Grüne Liga kam mit der mobilen Presse nach Ettischleben

Den Kofferraum oder den Hänger voll geladen, kamen Interessierte selbst aus dem Erfurter Umland mit hunderten Kilo von Äpfeln und anderem Kernobst am Sonntag nach Ettischleben. Hier hatten Thomas Franke und Werner Friedrich die mobile Mosterei des Vereins Grüne Liga aufgebaut.

Thomas Franke verteilt zerkleinerte Äpfel in die Presse. Foto: H. P. Stadermann

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Ettischleben. Ob am Straßenrand oder auf Streuobstwiesen, ob alte Kulturen oder Neuanpflanzungen - Obstbäume gibt es in Thüringen noch eine ganze Menge. Aber vor allem die großen Wiesen verkümmern mehr und mehr, weil sie niemand pflegt oder weil ein wirtschaftlicher Betrieb schwierig ist. Als Anfang des Jahres die Grüne Liga Thüringen ein Treffen im Lebenshof veranstaltete, war Tobias Feld begeistert von dem Angebot einer mobilen Mosterei und sprach sofort einen Termin ab. Und das weniger aus privatem Interesse.

"Die Vermarktung ist wichtig, um Streuobstwiesen zu erhalten. Aber auch die Früchte von Bäumen an Straßen und Wegrändern kann man verwerten", begründet der Ettischlebener, warum er das Angebot in seinen Heimatort holen wollte. Denn in dessen Umgebung gibt es neben Äpfeln auch viele Birnbäume, die noch aus alten Zeiten stammen und die sich für eine Verwertung geradezu anbieten. "Deshalb tut es auch besonders weh, wenn die Agrargesellschaft mit dem Häcksler die Bäume an den Feldrändern kahl rasiert", beschreibt Tobias Feld ein Problem, das nicht nur die Ettischlebener haben, sondern das erst kürzlich auch in Kirchheim bei der Gemeinderatssitzung zur Sprache kam.

Der Initiator des sonntäglichen "Saftladens" in Ettischleben verband mit seinem Vorhaben aber auch einen weiterführenden Zweck. Eine halbe Tonne Obst sammelte er ein und ließ sie zu Saft verarbeiten, den er zu einem Aufpreis weiterverkaufen will. Der Erlös wird nach Absprache mit dem Bürgermeister der Einheitsgemeinde Wipfratal, Werner Schmidt, für den Obstbaumschnitt und die Pflege der Streuobstwiesen in der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Unter anderem ist darüber hinaus geplant, traditionelle Sorten nachzupflanzen.

Auch Heiko Hinkel aus Ermstedt hatte sich am Sonntag nach Ettischleben begeben, um dort 150 Kilogramm Äpfel zu Saft pressen zu lassen. Erfahren hatte er von dem Termin beim Arnstädter Umwelt- und Erlebnismarkt. "Bisher war ich immer in Gierstädt, ich freue mich aber, nun den Saft meiner eigenen Früchte trinken zu können", begründete er den Sonntagsausflug.

Dabei musste er allerdings ein wenig Geduld aufbringen, schien es doch zunächst, als wollte die Mosterei einen arbeitsfreien Sonntag ertrotzen. Thomas Franke und Werner Friedrich hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun, die Maschinerie in Gang zu bringen. Dann kam die Pumpe aber doch noch in Schwung und der leckere Saft konnte fließen.

Rund um die Saftpresse war in Ettischleben eine kleine Tauschbörse organisiert worden, man konnte Obst und Gemüse erwerben und zudem beim Pomologen Frank Schelhorn aus Hildburghausen Interessantes rund um die Obstbaukunde erfahren und Äpfel und Birnen bestimmen lassen.

Wer mindestens 50 Kilogramm Kernobst zum Entsaften bringen möchte, den Termin aber verpasst hat, findet die mobile Mosterei der Grünen Liga am 7. Oktober in Ilmenau, Ziolkowskistraße 18. Aber auch am kommenden Sonntag, 3. Oktober, kommen Apfelfreunde im Ilmkreis auf ihre Kosten. Dann findet nämlich das traditionelle "Herbstfest" am Bahnhof Rennsteig statt, ein buntes Markttreiben mit Musik und vielfältigen Informationen rund um den Apfel und seinen Anbau. An der mobilen Obstpresse des Landschaftspflegeverbandes Thüringer Grabfeld kann man selbst erzeugtes Obst gegen ein kleines Trinkgeld zu Saft verpressen lassen. Die Besucher werden gebeten, Flaschen oder andere Behältnisse mitzubringen.

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