„Über was haben Sie sich diese Woche mehr geärgert: über die Debatte über Krankheitstage, die Teilzeit oder die Höchstarbeitszeit?“, fragt Markus Lanz zum Einstieg SPD-Politiker und Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Die Antwort kommt ohne Zögern: „Über die Krankheitstage, weil das einen Eindruck vermittelt, als wären die Arbeitnehmer faul.“

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Krankenstand in Deutschland: Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz

Auslöser der Debatte sind Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, der den hohen Krankenstand in Deutschland zuletzt problematisiert hatte. Lauterbach widerspricht deutlich. „Diese Leute werden hier in eine Ecke gestellt, als wenn sie Drückeberger wären.“ Der Arbeitsmarkt sei größer geworden, mehr ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen seien integriert worden – „die fallen natürlich ab und zu aus“.

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Als Lanz nachhakt, warum der Kanzler diese Zuspitzung dennoch wählt, antwortet Lauterbach: „Ich glaube, weil er es schlicht nicht besser weiß.“

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Lauterbach bei Lanz: Wenn ein Mann denkt, er wüsste es sicherlich besser

Antje Höning, Leiterin der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post, widerspricht. „Die Unternehmen haben da ein massives Problem.“ Deutschland habe eine hohe Teilzeitquote, den höchsten Krankenstand in Europa und eine hohe Belastung durch Sozialabgaben. „Das können wir nicht mehr tragen.“ Entscheidend sei die Kombination dieser Faktoren, nicht einzelne Gruppen von Beschäftigten.

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Als Höning ansetzt, die Entwicklung der Krankenzahlen einzuordnen, greift Lauterbach vor. „Bevor ich das nachher erkläre“, sagt er und übernimmt erklärend das Wort. Höning kontert unmittelbar: „Ich kann’s Ihnen auch erklären.“ Lanz lacht.

Die Szene macht einen Grundkonflikt sichtbar: Lauterbach beansprucht früh die Deutung statistischer Zusammenhänge – auch gegenüber ausgewiesenen Fachjournalistinnen. Inhaltlich geht es um Zahlen, im Tonfall um Autorität.

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Ist Deutschland zu viel krank? 

Höning führt also ihre Einordnung selbst aus. Seit 2022 würden Krankheitstage elektronisch erfasst. „Dadurch ist es zum Teil ein statistischer Effekt.“ Zudem hinterfragt sie die Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag. „Ist es zu einfach, sich in Deutschland krankzuschreiben?“, hakt Lanz nach. Höning bejaht und nennt unter anderem die telefonische Krankschreibung als zusätzlichen Treiber.

Als Vergleich führt sie Schweden an, wo der erste Krankheitstag ein Karenztag ist. „Schweden hat geringere Krankenstände als wir.“ Lanz wendet ein: „Aber das würde doch bedeuten, dass du dich halbtot zur Arbeit schleppst.“ Höning widerspricht: Wer wirklich krank sei, bleibe zu Hause.

Lauterbach hält in der Ursachenfrage dagegen. Atemwegserkrankungen machten nur rund 20 Prozent der Krankmeldungen aus. Der größere Unterschied zu Ländern wie Schweden liege im Gesundheitszustand älterer Beschäftigter. „Menschen im Arbeitsprozess sterben bei uns deutlich früher, sind früher chronisch krank.“ Deutschland habe die niedrigste Lebenserwartung in Westeuropa.

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Lifestyle-Teilzeit: Lanz konfrontiert Lauterbach mit Tweet

Die Diskussion verschiebt sich, als Lanz Lauterbach mit dessen Tweet zur sogenannten „Lifestyle-Teilzeit“ konfrontiert. Der SPD-Politiker räumt ein, emotional formuliert zu haben, bleibt aber bei seiner Kritik: „Der Druck steigt doch auf die Mütter.“

„Warum geht man da gleich mit einer Polemik rein?“, fragt Lanz. Lauterbach antwortet, der Vorschlag sei unsauber eingebracht worden. Wäre er anders formuliert gewesen, „hätte er eine gute Diskussionschance gehabt“. In einem Tweet dürfe man Emotionen aber auch zeigen.

Höning widerspricht. Niemand wolle das Recht auf Teilzeit abschaffen. „Teilzeit hat sich bewährt – für Pflege, für kleine Kinder.“ Es gehe um das Recht auf Teilzeit ohne Begründung. Sie verweist auf ihre eigene Teilzeitphase und betont zugleich die wirtschaftlichen Grenzen einer schrumpfenden Gesellschaft.

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Lifestyle und Merz-Style
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Pflege und Krankenversicherung: Reformdruck bleibt

Später weitet sich die Debatte auf Pflege und Krankenversicherung aus. Lauterbach warnt vor einem Defizit von 12 Milliarden Euro ab 2027. Höning erinnert trocken daran, dass Lauterbach selbst drei Jahre Gesundheitsminister war. „Und Sie haben nichts dagegen getan.“ Lanz kommentiert: „Das heißt, da liegt die wahre Atombombe.“ „Die liegt in allem zusammen“, antwortet Höning.