Um Heilungsprozesse zu unterstützen, setzt die Zentralklinik Bad Berka seit vier Jahren auf integrative Medizin und auch äußere Anwendungen in der Pflege. Rund 1.500 solcher Therapien wurden bisher angewendet, um rund 400 Patienten ganzheitlich zu behandeln. Prof. Merten Hommann, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie sowie Ive Zetsche und Steffi Rasch, speziell geschulte Pflegekräfte, über die Möglichkeiten und Wirkung.

1.500 Äußere Anwendungen, sind Sie stolz darauf?

Prof. Merten Hommann: ja, wir sind stolz darauf, dass wir den Patienten ein besonderes Therapieangebot machen können. Angelehnt an die anthroposophische Medizin, können wir Patienten die Angst nehmen, Schmerzen reduzieren, den Tag Nacht Rhythmus wiederherstellen, aktivieren und beruhigen. Das sind Angebote, die in verschiedenen Fachkliniken inzwischen integriert sind.

Was bieten Sie an?

Ive Zetsche: Wir haben ein sehr umfangreiches Sortiment, es ist ein ganzheitliches Konzept mit ganz viel direkter Zuwendung, Menschlichkeit. Hauptsächlich arbeiten wir mit besonderen Wickeln und Auflagen. Dazu gehören auch rhythmische Einschreibungen und Massagen sowie verschiedene Formen von Fußbädern, die eine ganz spezielle Wirkung entfalten.

Wer profitiert am meisten?

Steffi Rasch: Diese äußeren Anwendungen sind eine Wohltat, sowohl für akute als auch für chronische Erkrankungen. Wir sehen unseren Hauptfokus natürlich auf Patientengruppen, die sich längere Zeit in der Klinik aufhalten und auch mehrere Behandlungsindikationen aufweisen. Da das ein ganzheitliches Konzept ist, liegt uns das doch sehr am Herzen, dorthin zu gehen, wo der höchste Bedarf ist.

Das Team für äußere Anwendungen um unter anderem Heilungsprozesse zu beschleunigen, v.l.: Prof. Merten Hommann, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie sowie Steffi Rasch und Ive Zetsche, speziell geschulte Pflegekräfte.
Das Team für äußere Anwendungen um unter anderem Heilungsprozesse zu beschleunigen, v.l.: Prof. Merten Hommann, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie sowie Steffi Rasch und Ive Zetsche, speziell geschulte Pflegekräfte.© Delf Zeh

Welche Bereiche sind das?

Steffi Rasch: Palliativ, onkologisch, aber auch die Geriatrie und die chirurgischen Patienten. Es kommt immer auf den Menschen. In welcher Situation befindet er sich? Welches Krankheitsbild hat er? Wie fühlt sich der Mensch, was braucht er? Es gibt auch Momente, da ist der seelische Aspekt vordergründig. Wir unterstützen dann zielgerichtet.

Wie viele Patienten behandeln Sie so pro Tag in Ihrem Bereich?

Ive Zetsche: Ja, also im Durchschnitt sind wir am Tag bei knapp bei 25 Patienten. Außerdem werden wir auch oft um Rat gefragt.

Darf man sich das als Patient wünschen oder wird das eher verordnet?

Steffi Rasch: Sowohl als auch. Die Patienten dürfen und können sich das wünschen. Viele haben ja zuhause schon gute Erfahrungen mit Kräutern bspw. gemacht.

Ive Zetsche: Wir haben natürlich Patientengruppen, die sehr gut informiert über das, was wir machen, informiert sind. Es ist auch so, dass Patienten, die die besondere Atmosphäre beim Bettnachbarn erleben, dann auch behandelt werden möchten.

Prof. Merten Hommann: Viele Patienten wünschen sich diese Anwendungen, gerade auch diejenigen, die zu den regelmäßigen onkologischen Therapien kommen. Oft wünschen sich die Patienten das dann auch in der Chirurgie. Diese Anwendungen sind zusätzlich zu dem sehr guten medizinischen Angebot unserer verschiedenen Professionen: Physiotherapie, Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte. Alle kümmern sich rührend um unser Patienten. Es ist ja nicht so, dass man sich jetzt seit neuestem erst kümmert. So soll es bitte nicht verstanden werden. Die Äußeren Anwendungen sind einfach additiv und sehr besonders. Und das wertschätzen die Patienten auch sehr.

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Gibt es eine Evidenz?

Prof. Merten Hommann: Es gibt nicht diese klassisch in der Medizin immer geforderten doppelblind randomisierten Studien, die das wirklich so erhärten können. Insofern kann man das nicht sagen. Man kann jetzt nicht sagen, die leben deswegen länger oder der Krankenhausaufenthalt ist deutlich verkürzt. Aber man kann eben feststellen, was mit den Patienten passiert: Was spiegeln sie wieder, wie geht es ihnen? Und es gibt nicht die Vergleichsgruppe, das ist nicht möglich. Wir sehen nur einfach die Ergebnisse, die jeden Tag möglich sind und das Wertvolle, was den Patienten eben zugestanden wird.

Steffi Rasch: Ich freue mich, wenn Patienten sagen, wie gut es ihnen tut und dass die Lebensgeister geweckt wurden.

Ive Zetsche: Wir sehen es ja wirklich tagtäglich, auch in der Reduzierung von Symptomen. zum Beispiel bei der Reduzierung von Nebenwirkungen von Chemo-Therapien. Wir arbeiten in diesem Bereich sehr vielseitig mit den Patienten: rhythmisches Einreiben, Herzauflagen, Brustauflagen, einfach auch um Druck und Anspannungen zu reduzieren. Und dann natürlich die Schafgarbe-Leberwickel, die wir nach der Chemotherapie aufbringen und die gute Ergebnisse erzielen.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

Interview: Anke Geyer 

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