„Wir machen hier alles, von Kino über Techno-Partys und pädagogische Projekte für Jugendliche bis zu speziellen Veranstaltungen für Senioren. Und manchmal verlegen wir für ein Festival einfach den Strand von einem zum anderen Ufer“, sagt Claudia Henniger, Leiterin der Rudolstädter Saalgärten.

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Sie würden von einem kleinen, festen Team getragen, das je nach Projekt von Ehrenamtlichen, FSJlern und freien Kräften ergänzt wird. „Bei manchen Events besuchen uns mehrere Hundert Menschen, da brauchen wir temporär viele helfende Hände“, fügt sie hinzu.

Wie Minderjährige Party ohne Eltern machen

Wer den Industriebau betritt, landet nicht einfach in einem Club, sondern in einem Mikrokosmos. Ein Ort, an dem Filmvorführungen, Kochkurse und durchtanzte Nächte nebeneinander existieren. „Die Saalgärten sind weit mehr als ein Veranstaltungsort“, sagt die Rudolstädterin.

Die öffentliche Institution Rudolstadts sei ein soziokulturelles Zentrum, ein Treffpunkt für Jung und Alt, ein Ort der Begegnung, der Bildung, Unterhaltung und kreativen Entfaltung. Und das ist weithin bekannt: „Unsere Besucher kommen nicht nur aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, sondern weit darüber hinaus“, sagt die 59-Jährige.

Saalgärten Rudolstadt
Im Jahr 2004 spielte die Band Blackfire in den Rudolstädter Saalgärten.© Funke Medien Thüringen | Archiv Saalgärten

Der Gebäudekomplex selbst hat eine bewegte Geschichte. Ursprünglich gehörte er zur alten Rudolstädter Lederfabrik, bevor er ab 1998 umfassend umgebaut wurde. Ein Jahr später, 1999, eröffneten die Saalgärten offiziell ihre Türen. „Seitdem haben sich die Räumlichkeiten stetig weiterentwickelt, um den Bedürfnissen einer breiten Besucherschaft gerecht zu werden“, erklärt Henniger das Konzept.

Die Geschichte der Einrichtung ist untrennbar mit der charismatischen Frau verbunden. Bereits seit 1988 ist sie im Kultur- und Jugendbereich aktiv, schon damals in städtischer Anstellung, und hat seitdem mehrere Generationen begleitet. Ihre Ausbildung und ihr Studium bereiteten sie auf diese Aufgabe vor, ebenso wie ihre Erfahrungen nach der Wende, unter anderem im Cumbacher Jugendzentrum und als Touristenführerin auf der Heidecksburg.

Saalgärten Rudolstadt
Claudia Henniger arbeitet seit 1999 am heutigen Standort der Saalgärten in Rudolstadt mit Freude für das soziokulturelle Zentrum.© Funke Medien Thüringen | Dirk Petermann

Filmveranstaltungen, Lesungen und Buchvorstellungen von regionalen und überregionalen Autoren, Konzerte und Workshops für alle Generationen gehören heute zum festen Repertoire. Auch Events speziell für Minderjährige veranstalten die Saalgärten, begleitet von einem Awareness-Team, das Sicherheit für Jugendliche auch ohne ihre Eltern gewährleistet.

Die Bedeutung der Saalgärten zeige sich laut der Leiterin nicht nur in ihrem Programm, sondern auch in der engen Zusammenarbeit mit der Stadt Rudolstadt und überregionalen Kooperationspartnern. Als städtisch betriebenes Zentrum arbeitet das Team eng mit dem Theater, sowie dem Theaterspielladen unter Leitung von Frank Grünert sowie dem Rudolstadt Festival, koordiniert von Petra Rottschalk und thüringenweiten Partnern zusammen.

Saalgärten Rudolstadt
„Die Krupps“ aus Düsseldorf traten ebenfalls in den Rudolstädter Saalgärten auf.© Funke Medien Thüringen | Archiv Saalgärten

Diese Kooperationen ermöglichen interdisziplinäre Projekte und garantieren ein Programm, das über lokale Grenzen hinausstrahlt. Claudia Henniger betont, dass Thüringen mindestens 90 vergleichbare soziokulturelle Zentren bietet, die im Netzwerk LAG Soziokultur Thüringen verbunden sind. Die Saalgärten würden laut der Leiterin unter diesen Einrichtungen eine besondere Position einnehmen, was nicht zuletzt am Kulturreichtum der Stadt liege.

