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„Hart aber fair“: Klimaforscher kritisiert eigene Kollegen

Berlin.  Bei „Hart aber fair“ zeigte sich: Auch ein Klimaforscher kann die Klimabewegung kritisieren. Wen das am Ende der Talk-Show freute.

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Das Problem der Klimadebatte ließ sich am Montagabend am Titel von „Hart aber fair“ ablesen: „Weckruf oder Panikmache: Braucht das Klima eine Öko-Revolution?“, lautete das Thema. Als ob man trotz der eindeutigen wissenschaftlichen Befunde wirklich noch zu dem Schluss kommen könnte, dass es sich um „Panikmache“ handelt.

Die Sendung, die passend zur UN-Klimakonferenz in Madrid ausgestrahlt wurde, verdeutlichte, wie schwer es ist, einen Konsens beim Thema zu erreichen. Die Positionen liegen weit auseinander. Das zeigt sich nicht zuletzt auch bei einem Blick in die sozialen Netzwerke. Auch dort wird das Thema heftig diskutiert. Für Kritik sorgt der Wissenschaftler Hans von Storch. Die weiteren Gäste der aktuellen „Hart aber fair“-Sendung:

„Hart aber fair“ mit Klima-Talk – Das waren die Gäste:

  • Nina Kronjäger, Schauspielerin
  • Tino Pfaff, Mitglied des Presseteams von Extinction Rebellion Deutschland
  • Rainer Hank, Wirtschaftsjournalist
  • Bärbel Höhn, Grünen-Politikerin

Tragisch war, dass die Erzählung von der Panikmache tatsächlich nicht nur im Titel stattfand. Dafür war Hans von Storch verantwortlich, der im Grunde eine undurchschaubare Haltung einnahm: Einerseits beschrieb er das CO2-Problem inhaltlich wie das Gros seiner Klimaforscher-Kollegen als großes Problem.

„Hart aber fair“: Ist das Klimapaket nicht wenigstens ein Anfang?

Andererseits regte er sich über die angebliche Überzeichnung auf, mit der die Debatte geführt werde. „Die Dimension des Problems wird nicht anerkannt“, kritisierte von Storch Bewegungen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion. Schließlich gehe es um die 38 Gigatonnen CO2, die Jahr für Jahr weltweit produziert werden.

„Wir reden über die deutschen Emissionen, das ist eine Gigatonne.“ Um die wirklich großen CO2-Produzenten zu überzeugen, müsse man aber zeigen, dass man auch mit weniger CO2 den Wohlstand halten könne.

Im Kern ist das aber auch die Haltung, die die Klimadebatte jahrzehntelang verschleppt hat: Lass mal! Die Chinesen, Inder und Amerikaner sind doch viel schlimmer.

Und woher soll der technologische Wandel eigentlich kommen, wenn sich die Politik nicht bewegt? Dass es zumindest ein kleines Klimapaket der Bundesregierung und die riesige Debatte zum Klima gibt, ist doch maßgeblich der Klimabewegung zu verdanken.

Klimaforscher von Storch kritisiert eigene Kollegen

Doch das eigentliche Gift in von Storchs Ausführungen war, dass er der gesamten Klimadebatte einen apokalyptischen Alarmismus unterstellte. Dabei diffamierte er explizit auch seine Zunft: „Es wird auf bestimmte Wissenschaftler gehört, die sagen, was man hören will.“

Bestimmte? Wohl eher: Auf die große Mehrheit, die einer Meinung ist, die zufällig nicht jener des Herren von Storch entspricht.

Seinem vorgeblich differenzierten Kampf gegen die 38 Gigatonnen CO2 hat von Storch mit seiner bissigen Kritik jedenfalls einen Bärendienst erwiesen: Wer den Klimawandel leugnet, wird sich von ihm bestätigt fühlen. Zuletzt hatte von Storch in einem Interview Greta Thunbergs Aussagen als lachhaft bezeichnet.

