In der Kolumne „Buchtipp der Woche“ werden neue Kinder- und Jugendbücher vorgestellt. Dieses Mal reist Sophia Klefisch zurück in die 1950er Jahre und begleitet ein Mädchen, das ungeplant in einem alten Kohlebergwerk landet und dort einen Freund fürs Leben findet.

Sonntag
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„Meinen Sie, die werden mich mögen?“ Ein wenig ängstlich steht Birdie auf dem Bahnsteig. Sobald sie in den Zug einsteigt, wird sie ihr altes Leben zurücklassen. Im Kinderheim von Mrs. Dudley hat sie sich immer wohlgefühlt. Doch nun gibt es eine Großtante, die ihr ein neues Zuhause geben möchte. Wird Birdie endlich eine richtige Familie haben?
Die wahre Geschichte der Grubenponys
Aber als einziges Schwarzes Mädchen in einem kleinen englischen Dorf der 1950er Jahre fällt Birdie sofort auf. Einige Leute treten ihr offen feindselig gegenüber, die Lehrerin hält sie für völlig ungebildet. Nur Onkel Walter nimmt das Mädchen sofort herzlich auf. Und einen ersten Freund findet Birdie auf außergewöhnliche Weise: Während sie sich vor einigen Jungs versteckt, die sie ärgern wollen, landet sie in einem Kohlebergwerk.
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Fast findet sie den Weg nicht mehr heraus, als plötzlich ein Pony vor ihr auftaucht. Staub und Kohle auf dem Fell, die Mähne ganz kurz geschoren. Aber Birdie ist überzeugt, noch nie in ihrem Leben etwas Schöneres gesehen zu haben. Sie nennt das Pony Mr. Duke und setzt alles daran, ihn aus dem Bergwerk zu holen.
Ponys wie Mr. Duke gab es wirklich früher im Bergwerk. Als Grubenponys haben sie die schweren Wagen voll Kohle gezogen. Manche lebten fast ihr ganzes Leben unter der Erde. Der Roman zeigt deutlich, welche gesundheitlichen Folgen die Tiere durch die Arbeit und den Kohlenstaub davongetragen haben und gibt am Ende einen kleinen historischen Überblick über die Realität hinter der Geschichte.
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Birdie behauptet sich gegen rassistische Vorurteile
Es sagt viel über die Dorfgesellschaft aus, wenn ein kleines Mädchen lieber Zeit in einem dunklen Bergwerk verbringt als über Tage, weil es dort zumindest nicht Beschimpfungen und rassistischen Kommentaren ausgesetzt ist. Besonders bewegend ist, dass Birdie zunächst gar nicht bewusst ist, warum sie anders behandelt wird. Im Kinderheim gab es nur Kinder wie sie, die einen amerikanischen Soldaten zum Vater hatten – eine dunklere Hautfarbe war hier Normalität.
HIER gibt es alle Buchtipps.

Der Roman zeigt deutlich, wie unsinnig es doch ist, Menschen aufgrund ihres Aussehens abzuwerten. Und so wie Birdie angeblich nicht in die Gesellschaft passt, so wird auch Mr. Duke zunächst als Teil einer unschönen Vergangenheit angesehen. Das Pony gerät deshalb in Gefahr und Birdie muss eine Entscheidung treffen. Aber vielleicht können die beiden das Dorf davon überzeugen, dass auch sie dazugehören.
J. P. Rose: Birdie – Eine Freundschaftsgeschichte. Suhrkamp Insel, 16 Euro, ab 9







