„Dieser Zirkus erinnert mich an das Lügengerede von Christian Lindner“, sagt Karl Lauterbach bei „Markus Lanz“. Der SPD-Politiker und frühere Bundesgesundheitsminister meint die Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen Wolfgang Kubicki um den FDP-Vorsitz.
Doch Lauterbach geht’s an diesem Abend nicht nur über den Parteitag am Wochenende. Er spricht über das Ampel-Aus, über enttäuschtes Vertrauen – und über eine FDP, der er den politischen Ernst abspricht. „In so einer schwierigen wirtschaftlichen Zeit brauchen wir so eine halbseidene Partei wie die FDP nicht“, sagt er.
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Strack-Zimmermann kontert: „Hören Sie sich eigentlich reden?“
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Europaabgeordnete, ist aus Brüssel zugeschaltet. Sie lässt Lauterbachs Angriff nicht stehen. „Sagen Sie mal, Herr Lauterbach, hören Sie sich eigentlich reden?“, fragt sie. Was er sich erlaube, finde sie „unmöglich“.
Lauterbach versucht, seine Attacke enger zu fassen: „Ich hätte mich ja gefreut, wenn Sie gewonnen hätten. Mir geht’s nur um den Stil.“ Für ihn wirkt die Kandidatur nicht spontan, sondern inszeniert. „Es macht für mich den Eindruck, dass Sie etwas Spontanes vortäuschen, was in Wirklichkeit geplant gewesen ist“, sagt er.
Strack-Zimmermann antwortet: „Ich bin sichtlich enttäuscht, was Sie für ein Demokratieverständnis haben.“ Damit ist der Streit nicht mehr nur eine FDP-Frage. Es geht auch darum, wer wem demokratische Lauterkeit abspricht – und wie viel Ampel-Frust bei dieser Deutung mitschwingt.
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Lanz fragt nach Kubickis Hammer-Spruch
Markus Lanz hatte die Sendung mit Kubickis Spruch eröffnet, Strack-Zimmermann wisse nun, „wo der Hammer hängt“. Lanz zitiert weiter: „Wenn du die FDP in die Bedeutungslosigkeit führen willst, dann mach genauso weiter.“ Strack-Zimmermann versucht, das Bild des Hammers zu entschärfen. „Ich wusste, wo er hängt, deshalb habe ich ihn abgehängt“, sagt sie. Nun liege er „in der Werkzeug-Schublade“.
Das klingt erst nach Parteifolklore. Tatsächlich führt der Hammer aber direkt zur entscheidenden Frage: Will die FDP unter Kubicki wieder schärfer klingen – und wie nah kommt sie dabei der AfD?

Strack-Zimmermann erklärt Sorge vor AfD-Kurs
Kubicki habe sie nicht über ihre Kandidatur informiert. „Nein, ich habe außer denen, die ich ins Vertrauen gezogen habe, überhaupt niemanden informiert“, sagt sie. „Das war eine Überraschung.“ Der Auslöser sei nicht persönliche Eitelkeit gewesen, sondern der Kurs der Partei.
Der designierte FDP-Generalsekretär Martin Hagen hatte die Brandmauer zur AfD als „Popanz“ bezeichnet. Wenn demokratische Parteien einkalkulierten, mit Stimmen der AfD Mehrheiten zu organisieren, sei das für sie „ein No-Go“. Lanz bohrt nach, bis sie den Satz sagt, der den Abend sortiert: „Ich hatte diese Sorge.“ Deshalb habe sie kandidiert.
Alexander sieht populistischen Ton bei der FDP
Robin Alexander, Journalist und Host des Podcast „Machtwechsel“, ordnet den Machtkampf nüchterner ein. „Wir sollten das mal sortieren“, sagt er. Das Parteiengesetz gebe eine solche Kandidatur her. Entscheidend sei aber der politische Kontext. Kubicki habe zunächst gesagt: „Keine Zusammenarbeit mit der AfD.“ Kurz vor dem Parteitag habe er dann anders geklungen. In Teilen der FDP sei deshalb die Frage entstanden: „Gibt es hier eine Veränderung der Position, die wir nicht wollen?“
Alexander widerspricht auch der einfachen Erzählung des Ökonomen Bernd Raffelhüschen, in der nun Sozialliberale gegen Wirtschaftsliberale kämpfen. Kubicki und Hagen seien selbst sozialliberal geprägt. „Das sind Sozialliberale, die jetzt einen populistischen Ton aufführen“, sagt Alexander.
