Ein SPD-Linker und ein AfD-Mann prallen aufeinander – und „Maischberger“ macht daraus einen Schlagabtausch, der mehr über die Krise der politischen Kultur erzählt als über Lösungen für Sozialstaat oder Außenpolitik.
Warum die beiden im gemeinsamen Gespräch? Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz will Moderatorin Sandra Maischberger wissen: „Wer macht die bessere Politik – zum Beispiel für Arbeiter?“
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SPD in der Krise: Stegner spricht von „Vertrauensverlust“
Maischberger geht direkt auf die SPD: „Sind die Parteichefs noch die richtigen?“ Ralf Stegner antwortet nicht mit Namen, sondern mit einer Zustandsbeschreibung: „Wir haben ein Problem nicht nur mit den Personen, sondern mit Inhalten, mit Glaubwürdigkeit, mit Vertrauensverlust.“
Er spricht von „drei herben Niederlagen“ bei Bundestags- und Landtagswahlen. Auf die Frage, warum niemand den Parteivorsitz übernehmen wolle, sagt er: „Das liegt vielleicht auch daran, dass es momentan eine Herkulesaufgabe ist.“ Konkrete personelle Konsequenzen nennt er nicht. Damit setzt er den Ausgangspunkt für den weiteren Abend: eine Partei, die sich erklären muss – und ein politischer Gegner, der genau hier ansetzt.
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Brandmauer zur AfD: Stegner warnt vor „Brandstiftung“
Früh zieht Stegner eine klare Grenze: „Für die SPD kommt eine Zusammenarbeit mit Demokratiefeinden nicht infrage. Nirgendwo, niemals und aus keinem Grund.“ Er knüpft daran die Drohung, eine Koalition mit der Union sei beendet, sollte diese an der Brandmauer zur AfD rütteln: „Wer sie einreißt, beteiligt sich an der Brandstiftung.“
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann (AfD) reagiert darauf nicht mit einer direkten Gegenrede, stattdessen sitzt er da, leicht zurückgelehnt, und lächelt. Es ist kein zustimmendes Lächeln, eher ein kommentierendes. Dann wechselt er das Thema. Statt über Koalitionen spricht er über Geld.
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AfD-Argumentation: „Wir haben ein Ausgabenproblem“
„Wir haben doch überhaupt kein Einnahmenproblem in Deutschland“, sagt Baumann. „Die Steuereinnahmen liegen bei ungefähr einer Billion, dazu kommen noch einmal Sozialabgaben in ähnlicher Höhe.“ Sein Schluss: „Wir haben ein Ausgabenproblem.“
Er zählt konkrete Posten auf: rund 70 Milliarden Euro für Migration, 35 Milliarden für Klimapolitik, über 30 Milliarden an die EU sowie Milliardenbeträge für Entwicklungshilfe. Diese Ausgaben bezeichnet er als „Unsinnigkeiten des linksgrünen Wahnsinns“. Die genannten Größenordnungen tauchen in politischen Debatten auf, beziehen sich aber auf unterschiedliche Haushaltsbereiche und sind je nach Berechnung nicht direkt vergleichbar. Darauf reagiert Stegner: „Wahnsinn ist das, was Sie gerade sagen.“
Die AfD fordere eine einheitliche Einkommensteuer von 25 Prozent, Familien mit bis zu 70.000 Euro Jahreseinkommen sollten gar keine Steuern mehr zahlen, erklärt er – ein „Fernmodell“, das man „an der Regierung“ in einer Legislatur umsetzen könne.

AfD-Steuerpläne: 25-Prozent-Modell ohne klare Umsetzung
Maischberger kontert mit Nachfrage: „25 Prozent, ab wann soll das denn greifen?“ – eine konkrete Antwort bleibt aus. Damit legt sie offen, wie vage die AfD-Pläne bleiben. Eine vollständige Steuerbefreiung breiter Einkommensgruppen würde erhebliche Einnahmeausfälle bedeuten, die im Gespräch nicht gegenfinanziert werden.