Wo Stars ihre ersten Schritte unternahmen

Zu den musikalischen Highlights der Saalgärten zählen Auftritte von Künstlern, die heute international bekannt sind. Clueso etwa trat hier noch als unbekannter Hip-Hopper auf, bevor er einem breiten Publikum bekannt wurde. Ähnliches gilt für den Rapper Cappuccino.

Die Sängerin Nina Hagen trat zwar nicht direkt in den Saalgärten auf, aber das Zentrum fungierte als Veranstalter für ihren Auftritt im Stadthaus Deutscher Krug, was die verbindende Rolle der Saalgärten für die regionale Kulturszene unterstreicht.

Saalgärten Rudolstadt
Claudia Henniger präsentiert einen Diafilm aus dem Bestand der Rudolstädter Saalgärten, der den Rapper Cappuccino (Karsten Löwe) zeigt, welcher in den 90er Jahren im soziokulturellen Zentrum auftrat.© Funke Medien Thüringen | Dirk Petermann

Ihre Einrichtung habe auch schwierige Phasen erlebt. Claudia Henniger erwähnt, dass in den 1990er-Jahren auch die Saalgärten mit der Skinhead-Szene konfrontiert waren. Sie sagt, dass es damals durchaus Spannungen und Vorfälle gab, die man nicht ignorieren konnte. Gleichzeitig hebt sie hervor, dass die Einrichtung bewusst auf Aufklärung, Dialog und Jugendprojekte setzte, um solche extremistischen Strömungen einzudämmen, statt sie einfach zu verbieten oder auszusperren.

Heute ist das Engagement für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftliche Verantwortung ein fester Bestandteil der Mission der Saalgärten. Im Kontext der aktuellen Debatte rund um den in der Kritik stehenden Bundeskulturstaatsminister Wolfram Weimer, sieht Claudia Henniger eine Gefahr für eine homogene Kulturlandschaft.

„Es ist problematisch, wenn Buchhandlungen wegen vermeintlicher Inhalte vom Verfassungsschutz überwacht werden, ohne dass Begründungen offenliegen. Diskussion und Vielfalt sind Teil unserer Kultur und nicht deren Ausgrenzung.“

Claudia Henniger

Zukunftsorientiert denkt Claudia Henniger über Erweiterungen und Verbesserungen für die Saalgärten nach. Vor Jahren habe sie den Bau einer Fußgängerbrücke von der Bleichwiese direkt über die Saale zu den Saalgärten erwogen, um Besuchern des Rudolstadt Festivals einen direkten Zugang zu ermöglichen. Bisher wurde die Idee aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt. Sie bliebe jedoch ein mögliches Projekt für die Zukunft, so Henniger.

Saalgärten Rudolstadt
Der Baum am rechten Bildrand wurde während der Umbaumaßnahmen im Jahr 1998 durch einen Tourbus einer Band vor den Saalgärten umgefahren.© Funke Medien Thüringen | Archiv Saalgärten

Für das Jahr 2026 plane das Zentrum neue Highlights, darunter erweiterte Literatur- und Musikprogramme, Workshops für Jugendliche und generationenübergreifende Projekte, die neue Publikumsschichten ansprechen sollen.

Persönlich wünscht sich Claudia Henniger, dass die Saalgärten weiterhin ein Ort bleiben, an dem Kreativität, Begegnung und Kulturhandwerk für alle erlebbar sind. Die Einrichtung solle nicht nur ein Rückzugsort sein, sondern ein aktiver Bestandteil des kulturellen Lebens in Thüringen.

Saalgärten Rudolstadt
Seit 1999 wird am heutigen Standort der Saalgärten das soziokulturelle Zentrum im Osten Rudolstadts von Claudia Henniger verantwortet.© Funke Medien Thüringen | Dirk Petermann

„Die Saalgärten zeigen seit knapp 30 Jahren, wie ein soziokulturelles Zentrum in einer Kleinstadt wie Rudolstadt wirken kann“, sagt die Leiterin. Als historisch gewachsener Raum, als Bühne für lokale und internationale Künstler, verbindet ihre Einrichtung alle Gesellschaftsgruppen.

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Und das in einer Zeit, die von Spaltung geprägt ist. „Durch die Kombination von Kultur, Bildung, Engagement und Kooperationen ist das Zentrum ein pulsierender Ort, der weit über seine regionalen Grenzen hinaus strahlt“, sagt Henniger stolz.