Wirtschaftspreis (10): Mobiler Assistent unterstützt Speditionen bei der Kalkulation ihrer Transportkosten

Erfurt  Die Logistik Werkstatt Erfurt entstand als Ausgründung aus der Fachhochschule Erfurt vor gut einem Jahr.

Bernd Nieberding (links) und Andy Apfelstädt leiten die Geschicke der Firma als Geschäftsführer.

Bernd Nieberding (links) und Andy Apfelstädt leiten die Geschicke der Firma als Geschäftsführer.

Foto: Sascha Fromm

Mit einem gemeinsamen Preis wollen die Thüringer Allgemeine und die Industrie- und Handelskammer Erfurt jährlich beispielhafte unternehmerische Leistungen würdigen. In diesem Jahr soll dieser besondere Wirtschaftspreis erstmalig verliehen werden. Zunächst stehen regionale Existenzgründer im Vordergrund. Jeden Monat stellen wir einen Gründer und seine persönliche Geschichte vor. Zudem informieren wir rund um das Thema und geben Tipps zum erfolgreichen Schritt in die Selbstständigkeit.Zum Abschluss haben dann die Leser das Wort und wählen den „Gründer des Jahres“.

Die ersten Überlegungen liegen schon ein paar Jahre zurück, räumt Firmengründer Andy Apfelstädt ein. Der Gedanke an die Selbstständigkeit kam im Herbst 2013 erstmals auf.

Allerdings dauerte es noch einige Monate bis aus der „fixen Idee, während der Ausarbeitung von Beiträgen für wissenschaftliche Konferenzen ein anwendbares Produkt für die Spediteure wurde“, sagt Apfelstädt.

„Kokala.de“ heißt das Erzeugnis der beiden Erfurter Existenzgründer. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein mobiler Assistent für die Kalkulation von Transportkosten und das daraus resultierende Angebotsmanagement für Spediteure. „Wir arbeiteten als wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden an der Erfurter Fachhochschule bereits einige Zeit gemeinsam an Forschungsprojekten im Bereich des Straßengüterverkehres“, bestätigt auch Bernd Nieberding.

Der Mathematiker und der Speditionskaufmann, der inzwischen erfolgreich den Doktortitel errungen hat, brachten ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus der Betriebswirtschaftslehre und der Mathematik in das Unternehmen ein. Zusammen arbeiteten sie an der Optimierung von Abläufen in den Speditionen. „Wir haben festgestellt, dass vielen Unternehmern selbst die betriebswirtschaftlichen Grundkenntnisse fehlen“, bestätigt Apfelstädt.

Die Unternehmen des Transportgewerbes seien in der Mehrzahl kleine Firmen, in denen der Chef von Familienangehörigen bei der Buchhaltung unterstützt wird. Da entscheide der Chef dann über viele Anfragen aus der Wirtschaft oft nach dem Bauchgefühl. Dabei sei es mehr als fahrlässig, nahezu jeden Auftrag anzunehmen, ohne zu wissen, ob er sich für das Fuhrunternehmen am Ende auch rechne, warnt Apfelstädt.

Diesen Unternehmern wollen die beiden Firmengründer eine praktische und einfache Lösung anbieten, die ihnen das Kalkulieren eines Auftrages ermöglicht. Für die Umsetzung ihrer Idee suchten sie sich zwei weitere Partner, die heute Mitgesellschafter der Erfurter Firma Logistik Werkstatt sind.

„Unser Vorteil war dabei auch die Einbindung in die Fachhochschule Erfurt“, sagt Bernd Nieberding. Hier fanden sie in Volker Herwig, Professor für Wirtschaftsinformatik, und Kristof Fries die Experten für das Programmieren und für die Entwicklung einer Software.

„Der Assistent zur Kostenkalkulation setzt bewusst wenig Wissen über die Daten des eigenen Unternehmens voraus. Vieles habe man standardisiert, um den Nutzern Arbeit abzunehmen“, sagen die Wissenschaftler. So gibt der Firmenchef zunächst die Leasingraten für seine Fahrzeuge in das System ein. Dieses rechne die Preise für eine vorgegebene Strecke – etwa von Erfurt nach Rostock – aus und beziehe dabei die Mautkosten ebenso ein wie die Mehraufwendungen einer eventuell entstehenden Leerfahrt. „Wir haben das Risiko einer Leerfahrt nach Postleitzahlbezirken erfasst und beziehen das in die Kalkulation ein“, so Apfelstädt.

So sei bei einer Fahrt nach Berlin das Risiko, anschließend eine gewisse Strecke leer fahren zu müssen, wesentlich höher als bei einem Fuhrauftrag ins Ruhrgebiet. „Dort sind viele produzierende Unternehmen ansässig, die Aufträge vergeben, das sieht in der Hauptstadt gänzlich anders aus“, weiß Andy Apfelstädt. Alle diese möglichen Kosten fließen in die Berechnungen von Kokala ein. Am Ende steht ein fertiger Angebotsentwurf, den der Spediteur seinem Auftraggeber vorlegen kann.

Während eine ganze Reihe von Kunden das System aus der Erfurter Logistik-Werkstatt inzwischen tagtäglich nutzen, um ihre Kosten im Blick zu haben, arbeiten die Wissenschaftler und Geschäftsführer permanent an der Verbesserung ihres Produktes. „Etwa alle zwei Monate gibt es ein Update“, berichtet Bernd Nieberding. Rund einhundert Kunden haben bislang eine Lizenz für die Software der Erfurter erworben.

Längst sind es nicht mehr nur die Spediteure, die Interesse am Produkt der jungen Firma anmelden. „Wir haben auch Anfragen von potenziellen Auftraggebern von Fuhrunternehmen, etwa großen Handelskonzernen erhalten“, bestätigt Andy Apfelstädt. Offenbar wollten die auf diese Weise mögliche Angebote der Spediteure gegenprüfen.

Neue Produkte seien in der Planung, bestätigen die Firmengründer. So wolle man eine Lösung entwickeln, die es Transportunternehmen ermöglicht, auf großen Strecken, etwa Hamburg–München, auf halber Strecke die Sattelaufleger zu tauschen. Die Fahrer wären dann am Abend wieder in der Firma und die Lkw wieder einsetzbar.

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