Wenn Markus Lanz an diesem Abend die „Epstein-Files“ und den Krieg in der Ukraine in einer Sendung verhandelt, prallen zwei Krisenwelten aufeinander: Amerikas Selbstzerstörung und Europas Müdigkeit. Es ist eine Ausgabe am Dienstagabend, die den globalen Kontrollverlust seziert.

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Politisches Theater um Epstein: Demokraten gegen Republikaner

Der strategische Berater Julius van de Laar eröffnet die Sendung mit einem Blick in die USA, wo die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Files – zuletzt erneut freigegebene Ermittlungsdokumente zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein – die politische Landschaft erschüttert. „Bis zu 200.000 Seiten geschwärzt“, sagt van de Laar, und beschreibt eine Justiz, die vorgibt, Opfer zu schützen, und gleichzeitig zentrale Akteure unkenntlich macht. 

Die Folge sei „politisches Theater – Demokrat gegen Republikaner“. Auffällig ist dabei weniger die Materiallage als der Umgang damit: Das FBI und das Justizministerium geraten, so der Eindruck, in den Verdacht, politisch instrumentalisiert zu werden.

Lanz blendet ein Foto ein, das den britischen Prinzen Andrew bei einem Besuch bei Epstein zeigt – auf allen Vieren, über eine junge Frau gebeugt. Der Moderator bleibt demonstrativ zurückhaltend: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ Ein Satz, der juristisch korrekt ist – und zugleich die Distanz markiert, mit der der Abend geführt wird.

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Katarina Barley über die USA: „Alle Säulen der Demokratie werden angegriffen“

Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, verschiebt den Fokus. „Wir erleben hier, wie wirklich alle Säulen der amerikanischen Demokratie angegriffen werden“, sagt sie. Besonders scharf kritisiert sie, dass im Ringen um Namen und Schuldfragen die Perspektive der Betroffenen verloren gehe. „Es gibt die Opfer, die Frauen, und viele von ihnen haben ausgesagt. Und die ganzen Jahre über spielen die eigentlich überhaupt keine Rolle mehr.“

Van de Laar zitiert Umfragen, nach denen nur sechs Prozent der Amerikaner glauben, die Regierung gehe transparent mit den Akten um – ein Wert, der selbst im Vergleich zu anderen politischen Skandalen auffallend niedrig ist. Der Frust über die wirtschaftliche Lage, sagt er, trage dazu bei, dass selbst in der republikanischen Basis Zweifel wüchsen: 

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Donald Trump als „Lame Duck“? Zweifel selbst in der eigenen Partei 

„Zwei Drittel der Leute sagen, die Wirtschaft ist absolut katastrophal.“ Möglich, so van de Laar, dass Trump bald zu einer lame duck wird – also zu einem Präsidenten, der formal im Amt ist, politisch aber kaum noch Gestaltungsmacht besitzt.

Von den USA führt Lanz den Abend nach Europa – und zur Frage, wie widerstandsfähig demokratische Systeme noch sind. Mona Jaeger, Politikkorrespondentin der „FAZ“, beschreibt einen „härter werdenden Kampf um die Narrative“. In sozialen Netzwerken würden bestimmte Begriffe oder Themen kaum noch zugelassen. „Das sind Eingriffe in die journalistische Freiheit“, sagt sie.

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Lifestyle und Merz-Style
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Ukraine vor dem nächsten Winter: „Den schaffen wir vielleicht nicht mehr“

Aus Kiew ist die „Zeit“-Korrespondentin Olivia Kortas zugeschaltet. Ihre Schilderungen sind nüchtern, fast sachlich – und gerade deshalb erschütternd. In vielen Wohnungen habe es nur noch fünf Grad, sagt sie. „Die Menschen wärmen Matratzen mit heißem Wasser in Flaschen.“ Trotzdem beobachte sie keinen Zusammenbruch der Moral. Im Gegenteil: „Das schürt die Wut, den Zusammenhalt.“ Ein Satz, der dem westlichen Narrativ von der kriegsmüden Ukraine widerspricht.

Claudia Major, Sicherheitsexpertin des German Marshall Fund, ordnet diese Zähigkeit ein. Russland führe, sagt sie, eine „brutale Entvölkerungs- und Vernichtungskampagne“ – durch systematische Angriffe auf Energieinfrastruktur, Wohngebiete und Versorgungseinrichtungen. 

Das Land werde in den wirtschaftlichen Ruin bombardiert, westliche Unterstützung schwinde. „Diesen Winter kriegen wir noch hin, den nächsten wahrscheinlich nicht mehr“, zitiert sie ukrainische Freunde. Ihre Warnung richtet sich auch an Europa: „Dass ein systematischer Umbau der Demokratie in den USA passiert, sollte uns zutiefst beunruhigen.“

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Sicherheitsgarantien für die Ukraine: „Ein bisschen Schönrederei“

Als es um mögliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine geht, wird Major ungewöhnlich deutlich. Von echten Garantien könne keine Rede sein, das sei „ein bisschen Schönrederei“. Unterstützung ja – aber keine Verpflichtung zur Verteidigung nach dem Vorbild eines Nato-Bündnisfalls. Worte, die hängen bleiben, weil sie die politische Realität nüchtern benennen.

Europa rückt damit zwangsläufig ins Zentrum. „Die Europäische Union ist kein Staat“, sagt Katarina Barley – und erklärt, warum gerade die Verteidigungspolitik der blinde Fleck europäischer Integration bleibt. Claudia Major spricht von fortbestehendem „Rüstungsnationalismus“. Staaten kauften zuerst national, dann europäisch. Die EU müsse sich entscheiden, sagt sie: Unabhängigkeit von den USA oder schnelle militärische Handlungsfähigkeit. Beides zugleich sei unrealistisch.

Europäische Verteidigungspolitik: Warum die EU handlungsunfähig bleibt

Sie ergänzt: „Rüstungsnationalismus ist in Europa noch nicht überwunden.“ Jedes Land kaufe zuerst national, dann europäisch – ein Muster, das Beschaffung verlangsamt und militärische Abhängigkeiten zementiert. Die EU müsse sich, sagt sie, entscheiden: Will sie unabhängig werden oder schnell handlungsfähig? Beides zugleich gehe nicht.

Wenn in den USA Institutionen wanken und in der Ukraine Städte zerbombt werden, dann betrifft das auch Europa. Dieser Lanz-Abend macht deutlich: Es geht nicht um zwei getrennte Krisen, sondern um eine gemeinsame Frage – wie belastbar der Westen noch ist, wenn es ernst wird.