2026 ist ein Superwahljahr in Deutschland – mit fünf Landtagswahlen, die weit über die Landesgrenzen wirken. Überall hat die AfD starke Zuwächse in den Umfragen, in zwei ostdeutschen Bundesländern will sie an die Regierung kommen. Der FDP droht das parlamentarische Aus, die Linke hat dagegen Aufwind. Die jeweils aktuelle Sonntagsfrage und welche Regierungsbündnisse damit möglich wären.
Nach dreieinhalb Jahren schwarz-roter Koalition wird in Berlin am 20. September ein neues Landesparlament gewählt: das Abgeordnetenhaus. Wer danach regieren wird, ist offen: Nur Kai Wegner (CDU) wird nicht mehr Regierender Bürgermeister sein. Nach seinem Tennismatch während des großen Stromausfalls im Januar war er bereits etwas angekratzt, nach Lügen-Vorwürfen dazu zog er am 10. Juli seine Kandidatur zurück - nur 72 Tage vor der Abgeordnetenhaus-Wahl. Mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Stefan Evers hat die CDU in den Umfragen wieder aufgeholt. Die Linke verlor wieder etwas. Das Rennen wird knapp. Alles läuft auf ein Dreierbündnis hinaus, mit oder ohne CDU.
Mecklenburg-Vorpommern wählt am gleichen Tag wie Berlin – muss ähnlich wie Sachsen-Anhalt mit einem starken AfD-Ergebnis rechnen. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist erneut designierte SPD-Spitzenkandidatin, sie regiert seit 2021 mit der Linken. Das Regierungsbündnis ist laut den Umfragen aber weit von einer eigenen Mehrheit entfernt. Der als AfD-Ministerpräsidentenkandidat nominierte Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm gab bereits als Ziel eine Alleinregierung in Schwerin aus. Doch daraus dürfte nichts werden. Denn die SPD hat wieder aufholt. Stabile Regierungsmehrheiten wären aber laut Umfragen immer noch schwierig.
Auch interessant
Sonntagsfrage und Koalitionsrechner
Verfolgen Sie hier, welche Zustimmung die Parteien hätten, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre. Die Umfragewerte stammen von wahlrecht.de. Dort werden Daten zur sogenannten Sonntagsfrage der größten in Deutschland tätigen Meinungsforschungsinstitute gesammelt („Wenn am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre …“ ). Alle dargestellten Umfragen sind repräsentativ.
Doch sie sind immer mit Unsicherheiten behaftet. Schwindende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen erschweren den Wahlforschenden zunehmend die Gewichtung. Grundsätzlich spiegeln die Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.
Beim Koalitionsrechner werden aufgrund möglicher Überhang- und Ausgleichsmandate keine absoluten Sitze angegeben – sondern Sitzanteile aufgrund der Umfragewerte unter Berücksichtigung der Fünf-Prozenthürde. Als Zusatzinformation ist jeweils die reguläre Sitzzahl angegeben, die sich aufgrund des Wahlsystems erhöhen können. Da die CDU mit ihrem Unvereinbarkeitsbeschluss Koalitionen mit der AfD und auch der Linken ausgeschlossen hat, werden diese nicht berücksichtig.
Sachsen-Anhalt sieht nach Landtagswahl Blau
Zwei Wochen vor der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hatte Sachen-Anhalt gewählt. Und das östliche Bundesland sieht Blau: Das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs könnte mit der AfD eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen.
Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erreichte 43,8 Prozent der Stimmen vor den Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent. Auch die SPD mit 9,3 Prozent, die Grünen mit 8,9 Prozent, die Linke mit 8,6 Prozent und das BSW mit 5,3 Prozent zogen in den Magdeburger Landtag ein, während die FDP mit 2,6 Prozent aus dem Landesparlament ausschied.
Auch interessant
Landtagswahlen im Südwesten bereits im Frühjahr – die Ergebnisse
Bereits im Frühjahr wurde im Südwesten gewählt. Den Auftakt bei den Landtagswahlen hatte am 8. März Baden-Württemberg gemacht. Lange sah es in den Umfragen so aus, als wäre die Wahl schon zugunsten der CDU gelaufen. Doch zum Ende hin wurde es spannend wie selten zuvor.
Die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir haben knapp vor der CDU mit Landeschef Manuel Hagel gewonnen. Mit der Wahl in Baden-Württemberg ist nach 15 eine Ära zu Ende gegangen: Winfried Kretschmann - Deutschlands erster und bisher einziger Grünen-Ministerpräsident - tritt ab. Nun ist Cem Özdemir der erste Landesvater mit türkischen Wurzeln.
Zwei Wochen nach Baden-Württemberg hat Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag gewählt. Die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Gordon Schnieder hat die Wahl klar gewonnen – vor der SPD um Ministerpräsident Alexander Schweitzer, die auf ein historisches Tief in dem Bundesland stürzt. Verlierer war ebenfalls erneut sie FDP: Sie scheitert deutlich an der Fünfprozenthürde. Auch die Freien Wähler sind nun draußen.
Die Grünen haben nur leicht verloren, müssen sich aber nun auf die politische Arbeit in der Opposition einstellen. Die Linke verpasst knapp ihren ersten Einzug in den Mainzer Landtag. Die AfD hat am stärksten zugelegt: Sie konnte ihr Ergebnis Im Vergleich zur letzten Wahl mehr als verdoppeln – es ist ihr bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland.
Ein Projekt des Interaktiv-Teams
Von André Pätzold, Jeremias Volker, Carla Grefe-Huge und Sebastian Vollnhals. Weitere Anwendungen des Teams finden Sie auf der Interaktiv-Übersichtsseite