Dabei muss man gar nicht die gesamte Klimadebatte diskreditieren, um Problemzonen zu finden. Ein guter Ansatzpunkt dafür war Tino Pfaff: Als Vertreter von Extinction Rebellion (XR) schlug er sich in der Runde gut. Allerdings hatte er auch durchaus Probleme, manche der Forderungen der Bewegung zu verdeutlichen.

Frank Plasberg sorgt für Aufreger

Diese Dinge kann jeder fürs Klima tun

Nachdem Rainer Hank von der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ mit guten Argumenten auf die latente Demokratiefeindlichkeit von Extinction Rebellion hingewiesen hatte, brachte Gastgeber Frank Plasberg die Ökoräte auf: Die Bundesregierung soll nach Vorstellung von XR auf die Beschlüsse dieser Bürger-Gremien hören. Hebelt das nicht unsere Demokratie aus?

Nein, schließlich gehe es ja nur um die Klimapolitik, antwortete Pfaff zunächst. Doch betrifft die nicht mittlerweile sämtliche Lebensbereiche? Schon, räumte der Aktivist ein. „Wenn die Klimakatastrophe irgendwann kommt, hält eine Demokratie dem nicht stand. Wenn das Wasser knapp wird, gibt es Unruhen“, sagte er dann.

Klimawandel durch Demokratie nicht aufzuhalten

Die Demokratie im Jetzt aushebeln, um sie vor einer Katastrophe in der Zukunft zu bewahren: Nein, das klang nicht überzeugend.

Das Fazit: Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ zeigte, wie weit wir noch immer von einem Konsens beim Klimathema entfernt sind. Dieser müsste eigentlich so aussehen, dass über konkrete Maßnahmen diskutiert wird. Dies wünschen sich auch Beobachter von der Klimakonferenz in Madrid: Darum geht es bis 13. Dezember.

Stattdessen gibt es weiterhin Beharrungskräfte, die auch mit einer angeblichen Panikmache argumentieren. Dazu gehören dann auch Spitzfindigkeiten wie jene von Rainer Hank, der feststellte, dass die Welt faktisch entgegen aller Vorhersagen noch nie untergegangen sei. Gut, dass Bärbel Höhn gleich die richtige Antwort fand: „Die Erde wird nicht untergehen. Die Frage ist: Was passiert mit den Menschen?“ Schon jetzt flieht nämlich alle zwei Sekunden ein Mensch wegen Klimakatastrophen.

Nutzer kritisieren „Hart aber fair“-Sendung

Auch in den sozialen Netzwerken sorgte die Sendung für Diskussionen. Nutzer kritisierten, dass mit von Storch ein Wissenschaftler eingeladen wurde, der aufgrund seiner Aussagen zum Klimawandel umstritten ist. Bereits in einer Rede vor dem Deutschen Ethikrat Anfang November hatte er Wissenschaftler wegen angeblicher Übertreibung kritisiert.

Hier eine Auswahl der Kommentare:

  • „Jetzt darf der einzige Herr Professor der Runde genüsslich alle anderen Wissenschaftler in eine politische Ecke stellen, die nur übertreiben.“
  • „Die Sendung war nicht zum Aushalten. Dem Thema in keiner Weise angemessen. Nicht richtig besetzt. Und für einen öffentlichen Sender unwürdig. So was hat keinerlei Mehrwert.“
  • „Mich erschüttert, dass bei #hartaberfair von Beginn an die Diskussion in eine einzige Richtung gelenkt wird. Wissenschaft wird demontiert und herbeigesehnte Endergebnisse präsentiert. Einzig und allein die Beiträge der Zuseher waren bezeichnend und wurden nochmals relativiert.“

„Hart aber fair“ in der Mediathek anschauen

Sie haben die aktuelle Folge von „Hart aber fair“ verpasst? Zur aktuellen Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek geht es hier.

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