Sie sind jetzt ein halbes Jahr Chefärztin, sind Sie gut angekommen?

Ja, sehr gut. Wir sind ein starkes Team, voller Energie und ich freue mich auf 2026.

Sie haben ganz schnell ein neues Verfahren eingeführt?

Ja. Es geht dabei um die Behandlung der Aortenklappenstenose, also die Verengung durch Verkalkung, was relativ oft vorkommt. Die Herzmedizin macht große Fortschritte und so können wir nun Patienten ohne die Eröffnung des Brustkorbs behandeln. Dabei wird durch einen axillären Zugang, seitlich unterhalb der Achselhöhle zwischen zwei Rippen operiert. Wir haben so Zugang zum Herzen auch ohne das Brustbein zu öffnen, was der konventionelle Weg ist.

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Was bedeutet das für den Patienten?

Die Patienten haben große Angst, wenn wir erklären, dass das Brustbein eröffnet werden muss, obwohl das natürlich sehr sicher ist. Trotzdem ist es eine große Erleichterung, wenn wir anbieten können, das auch von der Seite zu operieren. Es führt zu schnellerer Erholung, die Patienten können schneller ihre Alltagstätigkeiten wieder aufnehmen.

Das ist auch weniger schmerzhaft nach der OP?

Ja und natürlich verkürzt sich damit auch die Aufenthaltsdauer in der Klinik.

Ist das bei jedem Patienten mit Aortenklappenstenose möglich?

Grundsätzlich kann man das bei jedem machen. Aber wir überprüfen individuell, ob die Anatomie geeignet ist. Dazu gibt es vorher eine CT-Untersuchung, bei der wir alles genau vermessen.

Sie haben schon die ersten Patienten operiert, gibt es weitere schonendere Möglichkeiten, auch perspektivisch?

Ja, beispielsweis auch bei der Chirurgie der Herzkranzarterien, in der Koronarchirurgie. Wir sind dabei, weitere Entwicklungen zu verfolgen, die schonender sind, beispielsweise auch durch den Einsatz robotischer Chirurgie. Das Ziel ist es, immer weniger invasiv zu operieren, damit sich die Patienten schneller erholen, natürlich auch vor dem Hintergrund, dass unsere Patienten immer älter werden und besondere Bedürfnisse haben.

Sie sind im März auch auf der Gesundheitsmesse mit dem Thema „Schlagen Frauenherzen anders?“ Warum gerade dieses Thema?

Natürlich schlagen Frauenherzen nicht anders, aber sie stellen uns aber vor besondere Herausforderungen in der Diagnostik. Oft stellen sich die Symptome bei Frauen anders dar. Schmerzen werden anders lokalisiert, anders beschreiben als bei Männern. Oft sind es bei Frauen Abgeschlagenheit und Müdigkeit, die nicht direkt ans Herz denken lassen. Auch Frauen selbst führen ihre Symptome sehr häufig nicht aufs Herz zurück, sondern auf Stress und Überlastung. Bei der Therapie gibt es auch große Unterschiede. Die Anatomie bei Frauen ist naturgemäß kleiner, was herausfordernder sein kann bei verschiedenen Operationen. Das Gewebe ist anders, weicher und deutlicher anspruchsvoller. Man muss sehr präzise arbeiten.

Interview: Anke Geyer