Es sind diese Bilder, die einen für einen Moment innehalten lassen. Die Maus hält ein Pappschild hoch: „Blau mag ich nur beim Elefanten.“ Bernd das Brot kommentiert trocken: „Der andere Bernd ist Mist.“ Und der Sandmann mahnt: „Jetzt nicht müder werden, es ist kurz vor 1933.“
KiKa-Figuren in Erfurt protestieren
Was aussieht wie eine spontane Demonstration der Kindheitshelden, ist eine Kunstaktion des Bündnisses „100 gegen Rechts“. Wie Organisator Andreas Busch mitteilt, wurden zehn der 13 KiKa-Figurengruppen in Erfurt mit individuellen Protestplakaten ausgestattet. Die Fotos verbreiteten sich anschließend rasant in den sozialen Netzwerken. Mehr als 100.000 Likes und unzählige Kommentare später ist klar: Die Figuren haben einen Nerv getroffen.
„Ach du meine Nase, nicht schon wieder rechts“
Dabei funktioniert die Aktion gerade deshalb so gut, weil sie mit einem unerwarteten Kontrast spielt. Figuren, die viele mit unbeschwerten Kindheitserinnerungen verbinden, tauchen plötzlich in einem politischen Kontext auf. Pittiplatsch stöhnt: „Ach du meine Nase, nicht schon wieder rechts.“ Das Kikaninchen reimt: „Dibedibedab, die AfD schafft mich ab.“ Hein Blöd und Captain Blaubär erinnern daran, dass Seenotrettung kein Verbrechen ist. Die Botschaften sind unterschiedlich, die Richtung ist dieselbe.

Die Idee dahinter sei bewusst gewesen, sagt Busch. „Die KiKA-Figuren sind ein wichtiger Teil des Erfurter Stadtbildes und wir sind uns sicher, dass ihre Werte nicht mit denen der AfD übereinstimmen. Bernd, die Maus und Pittiplatsch haben mit Sicherheit genauso wenig Lust auf Rechtspopulismus wie wir.“
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Die Kunstaktion gehört zur Aktionswoche „100 gegen Rechts“, die rund um den bevorstehenden AfD-Bundesparteitag in Erfurt stattfindet. Für Andreas Busch geht es dabei um mehr als einzelne Veranstaltungen. Kultur sei nie unpolitisch, sagt er.

„Sie spiegelt immer auch die Gesellschaft wider, in der sie entsteht.“ Deshalb reiche es nicht aus, Kulturorte lediglich zu betreiben. Künstlerinnen, Künstler und Veranstalter sollten Haltung zeigen. „Ganz platt gesagt: Sie zeigen, dass sie für Demokratie stehen und gegen Rechtsextremismus.“
Freiheit der Kultur unter Druck
Zugleich sieht Busch die Freiheit der Kultur unter Druck. „Noch wird niemand zensiert“, sagt er. Dennoch beobachte er, dass manche Vereine vorsichtiger kommunizierten – aus Sorge, politische Positionierungen könnten sich irgendwann auf Förderentscheidungen auswirken. „Wir wollen uns weder zensieren noch vorschreiben lassen, was gesagt, gezeigt oder veranstaltet werden darf.“

Alle Bilder findet ihr im t.akt-Magazin
Dass ausgerechnet die Erfurter KiKA-Figuren diese Debatte anstoßen, wirkt fast folgerichtig. Seit 2007 stehen die Skulpturen als Aushängeschilder der Kindermedienstadt im öffentlichen Raum und gehören längst zum Stadtbild. Nun wurden sie für einen Moment zu Demonstrierenden – mit Pappschildern statt Fernsehkulisse.
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Die Resonanz zeigt, wie stark solche Bilder wirken können. Die Botschaft richtet sich nicht nur gegen Rechtsextremismus, sondern steht zugleich für Demokratie, Vielfalt und ein solidarisches Miteinander. Oder, um es mit dem Sandmann zu sagen: müde werden ist keinen gute Idee, wenn es um das Einstehen für Menschenrechte geht.





