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DHDL: Wie Gründer Ölziehen in Deutschland vermarkten wollen

Berlin.  Die „Höhle der Löwen“-Juroren wissen, was sie wollen. Sympathie allein reicht nicht. Das musste ein Gründer schmerzlich erfahren.

"Die Höhle der Löwen": Das ist die Jury 2019
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Er hat alles auf eine Karte gesetzt. Den Job gekündigt, ein Unternehmen aufgezogen, Schulden gemacht. Am Ende geht er – ohne Deal. Für Sebastian Stahl (39) war es ein Auftritt zum Vergessen bei der „Höhle der Löwen“ am Dienstagabend. Mit seiner Idee, dem weltweit ersten Schnullerspender, kam er bei den Juroren nicht gut an. „Oi, oi, oi“, stöhnte Carsten Maschmeyer am Ende.

Doch der Reihe nach: Die Idee hinter dem Produkt ist praktisch. Babys und Kleinkinder verlieren nachts oft ihren Schnuller. Das Geschrei ist dann groß. Der Schnullerspender soll Abhilfe schaffen. Einmal ans Bett montiert, können die Kids von unten an die Box greifen und sich selbst einen neuen Schnuller ziehen.

Ungläubiges Nachfragen der Juroren

Eine smarte Geschäftsidee? Ja, findet Sebastian Stahl. Für 75.000 Euro bietet er den Löwen 17 Prozent an seinem Unternehmen. Und weil es in der Sendung immer um Zahlen, Cash, Märkte geht, darf natürlich auch die wichtigste Frage nicht fehlen. Also: Wie hoch war bisher der Absatz?

„15“, sagt Stahl.

„15?“, wiederholte Frank Thelen ungläubig.

Bisher sei der Vertrieb halt nur übers Internet gelaufen, sagt der Gründer. 250.000 Euro hat er bereits in sein Unternehmen gesteckt, die Hälfte erspart, die andere Hälfte als Kredit. Ein Herzensprojekt also. Für ihn. Doch die Löwen können gnadenlos sein.

Die Höhle der Löwen - Das ist die Jury 2019

„Als Investor ist mir das zu kleinteilig“, sagt Carsten Maschmeyer. „Ist nicht mein Thema“, winkt Frank Thelen ab. „Ich sehe keinen Markt, der dafür groß genug ist“, urteilt Georg Kofler. Und Ralf Dümmel sagt immerhin: „Das Thema ist süß“. Aber: „Mir ist das nicht groß genug“.

Das war’s also. Die Zuschauer sahen hinterher einen angeschlagenen Gründer. „Wenn ein Investor nach dem anderen aussteigt, ist das wie ein Schlag in die Magengegend“, sagte Sebastian Stahl.

Gründer wollen das Ölziehen in Deutschland populär machen

Dabei ist die „Höhle der Löwen“ doch so einfach. Als Faustregel gilt: Je größer der Markt und je schneller ein Produkt in Masse gehen kann, desto besser. Dann muss es auch nicht sonderlich innovativ sein. Jenny Rathgeber (34) und ihr Mann Philipp (35) wollen mit „Elixr“ das Ölziehen nach Deutschland bringen.

Jeder Deutsche soll irgendwann Speiseöl mit aromatischen Zusätzen für die Mundpflege nutzen. Man schwenkt es im Mund, spuckt es aus – und Bakterien und Keime verschwinden. Gut für Zähne, Zahnfleisch und ein probates Mittel gegen Mundgeruch, sagen die Gründer, die 75.000 Euro für 20 Prozent haben wollten.

Also muss gerechnet werden: 27,90 Euro kostet die Flasche. Die Herstellungskosten liegen bei fünf bis sieben Euro. Bisher verkauft: 2.500 Flaschen. Netto-Umsatz: 21.000 Euro. Zahlen, die den Löwen gefallen. „Ich nehme Ihr Angebot genauso an. Wenn Sie bereit sind, machen wir den Deal“, flötete Judith Williams. Auch Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer scharrten schon mit den Hufen. Beide wollten zusammen einsteigen, sie boten sogar 150.000 Euro für 25 Prozent.

