In ihrer Kolumne „Buchtipp der Woche“ stellt Redakteurin Anette Elsner jede Woche ein neues Kinder- oder Jugendbuch vor.

Dass ein Loch in der Wand in eine andere Welt führt, ist jetzt nicht die originellste aller Ideen. Wenn aber die junge Hüterin eines schrulligen alten Museums in einem abgelegenen Kaff und ein Café-Betreiber, der ein Auge seiner toten Zwillingsschwester absorbiert hat, hindurchsteigen, wird es interessant.

Für Fans von Algernon Blackwood

Simon und Kara finden sich in einem Paralleluniversum wieder, durchdrungen von Inseln und Bunkern, bewachsen von Weiden, die nichts Gutes im Sinn haben. Bis den beiden das klar wird, stolpern sie durch Sümpfe, flüchten vor Platzregen und Wesen, die zu ahnen, aber nicht zu greifen sind. Wer sich jetzt an „Die Weiden“ erinnert fühlt: Schriftsteller Algernon Blackwood zählt zu den Vorbildern der Autorin.

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Dazu finden sie einen Schulbus voller Geisterkinder, die scheinbar hinter einer dünnen Hülle in einer weiteren Welt gefangen sind, einen zerfressenen Mann, der nur noch aus Haaren und Oberkörper besteht, eine Bibel mit seltsamem Inhalt. All das und mehr bringt Kara und Simon an den Rand des Wahnsinns.

Buchkolumne 2025
Geisterwesen, Paralleluniversen und ausgestopfte Tiere, die zur lebendigen Bedrohung werden – dazwischen viel Kaffee und lakonischer Humor: „The Hollow Places“ bedient alle, die Horror mit dem gewissen Extra mögen.© Eichborn | Eichborn

Mit Mühe und Not schaffen sie es durch das Loch in der Wand zurück ins „Wundermuseum“ von Karas Onkel Earl. Es war Karas Zuflucht in der Kindheit und ist der Ort, an dem sie sich sicher und geborgen fühlt. Das Problem: Die Weiden finden sie, bohren ihre Wurzeln in ihre Welt. Und der ausgestopfte Riesenotter, stolz des Museums, wird lebendig und seinem Beinamen auf grausige Weise gerecht: Wasserjaguar.

Horror – gemischt mit Witz und Märchen

Wer eine gute Portion Horror liebt, gemischt mit Mystery, Märchen und einem Schuss lakonischen Humors, sollte „The Hollow Places“ unbedingt auf die Leseliste setzen. In Kauf nehmen muss die Leserin die schlaffördernde Langatmigkeit, mit der Autorin T. Kingfisher Beschaffenheit und Bewohner des todbringenden Universums beschreibt. Davor und danach jedoch zieht sie uns zügig und witzig in eine schräge Welt, in der am Ende niemand mehr sicher sein kann, was hinter der nächsten Ecke lauert.

T. Kingfisher (Text), Sonia Bonné (Übers.): The Hollow Places. Eichborn, 368 Seiten, 18 Euro, ab 16

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