Wie blicken Sie auf Ihre Zeit in der Zentralklinik zurück?

Dr. Thomas Kuntze: Der Rückblick fällt durchweg positiv aus. Es war eine schöne Zeit, in der ich mit einem hochprofessionellen und motivierten Team viel entwickeln und gestalten durfte. Ich habe insgesamt 40 Jahre als Herzchirurg gearbeitet, die längste Zeit hier in Bad Berka und im Herzzentrum Leipzig. In dieser Zeit konnte ich viele neue Methoden in der Herzklappentherapie mit meinem Team in die klinische Praxis einführen. Dies betraf insbesondere die Katheter gestützten Eingriffe und die minimalinvasiven Operationen an den Herzklappen. Geprägt hat mich auch immer die Interdisziplinarität in unserer Arbeit.  Kardiologen, Anästhesisten und Herzchirurgen haben gemeinsam mit unseren Schwestern, Pflegern und Kardiotechnikern viel für die Patienten erreicht. Wir haben gemeinsam inzwischen eine große Zahl von Mitralklappen- und Trikuspidalklappen-Reparaturen minimalinvasiv durchgeführt, oft auch in Kombination mit Eingriffen zur Behandlung von Rhythmusstörungen. Das ist schon ein spezifisches Merkmal von Bad Berka.  

Dr. Thomas Kuntze, scheidender Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie an der Zentralklinik Bad Berka.
Dr. Thomas Kuntze, scheidender Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie an der Zentralklinik Bad Berka.© Zentralklinik Bad Berka

Was reizt Sie denn an dieser neuen Position?

Prof. Dr. Sabine Bleiziffer: Zunächst: Ich fühle mich extrem positiv aufgenommen und willkommen in meinem neuen Umfeld. Das macht mir den Start sehr angenehm. Mich reizen die lange Tradition der minimalinvasiven Klappenchirurgie, die auch mein Spezialgebiet ist und auch die lange Tradition der Zentralklinik an sich als eine der ältesten herzchirurgischen Abteilungen. Es macht mich sehr stolz, dass ich die Klinik von Thomas Kuntze übernehmen darf.

Welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Prof. Dr. Sabine Bleiziffer: Ich möchte die minimalinvasiven Klappen-Operationen weiterentwickeln, es geht generell um schonendere Verfahren für die Patienten, sowohl bei der Behandlung von Klappenerkrankungen als auch in der Aortenchirurgie. Ich beginne ja auch mit einem neuen kardiologischen Chefarzt und uns liegt am Herzen, gemeinsam die Herzmedizin in die Zukunft führen.

Was sind die Herausforderungen der Zukunft?

Prof. Dr. Sabine Bleiziffer: Die Patienten sind oft älter und komplexer erkrankt. Da müssen wir gute Behandlungskonzepte finden. Eine weitere Herausforderung ist natürlich der Nachwuchs.

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Was sind so die größten Chancen in der Herzchirurgie?

Prof. Dr. Sabine Bleiziffer: Es gibt große Chancen, mit schonenderen Verfahren die Patienten so zu behandeln, dass sie schneller ihr normales Leben weiterführen zu können. Das gelingt technisch, durch kleinere Schnitte, durch immer bessere Implantate wie Klappenprothesen, aber eben auch durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit und gute Behandlungspfade vor und nach der Operation, die dem Patienten helfen, schneller fit zu werden.

Was macht die Herzchirurgie so besonders?

Dr. Thomas Kuntze: Das Fachgebiet ist komplex und sehr anspruchsvoll. Man arbeitet am Herzen und hat damit unmittelbar mit den Vitalfunktionen zu tun. Die Verantwortung dafür trägt man auch während der OP gemeinsam mit dem Anästhesisten. Patienten mit einer ausgeprägten Herzschwäche oder mit einem sehr schweren Herzfehler zu operieren, ist auch für die Narkose und Kreislaufüberwachung sehr anspruchsvoll. Man ist einerseits Vollblut-Chirurg und zugleich auch ein bisschen Kardiologe und Internist und muss sich mit allen Aspekten der Behandlung befassen.

Prof. Dr. Sabine Bleiziffer: Man muss das Herz, wenn man es operiert, so wiederherstellen, dass alle Funktionen wieder da sind. Im Gegensatz zu einem Bein zum Beispiel, das man in den Gips legen kann, muss das Herz sofort wieder funktionieren. Das ist für mich ein faszinierender Teil der Herzchirurgie.

Prof. Dr. Sabine Bleiziffer ist die neue Chefärztin der Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum der Zentralklinik Bad Berka.
Prof. Dr. Sabine Bleiziffer ist die neue Chefärztin der Klinik für Herzchirurgie am Herzzentrum der Zentralklinik Bad Berka.© Zentralklinik Bad Berka

Nicht alle Herzerkrankungen sind vermeidbar, aber die Hälfte schon, welche Rolle spielt Prävention?

Dr. Thomas Kuntze: Die spielt eine immer größere Rolle. Alle wissen, Rauchen und Bluthochdruck sind nicht gut für das Herz. Aber es gibt beispielsweise bei den Fettstoffwechselstörungen noch viel Nachholbedarf. Das ist ein Thema, dem ich mich auch in Zukunft widmen möchte. Hier ist ein Riesenpotenzial, um Herzerkrankungen, Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle zu verhindern. Es gibt doch heute so effektive Möglichkeiten, sowohl durch Änderung der Lebensweise, als auch durch die Einnahme bestimmter Medikamente, z. B. Statine. Im Idealfall können wir damit vielen Menschen die Operation oder Intervention ersparen.

40 Jahre Herzchirurgie - erinnert man sich an viele Gesichter?

Dr. Thomas Kuntze: Man erinnert sich an viele Gesichter und an viele einzelne Geschichten. Man erinnert sich natürlich besonders an manche schwierige Situation oder an Patienten, mit denen man kritische Phasen durchlebt hat. Wenn alles gut gegangen ist und ich manchmal nach zehn Jahren erfahren habe, dass es den Patienten immer noch gut geht, freue ich mich sehr.

Herzlichen Dank für diesen Einblick!

Interview: Anke Geyer 

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© Zentralklinik Bad Berka