Zwei Gründer bereit zum Einstieg

Judith Williams zog nach: „Ich gehe mit, damit Sie von mir ein Zeichen haben, dass es mir ernst ist“, sagte sie. Die Gründer waren überwältigt. Sie haben es geschafft, ihren Firmenwert zu verdoppeln. Auch das sieht man selten. „Wir gehen mit Judith Williams“, sagten sie schließlich. „Für ist es das Rundum-sorglos-Paket“.

Lebensmittel, Lifestyle und Gesundheit funktionieren zwar nicht immer – aber oft. Und auch wenn „Keimster“ als Unternehmensname nicht gerade sexy klingt, haben Michael Gebhardt (31) und Erik Reng (31) trotzdem das bekommen, was sie wollten: 300.000 Euro. Mit ihrem Unternehmen wollen die beiden Gründer gekeimte Getreideprodukte populär machen. Im Online-Shop vertreiben sie nicht nur das Produkt, sie haben eine eigene Welt rund ums Thema Keime aufgezogen, passende Rezepte inklusive.

Doch ihr Auftritt gefiel den Löwen nicht. Als sie sagen sollten, was ihr Produkt so besonders macht, kamen sie ins Schleudern. Judith Williams konnte sich das irgendwann nicht mehr mit ansehen. „Sie nehmen mir als Hausfrau die Arbeit ab. Sie keimen alles, was es auf der Welt zu keimen gibt“, fuhr sie dazwischen. „Wir wollen doch heute noch nach Hause kommen, deswegen kürze ich es ab“.

Trotz Stotter-Auftritt: Am Ende waren Ralf Dümmel und Dagmar Wöhrl bereit zum Einstieg. Beide wollten aber 30 Prozent. Die Gründer zogen sich zurück, vertrauten auf ihr Bauchgefühl – und stimmten für den Handelsprofi Dümmel.

Pech für Dagmar Wöhrl also. Aber auch sie kam noch zum Zug. Mit „De Cana Panela“, dem Unternehmen von Anne Elisabeth Segovia (32). Die junge Frau mit kolumbianischen Wurzeln möchte Panela Zucker nach Deutschland bringen. Bereits heute sei sie in 75 Supermärkten, 50 Bio-Läden und 30 Feinkostläden vertreten. „Für einen Alleinkämpfer ist das eine wahnsinnige Leistung“, sagte Ralf Dümmel. Georg Kofler machte gleich Nägel mit Köpfen: „Ich biete Ihnen 200.000 Euro für 25 Prozent“. Auch Dagmar Wöhrl ging mit – und bekam den Zuschlag. „Ich höre auf mein Bauchgefühl“, sagte die 32-jährige Segovia.

Rattenstopper? Die Löwen winken ab

Warum die Löwen ein Produkt bejubeln, das andere aber nicht, ist oft nicht ganz klar. Eindeutig wird’s immer dann, wenn Nischen abgedeckt werden. Oder? Jaqueline (22) und Simon (20) sind extra aus der Schweiz angereist, um den Löwen 150.000 Euro abzuringen. Mit: einem Rattenstopper für Boote und Jachten. Der wird auf die Leinen aufgesetzt und zusammengesteckt. „Helfen Sie uns, die Boote, Jachten und Schiffe weltweit vor Ratten zu schützen“, sagte Simon bedeutungsschwer.

„Das ist over-engineered“, stöhnte Frank Thelen nur. Er kenne keinen Bootsbesitzer, der Probleme mit Ratten habe. „Das Problem ist für mich nicht existent“. Carsten Maschmeyer bließ ins gleiche Horn: „Es ist mir zu nischig“. Das Todesurteil. Ein Produkt für einen kleinen Markt mit wenig Wachstumschancen.

Und die Löwen waren allesamt: raus.

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