Am Samstag findet wieder der alljährliche Eurovision Song Contest statt und auch in diesem Jahr ist er politisch aufgeladen. Spanien, Irland und die Niederlande boykottieren den ESC, weil sie nicht damit einverstanden sind, dass Israel trotz der Kriegsverbrechen in Gaza teilnehmen darf.
Gastgeber Louis Klamroth ist trotzdem bemüht, der Sendung eine gewisse Lockerheit zu geben und die Zuschauer auf den ESC einzustimmen. „Gucken Sie das, Herr Aiwanger?“, fragt er den bayerischen Vize-Ministerpräsidenten von den Freien Wählern.
Hubert Aiwanger gelingt es, sich bei dieser einfachen Frage direkt in Widersprüche zu verstricken und fast die ganze Runde gegen sich aufzubringen: „Ehrlich gesagt nein, ich bin jetzt nicht so musikalisch interessiert“, sagt Aiwanger, nur um sich einen Atemzug später zum Verteidiger der Musik aufzuschwingen:
„Mir sind in den letzten Jahren einige Dinge aufgefallen, wo ich sage: Das gefällt mir nicht so, man macht hier viel kaputt, zum Beispiel Conchita Wurst und Ähnliches.“ Aiwangers Begründung: „Da geht das Musikalische verloren und der Klamauk wird in den Vordergrund gerückt.“ Laut Aiwanger könne der „Normalbürger“ damit nichts mehr anfangen.
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„Hart aber fair“: Aiwanger denkt in Schubladen
Die Journalistin Maria Popov lässt das nicht so stehen: „Sie wollen darauf hinaus, dass queere Repräsentanz im Fernsehen Klamauk ist.“ Sie wirft Aiwanger vor, das aus politischem Kalkül zu machen, um als Politiker einen intoleranteren Teil der Bevölkerung anzusprechen.
Auch Journalist Ronen Steinke arbeitet sich an Aiwanger ab: „Was normal und nicht normal ist, ist eine Kategorie, die in ihrem Kopf existiert.“ Steinke erklärt, der ESC sei ein Event, bei dem auch Menschen auftreten könnten, die „etwas aus der Reihe tanzen und nicht in eine Schublade passen.“
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Aiwanger fühlt sich durch Steinkes Gegenrede sofort persönlich angegriffen: „Jetzt kommt die Schublade, in die sie mich gerne reinstecken würden.“ Doch wer der Diskussion genau zuhört, merkt: Es ist Aiwanger selbst, der offenbar nur in Schubladen denken kann, wie sich bei seinen Zuordnungen „Normalbürger“ und „Klamauk“ erkennen lässt.
Auch bei seinem Hauptargument denkt er in engen Kategorien. Er wolle nämlich nicht, dass der Wettbewerb, den er in der Schublade „Musikwettbewerb“ verortet, auch andere Facetten umfasst: „Ist es ein Musikwettbewerb oder ein Haltungswettbewerb?“ fragt er deshalb, weil beides für ihn nicht zusammengeht.
Journalist Ronen Steinke „wütend“ über Aiwangers Aussagen
Steinke greift Aiwanger diesmal direkt an: „Dass Kunst etwas ausdrückt, wird immer nur dann als Haltung oder Klamauk abgetan, wenn es nicht ihren Geschmack trifft. Das finde ich das Engstirnige.“ Den Journalisten mache das „wütend“, weil das „verächtlich gegenüber Menschen ist, die anders sind als Sie.“
Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann gerät mit Aiwanger aneinander. Als dieser nun doch wieder ESC-interessiert ist und sagt, dass es da „auch ein paar Vernünftige“ gebe, greift die FDP-Politikerin ihn direkt an: „Sie sind weiß Gott nicht der Maßstab für Vernunft. Das ist eine Form der Intoleranz.“ Jetzt ist es Aiwanger, der wütend wird: „Sie betreiben Intoleranz mir gegenüber, weil sie meine Meinung nicht akzeptieren.“
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Die Beiden fallen sich in der Folge ständig ins Wort, sodass Klamroth die Streithähne nur trennen kann, indem er zu ihnen geht und sich demonstrativ zwischen Aiwanger und Strack-Zimmermann lehnt.
Eurovision Song Contest: Der ESC als europäisches Lagerfeuer in Gefahr
Danach geht es deutlich weniger emotional weiter, dafür aber mit ein paar Erkenntnissen. So stellt Steinke nochmal die Bedeutung des ESC für Europa heraus: „Wir haben sonst keine europäische Medienöffentlichkeit“, betont er. Der ESC sei da ein „Lagerfeuer“ und deshalb auch für das europäische Gemeinschaftsgefühl wichtig.
Vergangenes Jahr schauten über 150 Millionen Menschen den ESC. Diesmal könnten es weniger sein, da Spanien, Irland und die Niederlande den ESC wegen der Teilnahme Israels boykottieren. Klamroth zitiert dabei eine Aussage des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez, in der dieser den anderen Europäern vorwirft, bei Israel mit zweierlei Maß zu messen. Schließlich sei Russland auch seit dem Angriff auf die Ukraine 2022 vom ESC ausgeschlossen.

Wieder ist es Steinke, der die feinen Unterschiede erklärt: „Der Unterschied sind die Rundfunkanstalten“, so der Journalist. In Russland sei das „der verlängerte Arm des Informationsministers. In Israel sind das Journalisten.“
Runde äußert sich zurückhaltend über deutschen ESC-Beitrag
Trotzdem sei der ESC auch bei Israel nicht frei von politischer Einflussnahme. So räumt Steinke ein, dass die israelische Regierung durch ein gutes Abschneiden seiner Künstler auf einen „PR-Erfolg“ hoffe.
Zum Abschluss deutet sich an, dass der deutsche Beitrag wenig Erfolg verspricht. Sehr zurückhaltend äußern sich die Gäste zu den deutschen Gewinnaussichten. Die ehemalige ESC-Teilnehmerin Katja Ebstein ist über Klamroths Frage sogar verärgert: „Dieser Gewinnzwang, den wir haben, der geht mir auf den Geist.“
Beim ESC gilt für Deutschland diesmal eher: „Dabei sein ist alles.“ Schließlich ist das heutzutage auch nicht mehr selbstverständlich.




![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)

