Milliarden-Investition: Konzern CATL plant Batteriewerk bei Erfurt

Erfurt  In der Nähe der Landeshauptstadt soll ein riesiges Werk eines chinesischen Konzerns entstehen. Wirtschaftsminister Tiefensee bestätigt Verhandlungen.

Wirtschaftsminister Tiefensee führte kürzlich auf einer China-Reise Gespräche mit möglichen Investoren. Archivfoto: Martin Schutt/dpa

Wirtschaftsminister Tiefensee führte kürzlich auf einer China-Reise Gespräche mit möglichen Investoren. Archivfoto: Martin Schutt/dpa

Foto: Martin Schutt/dpa

Wenn es so käme, wäre es eine der größten Ansiedlungen in Thüringen in diesem Jahrzehnt. Wie unsere Zeitung aus Wirtschaftskreisen erfuhr, will der chinesische Batterie-Konzern CATL bei Erfurt ein großes Werk errichten.

Die Investition zielt auf den schnell wachsenden Markt der Elektroautos. In Erfurt sollen die Lithium-Ionen-Zellen hergestellt werden, mit denen die Fahrzeuge betrieben werden. Zu möglichen Interessenten sollte unter anderem Daimler gehören.

Den Informationen zufolge ist eine Investition im hohen dreistelligen Millionenbereich geplant. Im Endausbau könnte sich die Gesamtsumme auf bis zu einer Milliarde Euro belaufen.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) äußerte sich auf Anfrage noch vorsichtig. „Wir verhandeln mit dem chinesischen Batteriehersteller CATL über eine Ansiedlung in Thüringen“, teilte er mit. „Nach unserer Kenntnis sind europaweit mehrere Standorte für eine solche Investition im Gespräch.“ Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Inoffiziell gibt man sich in der Regierung noch optimistischer. Eine positive Entscheidung sei sehr wahrscheinlich und stehe unmittelbar bevor, heißt es. Als wichtiger Grund dafür gelten die gut ausgebildeten Fachkräfte in Thüringen. Schon in der ersten Ausbauphase könnten mehrere Hunderte Menschen Arbeit in der Batteriefabrik finden.

Tiefensee bekräftigte das Interesse Thüringens an einem erfolgreichen Ergebnis der Gespräche und kündigte indirekt eine öffentliche Förderung der Investition an. Das Land werde „alles tun“, um „das Unternehmen bei der Realisierung in Thüringen“ zu unterstützen, sagt er.

Aus Wirtschaftskreisen wurde bestätigt, dass sich Tiefensee auf seiner kürzlich abgeschlossenen China-Reise mit dem Vorstand von CATL getroffen hat. Zudem hieß es, dass es sich bei dem geplanten Standort für das Werk wegen der benötigten Flächen um das Gewerbegebiet „Erfurter Kreuz“ nahe den Autobahnen 4 und 71 handele.

Eine gute Nachricht wird dort gut gebraucht. Der Solarzellenhersteller Solarworld, der am Erfurter Kreuz eine große Fabrik betrieb, hatte Ende März Insolvenzantrag gestellt; vor einer Woche wurde die Zellenfertigung gestoppt. Die verbliebenen 200 Mitarbeiter warten die Maschinen, während der Insolvenzverwalter Verhandlungen mit etwa einem Dutzend Kaufinteressenten führt, deren Ausgang allerdings ungewiss ist. Solarworld hatte zu Hochzeiten 700 Menschen in Thüringen beschäftigt. Die Firma scheiterte so wie andere Solarunternehmen vor allem an der chinesischen Konkurrenz, die Zellen zu günstigeren Preisen anbot.

Leitartikel: Die Chinesen kommen

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