Städte in Thüringen entscheiden über Heizpilze in der Gastronomie

Erfurt.  Die Dehoga spricht sich für eine Nutzung von Heizpilzen in der Thüringer Gastronomie aus. Die Saison könnte damit verlängert werden.

Die umstrittenen Heizpilze könnten Gastwirten in der Pandemie-Zeit die Saison verlängern.

Die umstrittenen Heizpilze könnten Gastwirten in der Pandemie-Zeit die Saison verlängern.

Foto: Archiv-Foto: Candy Welz

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Thüringen (Dehoga) hält die Nutzung von Heizpilzen in der Corona-Zeit für sinnvoll. „Damit kann die Saison für Restaurants verlängert und teilweise sogar gerettet werden“, sagt Hauptgeschäftsführer Dirk Ellinger. Denn die Gäste würden angesichts der Pandemie lieber im Freien sitzen. Heizpilze, so Ellinger, sollten nicht verdammt werden. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Thüringens Gastronomen bereiten sich alternativ auf eine Open-Air-Saison im Winter zudem mit Decken, Zelten, Kissen und auch Wärmflaschen vor. Für die ohnehin arg gebeutelte Gastwirtschaft ist eine Bewirtung in den Außenbereichen laut Ellinger „finanziell ein wichtiger Aspekt“ und eine Alternative zu Innenräumen, in denen das Ansteckungsrisiko als deutlich höher gilt. Die Branche hätte in den vergangenen Wochen auch bewiesen, wie gut sie auf die Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregeln achtet.

Umwelt-Staatssekretär zeigt Verständnis

Thüringens Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Bündnis 90/Die Grünen) zeigt Verständnis, dass „die Gastronomen die Außensaison verlängern wollen", was auch dem Gesundheitsschutz diene. Zugleich äußert er: „Es hat sich bewährt, dass die Kommunen vor Ort entscheiden.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund spricht sich zur Unterstützung der Gastronomie ebenfalls für eine befristete Aufhebung des Heizpilz-Verbots aus. „Wir wissen alle, dass die Ansteckungsgefahr im Freien weniger groß ist als in geschlossenen Räumen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Deswegen sollten die Kommunen, die bisher aus Umweltschutzgründen ein Heizpilz-Verbot verordnet haben, dies zumindest jetzt vorübergehend aussetzen. Bei Umweltschützern stößt die Forderung allerdings auf Kritik. Vielerorts sind die Gas-Heizstrahler verboten. Die Hoffnungsträger der Gastronomen im Winter gelten als „Energiefresser“ und „Klimasünder".

Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, hatte in einem Interview für die Zeitungen der Funke-Mediengruppe einen Heizpilz als Energieschlucker benannt. Er würde in acht Stunden Betrieb dieselbe Menge CO2 wie ein Benzinauto auf einer Strecke von 145 Kilometern verursachen. „Daher sollten wir uns grundsätzlich aus dieser Technologie verabschieden.“ Doch er ergänzte: „Ich habe Verständnis dafür, wenn man in der Pandemie eine Ausnahme macht. Wir müssen abwägen: Gehen wir in die Lokale und vergrößern das Risiko einer Ansteckung? Oder bleiben wir länger draußen, als wir das normalerweise könnten, und nehmen die elektrischen Heizstrahler?"

Für eine Übergangszeit wäre der Einsatz von Heizpilzen vertretbar. Sorge würde aber bereiten, wenn Gastronomen jetzt massenweise Heizstrahler kaufen, „die noch zehn Jahre genutzt werden – obwohl die Pandemie längst vorbei ist.“

Beträchtliche Umsatzeinbußen seit dem Corona-Lockdown

Die Gastronomie in Deutschland hat seit dem Corona-Lockdown im Frühjahr beträchtlich an Umsatz eingebüßt. Zwischen März und August nahmen Restaurants, Cafés, Caterer und Bars preisbereinigt 40,5 Prozent weniger Geld ein als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Angaben des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Umsatzeinbrüche führten in der Gastronomie, die zuletzt rund 1,8 Millionen Menschen beschäftigte, zu einem kräftigen Jobabbau, wie es weiter hieß. Die Beschäftigung lag von März bis August um etwa ein Sechstel unter dem Vorjahresniveau (-17,6 Prozent).

Bei der Zahl der Insolvenzen machten sich die schlechten Geschäfte unterdessen nicht bemerkbar. Die Statistiker führen das aber auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht seit März zurück. Auch für Thüringen rechnet Dirk Ellinger mit Pleiten von bis zu 20 Prozent, der Umsatz sei in manchen Betrieben um die Hälfte niedriger als im vergangenen Jahr.

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