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Lauterbach warnt vor Rechtsverschiebung der FDP
Lauterbach greift diesen Punkt auf. „Ich halte diese Rechtsverschiebung der FDP für sehr gefährlich“, sagt er. Man merkt ihm dabei an, dass er nicht nur über Kubicki spricht. „Ich bin da auch gebrandmarkt“, sagt er. „Wir haben unter der Situation mit Lindner sehr stark gelitten.“
Strack-Zimmermann wirft ihm vor, den Kompass verloren zu haben. Wenn bei der FDP nichts passiere, heiße es, die Partei sei „weg vom Fenster, tote Hose, One-Man-Show“. Komme es aber zu einer Kampfkandidatur, sei es auch wieder falsch. „Ich bedauere das, Herr Lauterbach, weil ich Sie persönlich schätze“, sagt Strack-Zimmermann.
Lanz spottet: „Sollen wir einen Therapeuten anrufen?“
Strack-Zimmermann erinnert Lauterbach daran, dass auch seine Karriere nicht nur aus Parteistrategie bestand. „Sie wurden Minister, weil man im Internet eine Aktion gestartet hat“, sagt sie. Lanz greift zum Spott: „Aua, aua, aua, sollen wir einen Therapeuten anrufen? Ich hab das Gefühl, Sie haben einiges aufzuarbeiten.“
Lauterbach spricht über die FDP – aber auch über die Kränkung der SPD nach der gescheiterten Ampel. Strack-Zimmermann spricht über die Brandmauer – muss sich aber erst durch den Verdacht kämpfen, sie habe bloß einen Coup inszeniert.
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Brandmauer-Streit trifft auch die SPD
Dass die Brandmauer-Frage nicht nur die FDP betrifft, zeigt Lanz später mit Blick auf die SPD. Der frühere schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig hatte seiner Partei empfohlen, sich für die AfD zu öffnen. Lauterbach nennt das „Gift“ für die SPD. Albig spiele in der Partei keine Rolle mehr. Der Satz schützt die SPD vor der eigenen Debatte, löst sie aber nicht. Denn die Frage bleibt dieselbe: Wie gehen demokratische Parteien mit einer AfD um, die stark genug ist, Mehrheiten zu verschieben?
„Die Brandmauer schützt die Demokratie“, sagt Lauterbach. Strack-Zimmermann hätte diesen Satz vermutlich unterschrieben. Ihr Streit mit Lauterbach zeigt nur, wie schwer es den Parteien fällt, denselben Grundsatz ohne parteipolitische Rechnungen auszusprechen.
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Lanz: „Ich wollte keinen FDP-Schwerpunkt machen“
Lanz wollte nach eigener Aussage keinen FDP-Schwerpunkt machen. Dann spricht die Runde fast die halbe Sendung darüber. Das liegt nicht nur an Strack-Zimmermanns Temperament oder Lauterbachs Ampel-Nachwehen. Die FDP liefert an diesem Abend die Frage, an der sich auch die SPD abarbeitet: Wie weit darf demokratische Strategie gehen, wenn die AfD stärker wird?
Strack-Zimmermann verabschiedet sich mit dem Versprechen, beim nächsten Mal in Hamburg die „Herrenrunde“ aufzumischen. Lanz antwortet, er wisse nicht, „ob Freude das richtige Wort ist“. Strack-Zimmermann bleibt schlagfertig: „Aber ohne solche Gäste ist Ihre Sendung langweilig.“ Und für eine Partei, die gerade um Relevanz kämpft, ist Langeweile das größere Risiko.




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