In der Kolumne „Buchtipp der Woche“ wird jede Woche ein neues Kinder- oder Jugendbuch vorgestellt.

Dieses Mal taucht Sophia Klefisch ein in die Geschichten von sechs Mädchen, die mit unterschiedlichen Sorgen und Problemen zu kämpfen haben. Doch sie finden Leute, die ihnen zuhören und sie auf ihrem Weg unterstützen.

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Jugendliche können einander das Leben ganz schön zur Hölle machen. Dass die fiesen Kommentare oft unbedacht herausrutschen, ist dabei keine Entschuldigung. Während die Sorgen und Probleme einiger vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind, haben andere täglich mit Blicken und Beleidigungen zu kämpfen. Wie sie es schaffen, damit umzugehen, davon erzählen die sechs Geschichten in „Girl Hood“.

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Sechs Jugendliche und ihre Geschichten

Auch wenn die sechs Teile des Buches unabhängig voneinander sind und sich die Charaktere nie begegnen, zieht sich doch als roter Faden durch, dass für sie der Schulalltag nicht ganz so einfach zu bewältigen ist.

Dalia ist mit ihrer Familie aus Syrien geflohen und gibt alles, um endlich in eine reguläre Klasse gehen zu dürfen. Dabei bekommt sie deutlich zu spüren, dass die sogenannten „Willkommensklassen“ anders behandelt werden. Die in Deutschland geborene Pree ist fast jedes Wochenende auf einer indischen Hochzeit und liebt den Trubel – gleichzeitig versucht sie, zu ihrer queeren Identität zu stehen.

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Während Nour unfreiwillig zum Internet-Meme wird und sich nicht mehr aus dem Haus traut, weil ihr Gesicht durch zahlreich erstellte Bild-Collagen plötzlich stadtbekannt ist, veröffentlicht Liv selbst ein TikTok Video. Darin teilt sie im Poetry Slam-Stil ihre schmerzhaften Erfahrungen mit Witzen über ihren Körper und den Rollstuhl. Wichtig ist beiden, die Kontrolle über ihre Geschichten zurückzuerobern.

Girl Hood Arctis Verlag Jugendbuch
Amani Padda, Anna Dimitrova, Basma Hallak, Justine Pust, Katharina Seck, Rabia Doğan: Girl Hood – Sechs inspirierende Storys über Mut, Stärke und Zusammenhalt. Arctis, 315 Seiten, 18 Euro, ab 14.© Arctis Verlag | Arctis Verlag

Wie andere über den eigenen Körper urteilen, das erfahren auch Dessi und Biona. Wer nicht dem Norm-Gewicht entspricht, erntet Spott – und aus dem Wunsch, zu gefallen, entsteht schnell eine Essstörung. In Bionas Geschichte zeigt sich, dass die Pille nicht in jedem Fall eine ungewollte Schwangerschaft verhindert. Während Mitschüler:innen offen über die „Klassenschlampe“ lästern, muss das Mädchen eine schwierige Entscheidung treffen.

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Unterschiedliche Stimmen kommen zu Wort

Nicht alles endet mit einem hundertprozentigen Happy End, so ist die Realität leider nicht. Aber ein Aspekt zieht sich durch alle Storys: Wie wichtig es ist, gute Freundschaften zu haben. Familie kann man sich nicht aussuchen, und vom Schulalltag bekommen die Eltern sowieso wenig mit. Aber in dem Ausmaße, in dem sich einige Jugendliche beim Mobbing zusammenschließen, gibt es andere, die dem ganz stark entgegentreten und die Hauptfiguren auf ihrem Weg unterstützen.

Weitere Buchtipps der Woche:

Der Sammelband präsentiert eine wunderbare Bandbreite an Perspektiven und die sechs Autorinnen greifen sehr unterschiedliche, aber wichtige, Thematiken auf. Inklusion und Diversität sind hier keine leeren Begriffe, und es kommt nie das Gefühl auf, dass etwas nur geschrieben wurde, um mit erhobenem Zeigefinger Leser:innen zu belehren. Wer diese Mädchen kennenlernt, schaut hoffentlich mit etwas mehr Empathie auf Jugendliche im eigenen Umfeld, statt sie gleich als Problemfälle abzustempeln.

Amani Padda, Anna Dimitrova, Basma Hallak, Justine Pust, Katharina Seck, Rabia Doğan: Girl Hood – Sechs inspirierende Storys über Mut, Stärke und Zusammenhalt. Arctis, 315 Seiten, 18 Euro, ab 14.