Stegner bewertet: Ein solches Modell sei „grob ungerecht“, begünstige hohe Einkommen und Vermögen und erinnere eher an alte, gescheiterte Konzepte als an realistische Reformpolitik. Sein Fazit: „Das ist ein Fernmodell in der Tat – weil es fern in der Vergangenheit liegt.“
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„Amigo-Wirtschaft, Familienfilz und Doppelmoral“
Besonders scharf wird der Ton, als es um die AfD selbst geht. Stegner spricht von „Amigo-Wirtschaft, Familienfilz und Doppelmoral“. „Ihre Leute beschäftigen Familienangehörige … man kann ja froh sein, dass Sie keine Tiere bezahlen“, sagt er. Baumann lächelt zunächst, dann kontert er: „Wie verzweifelt muss die SPD sein, dass Sie mit solch einem Zeug hierherkommen.“
Stegner setzt zum Gegenangriff, und verweist auf Ermittlungsverfahren gegen AfD-Leute wegen Landesverrats, Spionage, Körperverletzung und Wahlkampffinanzierung. „Sie zocken den Staat ab!“, attackiert er Baumann.
Der reagiert, wie es AfD-Strategen seit Jahren tun: mit Gegenangriff und Relativierung – andere Parteien hätten auch Fälle von Vetternwirtschaft, die SPD sei „verzweifelt“ und nutze „solches Zeug“ als Wahlkampfmunition.
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AfD fordert radikale Entlastung bei Spritpreisen und Energie
Beim Thema Erbschaftssteuer wirbt Stegner für Freibeträge bis eine Million und eine stärkere Besteuerung großer Vermögen: „Ein Großteil der Menschen ist überhaupt nicht betroffen.“ Wer mehr habe, müsse auch mehr beitragen – „wenn man ernsthaft will, dass man etwas für das Gemeinwohl tut“. Baumann widerspricht sofort. „Das ist ja alles schon versteuert, was vererbt wird“, sagt er – und schiebt hinterher: „Was Sie hier sagen, ist DDR-Sprech.“
Beim Thema Energiepreise und Benzin legt die Runde eine Übersetzung vom globalen Konflikt zur heimischen Zapfsäule hin – allerdings mit deutlichen Verkürzungen. Baumann fordert „sofort runter mit Stromsteuer, CO₂-Steuer und den ganzen Abgaben“, spricht von „Erziehungsgeldern“ und macht den Staat zum Hauptschuldigen an hohen Preisen.
„Sie würden die Mineralölsteuer, die CO₂-Steuer und die Mehrwertsteuer einfach streichen?“, fragt Maischberger. „Würd ich machen“, sagt Baumann. Mehr als die Hälfte des Preises gehe ohnehin an den Staat. Er bleibt bei seiner Argumentation und wiederholt mehrfach seine Formel vom „linksgrünen Wahnsinn“, der für hohe Preise verantwortlich sei.
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Ralf Stegner über Bernd Baumann: „Sie reden wie ein Papagei“
Stegner reagiert darauf – weniger auf den Inhalt als auf die Wiederholung: „Sie reden wie ein Papagei“, sagt er. Außerdem verweist er auf die Kriege in Ukraine und Iran und bringt eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne ins Spiel, räumt aber ein, dass ein Ende der Kriege der entscheidende Hebel wäre.
Baumann schlägt stattdessen vor, russisches Gas zu kaufen: „Wenn wir das russische Erdgas nicht kaufen, bleibt das nicht in der Erde.“ Russland werde es an China oder Indien verkaufen – Deutschland schade sich am Ende selbst. Stegner widerspricht direkt: „Was soll daran richtig sein?“ Wer die Ukraine unterstütze, könne nicht gleichzeitig auf russische Energie setzen.
Ausgabenprobleme und „linksgrüner Wahnsinn“
Der Abend folgt keinem klassischen Gesprächsverlauf, sondern einer Abfolge von Kontern. Baumann setzt Begriffe wie „Ausgabenproblem“ und „linksgrüner Wahnsinn“, Stegner reagiert mit scharfen Gegenangriffen – von „Wahnsinn“ bis „Brandstiftung“. Maischberger versucht, mit Nachfragen Struktur zu schaffen, konkrete Antworten zu bekommen, Modelle zu klären. „Obwohl sie dabei ruhig und souverän bleibt, kippt das Gespräch immer wieder zurück in den Schlagabtausch. Am Ende bleibt weniger ein Austausch über Lösungen als ein Muster: Angriff, Gegenangriff, nächste Zuspitzung.











