In Judith Kranz‘ „Soma“ wird eine postapokalyptische Welt gezeigt, in der die Protagonisten in Schutzanzügen und Masken leben, da Luft, Wasser und Erde verseucht sind. Das wird schon im Prolog klar. Der Leser beobachtet hier eine Opferung: Eine Person zieht ihre Schutzkleidung aus, woraufhin ihre Haut aufbricht, sie legt sich in ein düsteres Wassergrab und wird mit Erde bedeckt – bis auf ein Pflänzchen, das aus ihrem Bauch sprießt.

Viele Emotionen trotz verdeckter Gesichter
Ohne Worte und ohne Mimik vermittelt die Autorin eine beklemmende Stimmung. Dabei erinnert der Zeichenstil aber an eine buntere Welt etwa aus Ghibli-Filmen. So ähneln die Masken dem Ohngesicht aus „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder den Baumgeistern aus „Prinzessin Mononoke“. Auch die üppige Natur in „Soma“ lässt trotz Graustufen an Wälder aus der Feder von Hayao Miyazaki denken.

Nach der Opferung diskutieren zwei der maskierte Personen, Lan und Iri. Das Ritual sei grausam, scheint aber dennoch nötig zu sein. Als Lan als nächstes Opfer ausgelost wird, flieht er. Eine gefährliche Reise beginnt, begleitet von seinem Kindheitsfreund, dessen Verhalten Fragen aufwirft.
Soma dienen als Nährstoffe für neue Bäume
Die düstere Welt beschreibt einen Kreislauf, in dem resistente Pflanzen überleben, während Opfer nötig sind, um neue Bäume hervorzubringen. Die Geschichte thematisiert Misstrauen gegenüber dem gesellschaftlichen System, den Wunsch nach Veränderung, aber auch die Angst, sich zu widersetzen, und Sorge vor der Zukunft.
Warum die Welt verseucht ist, bleibt vorerst geheim. Auch das Ende bleibt offen und somit das Schicksal der Soma.
Judith Kranz: Soma. Reprodukt, 192 Seiten, 29 Euro.
Nackte Hexen und eine grimmige Ziege
Wer lieber humorvolleren Grusel lesen möchte, sollte einen Blick auf die Graphic Novel „Hexenkunst“ von Sole Otero werfen. Doch Achtung, sie ist alles andere als jugendfrei.

Die Graphic Novel enthält neun Geschichten über drei mysteriöse Frauen, die mit verschiedenen Personen zu verschiedenen Zeiten in Kontakt kommen. Das erste Kapitel nach dem Prolog beschäftigt sich zum Beispiel, mit einem Mann, der sexuell sehr aktive Nachbarn hat. Doch nach einigen Seiten offenbart sich, dass er zum Opfer eines Rituals wurde, bei dem drei nackte Frauen den „Saft“ (so beschreibt es der Mann selbst) von Männern entnehmen. Das mag merkwürdig klingen, doch es lohnt sich, weiterzulesen. Je weiter man in „Hexenkunst“ vorankommt, desto spannender wird es, die verschiedenen Personen und Geschichten miteinander zu verknüpfen und sich dadurch ein eigenes Bild über die drei Hexen zu machen.
Neue Graphic Novels, Comics und Mangas
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Spannung aus dem Jenseits: Der Tod als Detektiv: Kinderkrimi mit Magie, Mord und einem schrägen Ermittler-Gespann
Geheimtipp: Der unbekannte Thüringer Dichter
Für Zocker und Spielebegeisterte: Playstation, Pacman und Pokemon: Abenteuerreise durch die Pixel-Universen
Auf dem Weg zum Deutschen Jugendliteraturpreis: Wilder Ritt mit Snapdragon
Sole Oteros vielseitiger Zeichenstil kombiniert in den Geschichten kräftige Farben mit gedämpften Tönen für eine humorvolle oder schaurige Atmosphäre. Großflächige Illustrationen wechseln sich ab mit klassischen Panel-Layouts. Die Graphic Novel sticht mit ulkiger Mimik hervor, präsentiert aber gleichzeitig emotionale Szenen und greift ernste gesellschaftliche Themen auf. Neben Männlichkeit und was diese ausmacht, Skandalen in Reihen der Kirche, Vorurteilen gegenüber verschiedenen Personengruppen sowie mystischen Legenden hat sogar Covid in „Hexenkunst“ einen Auftritt.

Sole Otero: Hexenkunst. Reprodukt, 340 Seiten, 34 Euro.



