Zu langsam, zu unentschlossen, zu führungsschwach. Diese Kritik – besonders aus dem eigenen politischen Milieu – begleitet den Kanzler seit dem Start seiner Regierung. Jetzt hat der Hobbypilot Merz den Nachbrenner gezündet und regiert Berlin schwindelig.

Der Kanzler fliegt mit Extra-Schub in Richtung Rest seiner Legislatur. Erst folgten Schlag auf Schlag die Entscheidungen zu den Reformen bei Rente, Steuern, Gesundheit. Jetzt stellt der Kanzler seine Mannschaft neu auf. Das ist ungewöhnlich, schließlich regiert Schwarz-Rot erst seit gut einem Jahr.

Friedrich Merz hat erkannt, dass er entschlossen handeln muss, wenn die CDU eine Zukunft als Regierungspartei haben soll. Die Kombination aus schnellen Reformen und neuen Köpfen soll die Kehrtwende bringen. Es ist ein riskantes Luftmanöver, wenige Wochen vor schwierigen Wahlen.

Jörg Quoos ZRB
Jörg Quoos ist Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion. © FFS | Reto Klar

Kanzler demonstriert Macht: Ministerwechsel soll Bahnkrise lösen

Der Abschuss des Verkehrsministers ist „show of force“, wie Piloten sagen. Eine Machtdemonstration des Kanzlers und kein politisch logischer Schritt. Patrick Schnieder hält als Bauernopfer her, das die entnervte Bahnkundschaft und brückengeschädigte Autofahrer besänftigen soll. In Wahrheit kann kein menschliches Wesen jahrzehntelange Versäumnisse bei unserer Infrastruktur wegzaubern.

Der Kanzler hat gehandelt, jetzt muss sein Plan aufgehen. Die Rochaden im Kanzleramt und im Gesundheitsministerium sind dabei der heikelste Teil. Versagen Warken und Linnemann, ist ein erneuter Wahlsieg für die Union unvorstellbar. Haben sie Erfolg, gibt es nicht nur eine zweite Luft für die Union. Dann gibt es neben Hendrik Wüst zwei weitere Namen, die bei der Merz-Nachfolge eine Rolle spielen können.