
Scheiden tut weh?
Prof. Harald Lapp: Ich habe eine tolle Zeit gehabt. Gerade in meinem Fachbereich sind in den vergangenen Jahrzehnten extreme Veränderungen passiert – weg von einem reinen diagnostischen Fach, hin zu einem Fach mit vielen therapeutischen Möglichkeiten, nicht nur kathetertechnisch, sondern auch was die medikamentöse Therapie angeht. Zudem habe ich ja noch den KI-Einstieg mitbegleitet und war natürlich auch immer von tollen Menschen umgeben.

Sie sind seit 20 Jahren Kollegen, was reizt Sie denn jetzt an der Chefarzt Position?
Dr. Philipp Lauten: Mich reizt, das Herzzentrum, wie wir es jetzt gemeinsam in den letzten sechs Jahren und auch die Vorgänger gestaltet haben, weiterzuentwickeln. Mich reizt Forschungsarbeit, die Weiterentwicklung von Prävention, denn es passiert ganz viel in der Inneren Medizin, speziell in der Kardiologie. Das Herzzentrum der Zentralklinik hat eine besondere Strahlkraft, überregional für Thüringen und Mitteldeutschland.
Jeder Chefarzt bringt gern eigene Schwerpunkte mit?
Dr. Philipp Lauten: Das ist bei mir natürlich die Intervention der Kardiologie, die Herzklappen-Therapie entwickelt sich rasant. Ein interessantes Thema sind auch die komplexen Erkrankungen der Koronarsysteme und natürlich die Herzinsuffizienz. Dies alles wird begleitet von neuen Möglichkeiten der Digitalisierung. Ich möchte weniger Arbeit am Rechner und mehr Arbeit am Patienten, das gilt für den ärztlichen, aber auch für den pflegerischen Bereich.
Was schätzen Sie den am jeweils anderen?
Prof. Harald Lapp: Neben seiner fachlichen Expertise kann er gut mit Menschen umgehen, was ich für außerordentlich wichtig erachte. Schließlich ist das in einem großen Zentrum, das interdisziplinär und interprofessionell arbeitet, existenziell. Wir haben eine exzellente Pflege hier im Haus. Du bist jemand, der mit Menschen gut umgehen kann, diese Menschen auch mitnehmen kann, anleiten kann. Das ist eine große Kompetenz.
Und bei Ihnen?
Dr. Philipp Lauten: Ich habe bei ihm sehr früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen, nicht auf die Uhr zu schauen. Er hat vorgelebt, wie es ist, sich zu kümmern und dass dies auch Früchte trägt. Als Chefarzt gibt er Vertrauen. Das ist eine wichtige Eigenschaft einer Führungskraft. Und er ist ein guter Mentor. Gehen lassen, ein bisschen steuern, das ist ein Talent, was nicht viele Führungskräfte haben.
Was sind denn aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen auch für die Zukunft?
Prof. Harald Lapp: Die Suche nach guten Fachkräften, der Ausstieg aus diesen klassischen Arbeitszeitmodellen, sowohl im ärztlichen Bereich als auch im pflegerischen Dienst. Wir haben in den letzten 5 Jahren ein sehr stabiles, auch sehr junges Team geschaffen. Und – so empfinde ich es – sie fühlen sich sehr wohl. In Bad Berka müssen wir die Kirsche sozusagen auf die Torte oben packen, um zu zeigen, dass es sich lohnt, hier zu arbeiten und ausgebildet zu werden. Ich kann sagen, dass die Zahl der qualifizierten Bewerbungen hier glücklicherweise doch hoch genug ist.
Wo sehen Sie denn Chancen für Ihren speziellen Bereich der Medizin in den nächsten Jahren?
Prof. Harald Lapp: Digitalisierung, Vernetzung in Thüringen, Vernetzung in die Städte, Vernetzung mit den niedergelassenen Kollegen, auch Vernetzung mit überregionalen Bereichen, mit anderen Kliniken.

Wie geht es für Sie weiter?
Prof. Harald Lapp: Ich werde schon noch als Arzt arbeiten, aber halt eben nicht mehr in dem Umfang.
Sie sind gern Arzt?
Prof. Harald Lapp: Ja, immer noch. Es macht Spaß, auch deshalb, weil man wirklich Verantwortung übernimmt, für Patienten, die sich einem anvertrauen. Man übernimmt auch Verantwortung für Mitarbeiter. Wenn man sieht, dass man sowohl Patienten etwas geben kann und Kollegen auch, dann geht man jeden Abend wirklich mit einem guten Gefühl nach Hause. Es geht um das Feedback. Wenn ich Menschen, die sich uns hier in der Klinik krank anvertraut haben, ein paar Wochen später guter Dinge in der Stadt sehe oder ich sehe sie irgendwo auf dem Rad unterwegs, muss ich sagen: Das ist einfach gut.
Wie wird sich denn Ihr Tagesablauf ändern?
Dr. Philipp Lauten: Es gibt natürlich wesentlich mehr administrative Aufgaben. Geübt habe ich das ja schon ein paar Jahre in Vertretung. Ich habe ein gutes Gefühl, dass die Konzepte aufgehen und dass es für mich und für die Familie, für die Klinik, für uns alle funktionieren wird.
Herzlichen Dank für diesen Einblick!
Interview: Anke Geyer
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