Karat gaben vor 200 Fans ein heimeliges Konzert in Erfurt

Erfurt. Ich freue mich, sagt der beige gekleidete Frank Elstner mit 1982-Frisur auf der Videowand, „dass wir Gäste aus der DDR haben“. 200 Karat-Fans im Erfurter Funkhaus johlen amüsiert – und der „Diamant unter den ostdeutschen Rockgruppen“ (Elstner) steht im Schatten neben der Bühne und guckt zu.

Die Band Karat um Sänger Claudius Dreilich und Gitarrist Bernd Römer begeisterten am Mittwochabend 200 Fans bei MDR-Studiokonzert im Landesfunkhaus Erfurt. MDR Thüringen sendet das Konzert in der Sendung „Musikgeschichten“ am Montag um 19 Uhr im Radio. Foto: Alexander Volkmann

Die Band Karat um Sänger Claudius Dreilich und Gitarrist Bernd Römer begeisterten am Mittwochabend 200 Fans bei MDR-Studiokonzert im Landesfunkhaus Erfurt. MDR Thüringen sendet das Konzert in der Sendung „Musikgeschichten“ am Montag um 19 Uhr im Radio. Foto: Alexander Volkmann

Foto: zgt

Dann schiebt sich Peter Maffay ins Bild, redet über 7 Brücken und prägt einen Begriff, der über vielen Momenten dieses Wohnzimmer-Konzertes (inklusive Oma-Stehlampen) im MDR-Landesfunkhaus schweben wird: Dieses „Steh-auf-versuch’s-und-du-schaffst-es“-Ding.

Mitten in die Familienfeier-Atmosphäre nach dem Film und den heiter wehmütigen Erinnerungen der Fans an Prügeleien bei Karat-Konzerten in Bad Tennstedt und die kurzen Hosen von Trommler Michael Schwandt treten sie dann endlich ins Licht: Karat – alle fünf in Schwarz – starten den Abend „auf die ehrlichste Weise, in der man Musik machen kann“, wie Claudius Dreilich sagt: ohne Strom und mit dem „Schwanenkönig“. Die Handys und Kameras im Publikum leuchten. „Ich seh nix“, murrt eine Dame hinten, ihrem Mann ist warm, der Nachbar hält die Platte vom „Blauen Planeten“ in die Höhe.

Als der Refrain beginnt, ist das alles egal. „Wenn ein Schwan singt, schweigen die Tiere.“ Sie singen es alle gemeinsam, behutsam, es klingt wie ein Choral.

Dann wird gerockt und getanzt, Gitarrist Bernd Römer schwingt den Arm zum Pete-Townshend-Gedächtnis-Propeller. Sie spielen die alten Klassiker und „ein bisschen aufgeregt“ drei Kostproben vom neuen Album „Seelenschiffe“. Sie sind nicht mehr so episch, weniger experimentell und vielleicht auch nicht mehr so poetisch, aber die alten Fans wippen auch zu den neuen Liedern.

Beim „Albatros“ zieht sich der Himmel zu. „Wir wollen meinen Vater nicht vergessen“, sagt Claudius Dreilich, und singt „Mich zwingt keiner auf die Knie“, wie er es immer tut, seit er vor zehn Jahren zum ersten Mal mit Karat auf der Bühne stand. Auf den eingeblendeten Fotos sieht der Vater aus wie der Sohn.

„Die Lieder von Karat“, findet Heike Helbing aus Gräfentonna, die mit ihrer Freundin Jutta hinten sitzt, „sind vertonte Gedichte: lyrisch und zu Herzen gehend – ob man glücklich oder traurig ist. „Über 7 Brücken“ habe sie schon auf Hochzeiten gehört und auf Beerdigungen.

„Wir haben unser eigenes Lied durchlebt“, sagt Claudius Dreilich „mächtig stolz“ über 40 Jahre Karat mit Hochs und Tiefs. Und nein, natürlich gingen sie nicht, ohne es zu spielen. Kunstpause: „Alt wie ein Baum“. Die Fans prusten über den Puhdys-Gag. Über 7 Brücken und drei Zugaben noch, dann entschwinden Karat zum „Sturzbier“.

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