Es war die erste Rede des Kanzlers als Regierungschef zum Tag der Deutschen Einheit und Friedrich Merz traf den richtigen Ton. Auf saarländischem Boden, der so oft Spielball kriegerischer Mächte war, beschwor er die Einheit Europas. Ein wichtiges Bekenntnis, das Frankreichs Staatspräsident mit Beifall quittierte. Diese Einheit ist tatsächlich lebensnotwendig, für West wie Ost.
Was der Kanzler nicht lieferte, war eine „Ruck-Rede“ à la Roman Herzog, die mancher erwartet hatte und die mit Leidenschaft die skeptische Stimmung dreht, die Schwarz-Rot immer deutlicher entgegenschlägt. Friedrich Merz sagte deutlich, an welchen Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens er festhalten will. Alles daran war richtig und reizte nicht zum Widerspruch.
Auch interessant
Aber sein Satz „Wir müssen uns mehr anstrengen“ blieb eher leere Formel als konkreter Appell. Dabei spürt das ganze Land schon lange, dass sich vieles ändern muss. Dass gespart und trotzdem weiter hart gearbeitet werden muss. Das gilt für alle Deutschen und auch für die, die aus ganz unterschiedlichen Gründen zu uns gekommen sind.
Bei den Anstrengungen muss Friedrich Merz bald konkret werden, sonst gewöhnt man sich an Appelle, denen keine Konsequenzen folgen. Das erwarten besonders die Ostdeutschen, das muss man zum 3. Oktober erwähnen, die der alten politischen Mitte immer mehr entfliehen und das Zutrauen in den Staat besonders schnell verlieren.

Dass ausschließlich westliche Politiker und niemand aus dem Osten auf der Rednerliste stand, war in diesem Zusammenhang mehr als nur ungeschickt. Das darf am Tag der Deutschen Einheit nicht passieren.




