Ausstellung "Interventionen" auf Schloss Friedenstein eröffnet

Die Ausstellung wurde am 13. Juli in der Forschungsbibliothek Gotha auf Schloss Friedenstein eröffnet. Gleichzeitig mussten die dafür verantwortlichen Studenten aus Erfurt ihre entwickelten Projekte verteidigen.

Carolin Schenker ließ sich in ihrer Perfomance vom Kunstraub 1979 inspirieren. Foto: Peter Riecke

Carolin Schenker ließ sich in ihrer Perfomance vom Kunstraub 1979 inspirieren. Foto: Peter Riecke

Foto: zgt

Gotha. Die Uhr schlug gerade 17 Uhr, als gestern etwa 40 Menschen auf Fahrrädern in den Innenhof von Schloss Friedenstein stürmten. Sie schrien, tobten und zeigten, was in einer handelsüblichen Fahrradklingel steckt. "Hauptsache, es ist laut", erklärte Christina Morawietz. Die 23-jährige Kunststudentin aus Erfurt war für diesen sogenannten Flashmob, einen kurzen und nur scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen Plätzen, bei denen die Teilnehmer ungewöhnliche Dinge tun, verantwortlich. Die Idee dazu kam ihr im Seminar "Bibliothek als Labor", das sie an der Universität Erfurt belegte.

So wie 19 andere Studenten auch. Unter der Leitung von Dozentin Lelah Ferguson und den Lehrbeauftragten Marina Sawall und Stefan Wilke entwickelten sie Projekte, die den Zusammenhang von Kunst und Büchern darstellen. "Die Forschungsbibliothek gehört zur Universität Erfurt, aber für die Studenten scheint sie doch weit weg. Die Arbeiten sollten also auch helfen, sie wieder stärker in ihr Bewusstsein zu holen", erklärt Marina Sawall. So habe man die Bibliothek mit Leben füllen können. Den verstaubten Charakter abgelegt, sozusagen.

Und eben diese Idee griff auch Christina Morawietz auf. Kreuz und quer durch den Innenhof fuhren die Teilnehmer, die sie zum Flashmob aktivieren konnte. Viele stammten aus ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis, einige Fremde sprach sie auf Gothas Straßen an. Und der älteste ihrer Unterstützer kommt sogar schon auf 83 Lebensjahre.

Nach etwa drei Minuten des wilden Umherfahrens stiegen sie von ihren Fahrrädern ab und begangen, ihre mitgebrachten Bücher zu tauschen. Unterbrochen wurde das rege Treiben von Christina Morawietz selbst.

"Heutzutage werden Bibliotheken nur selten genutzt. Auch aufgrund der neuen Medien, die zum Teil ganze Bücher online stellen", sagte die Studentin und erläutere gleichzeitig ihre Idee. Der Innenhof von Schloss Friedenstein erinnere sie an eine leere Wüste: "Man sieht kaum Menschen und kein Grün, der Boden ist sandig".

Mit ihrem Flashmob wolle sie diesem Image entgegen wirken. "Mit dem Ansturm möchte ich diese Leere für einen Moment unterbrechen. Symbolisch steht das Fahrrad dabei für das Lebensrad. Und das Buch, das jeder in der Hand trägt, für die Bibliothek, die sich jeder Mensch aneignet", sagte die 23-Jährige. Weiterhin ließe das Buch auch auf den Charakter schließen.

Ein wenig ruhiger, dafür auch deutlich graziler, präsentierte sich Carolin Schenker in ihrer Performance zwischen den Bücherregalen in der Bibliothek. Das Buch "Beutekunst" als Grundlage und bezugnehmend zum Kunstraub von 1979 hat sie einen Tanz entwickelt, der die Sportlichkeit der Räuber zeigen soll. "Allerdings soll nicht das Klauen, sondern das Zurückbringen im Mittelpunkt stehen ", so die 21-Jährige, die seit ihrem fünften Lebensjahr tanzt und wohl auch deshalb den Spagat bestens beherrscht.

Überhaupt könnten die entstandenen Arbeiten der Studenten vielfältiger nicht sein. So versucht ein Projekt von Corinna Kaiser, die spezifischen Gerüche der Räume und der Gegenstände einzufangen und zu katalogisieren. Und Julia Roth will an den Wert des Buches als bedeutenden Kulturschatz erinnern. Ihre Audio-Installation ist außerdem eine treffende Hommage an alle "Pssssssst"-sagende Bibliothekarinnen.

Noch bis zum 13. Oktober können sich Interessierte die 18 Projekte in der Forschungsbibliothek Gotha anschauen. Immer Mittwochs werden sie entweder von Studenten oder Bibliothekaren durch die Ausstellung geführt.

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