Es gibt diese Sätze, die klingen harmlos und sind es überhaupt nicht. „Wir stehen in Kontakt mit verschiedenen Interessenten. Und wenn es soweit ist, geht dann auch eine Tür auf.“ Gesagt hat ihn Kay Salberg von der Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG), und wer in Erfurt schon mal um zwei Uhr nachts vor der Frage stand, wohin denn jetzt eigentlich noch, der liest da natürlich sofort mit: Club. Bahnhallenquartier. Endlich.

Private Clubmacher prüfen Erfurts alte Bahnhallen

Aber der Reihe nach. Wie Salberg mitteilt, wird tatsächlich geprüft, ob auf dem Gelände hinter dem Hauptbahnhof so etwas wie ein Club entstehen kann – allerdings nicht von der LEG selbst. „Da wird auch geprüft, von denen, die die Idee haben. Die sind auch schon unterwegs.“ Und dann der Satz, der alles einordnet: „Aber wie gesagt, das ist erst mal ein privates Risiko.“ Heißt im Klartext: Die LEG stellt die Mauern, den Rest müssen andere stemmen. Genehmigungen, Konzept, Geld.

Bahnhalle-Quartier Fremdgrundstück
Das Gelände hinter dem Hauptbahnhof wird saniert.© Funke Medien Thüringen | Holger Wetzel

Dass es Interessenten gibt, lässt sich bestätigen – dieser Redaktion ist eine Person bekannt, die allerdings nicht genannt werden möchte. Weitere Namen? Fehlanzeige. Auch Salberg hält sich bedeckt und bleibt beim diplomatischen Plural, bestätigt aber, dass es Interessenten gibt, die einen Nachtclub ins Spiel bringen.

Erst das Dach, dann der Bass

Bevor aber irgendwo eine Anlage aufgebaut wird, steht allerdings zunächst sehr viel Bauarbeit. Die großen Hallen sind, so Salberg, „sehr offenkundig marode“, die Dachflächen teuer, die Statik ein Thema für sich. „Erst wenn diese ganzen Dachprobleme und diese ganzen statischen Risiken entweder überwunden sind oder beherrschbar werden, erst dann kann man verantworten, dass man auch in den Hallen Zwischennutzungen denken kann.“ Ab Oktober rollen erst mal die Abbrucharbeiten weiter – die Sommerpause gab es nur, damit der Betrieb im Kommarum nicht gestört wird.

Erfurt
Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) bereitet das historische Areal des Reichsbahnreparaturwerkes für weitere Investoren vor.© Funke Medien Thüringen | Kai Mudra

Dazu kommt: Fast alles, was stehen bleibt, steht unter Denkmalschutz. Für jedes Gebäude braucht es eigene Anträge. Nervig? Schon. Aber Salberg klingt erstaunlich entspannt: „Wir kommen mit den Behörden eigentlich gut klar. Die wollen ja auch das, was wir wollen: den Standort aufwerten.“ Ein „abseits“ der Denkmale, in das man schnell mal eine kleine Bude setzen könnte, gibt es damit nicht: „Weil ja alles denkmalgeschützt ist, können wir ja kein abseits denken.“

Auch interessant

Angeklopft haben trotzdem schon einige. Indoor-Konzerte, Hallensport in allen Varianten, sogar Klettern im aufgestockten Wasserturm stand im Raum. Nur: „Die Voraussetzung dafür ist immer: Ich muss es genehmigungsfähig gestalten, es muss sicher sein, die Bausubstanz muss es hergeben.“ Ein konkretes Datum gibt es nicht, eine Richtung schon: „Ich denke mal, das wird dieses Jahr noch vergehen. Aber als Perspektive ins nächste Jahr hinein kann es schon sein, dass wir noch mehr bauliche Nutzungsmöglichkeiten öffnen können.“

Der Blick geht nach Leipzig

Eine Einschränkung liefert er selbst hinterher, und die sollte man mitdenken: Kultur ist hier Zwischennutzung, kein Endzustand. „Kultur als momentan dominante Nutzungsform ist eben nicht das endgültige Ziel.“ Angepeilt ist ein gemischtes Innenstadtquartier, inklusive neuer Arbeitswelten rund um den ICE-Knoten. Zwischennutzungen sieht Salberg dabei als „gute Botschafter“. Immerhin: Ein hartes Ende nach fünf Jahren schließt er aus. „Es muss alles irgendwie möglich sein. Unser oberstes Interesse ist, dort möglichst viel Leben zuzulassen.“

Auch interessant

Kommt der Club also? Vielleicht. Frühestens im nächsten Jahr, mit Dach überm Kopf und Genehmigung in der Tasche. Aber die Tür, um im Bild zu bleiben, steht zumindest nicht mehr abgeschlossen im Rahmen.