Diese Überzeugung aber sei, verbunden mit seiner Person „derzeit nicht mehrheitsfähig“.

Um die Nachfolge der AJS-Chefs Michael Hack und Achim Ries hatten sich im Vorjahr 45 Kandidaten beworben – unter ihnen auch der geschasste frühere AJS-Prokurist Uwe Kramer. Kramer zog sich aber den Unmut der Geschäftsführung zu, als er gegenüber Mitgliedern des AJS-Aufsichtsrates Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Auswahlverfahrens anmeldete, das eine externe Bewerberin ohne Qualifikation im Sozialbereich für sich entschied. Es folgte Kramers fristlose Kündigung – kurz vor Weihnachten und ungeachtet der Tatsache, dass der Prokurist seit 26 Jahren in den Diensten der Awo gestanden hatte.

Landesgeschäftsführer Grießmann kündigte an, sich von Januar an auf die Aufgabe als Awo-Kreisgeschäftsführer im Saale-Orla-Kreis konzentrieren zu wollen – eine Funktion, die er auch bisher schon parallel inne hatte, aber auf Mini-Job-Basis ausfüllte. Ob Grießmann damit Mitglied des Awo-Landesvorstandes und des AJS-Aufsichtsrates bleibt, ist ungewiss. Die Thüringer Awo-Spitze sieht sich seit Jahresbeginn massiven Vorwürfen ausgesetzt: Geschäftsführer sollen Gehälter beziehen und Privilegien genießen, die für einen Wohlfahrtsverband völlig überzogen sind.

Der Thüringer Awo-Skandal – Ein Geflecht von Abhängigkeiten