Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen und die ersten Jahresrückblicke werden im Fernsehen schon angekündigt. Höchste Zeit, um auch im Eichsfeld Rückschau zu halten und diejenigen Menschen vorzustellen, die in diesem Jahr und auch schon viele Jahre zuvor, Gutes getan haben – und zwar in ihrer Freizeit und ganz ohne Bezahlung. Die Abstimmung finden Sie ganz unten im Text.
Natürlich gibt es noch viel mehr Menschen als die unten stehende Auswahl, die sich für den guten Zweck ehrenamtlich eingesetzt haben, aber die nächste Wahl kommt bestimmt und so werden alle Würdigen auch noch ihre Chance bekommen.
15 Männer und Frauen aus dem Eichsfeld sind hier vorgestellt und weiter unten auch im Bild zu sehen. Sie alle hätten den Titel „Eichsfelder des Jahres“ verdient. Aber nur Sie, liebe Leserinnen und Leser, entscheiden, wer den Titel mit nach Hause nimmt und den Pokal in die Wohnzimmervitrine stellen darf.
Wer wird „Eichsfelder des Jahres 2018“? Das sind die Kandidaten
1. Katharina Baudisch
Die Heiligenstädterin ist ehrenamtlich so aktiv, dass man sich fragen muss, ob ihr Tag mehr als 24 Stunden hat. Hier ein kleiner Auszug: Sie ist nicht nur in die Arbeit mit den Bewohnern des St. Johannesstiftes in Ershausen tief eingebunden - dort erarbeitet sie unter anderem Theaterstücke und studiert sie mit den Menschen mit Behinderung ein - , sondern sie ist auch mit dabei, wenn es jährlich darum geht, das Anspiel zur Frauenwallfahrt vorzubereiten und persönlich Teil davon zu sein.
Den Schneid kauft Katharina Baudisch den Leuten aber regelmäßig im Juni beim großen Heiligenstädter Benefizlauf ab. Da läuft sie nicht nur selbst große Distanzen und scheint sich noch nicht einmal einen Schweißtropfen von der Stirn zu wischen, sondern sie läuft noch zusätzlich als Begleitung der Teilnehmer des Johannesstiftes mit.
2. Ronny Vogler
Ronny Vogler aus Heiligenstadt ruft immer „Hier!“, wenn jemand gebraucht wird. Seit vielen Jahren ist er der Chef des Eichsfelder Jugendrotkreuzes und verlängert trotz immer wieder gegenteiliger Ankündigungen sein Engagement in diesem Amt stets auf Neue. Er kocht im Sanitäts- und Betreuungszug des Landkreises, er moderiert das Röhriger Seifenkistenrennen, ist seit Jahren Co-Moderator des Heiligenstädter Ibergrennens und darüber hinaus stark im Heiligenstädter Carnevalverein aktiv. Auch dort moderiert er, tanzt im Männerballett und hat seit diesem Jahr dazu noch die Rolle des Neptuns bei der Schulanfängertaufe auf dem Marktplatz übernommen. Dabei reizt er die Zuschauer mit seinem perfekt imitierten norddeutschen Dialekt und „dummen Sprüchen“ zu Lachtränen. Der Mann für alle Fälle!
3. Wigbert Nolte
Wigbert Nolte aus Bornhagen ist auch als „Ritter Robert“ der Eichsfelder Ritterschaft bekannt. Aber vor allem ist er der Krippenvater der jährlichen Hauskrippenausstellung auf Burg Hanstein. Seit mehr als 20 Jahren gehört er zum Team, seit einigen Jahren hat er den Hut auf. Mit seinen Helfern sorgt er dafür, dass die Krippen in einer wunderbaren Art und Weise aufgestellt werden. Der 63-Jährige holt selbst im Wald fehlende Wurzeln, hat das ganze Jahr über einen Wäschekorb im Auto, falls ihm eine passende „über den Weg läuft“. Er ersetzt bei Krippenfiguren flugs fehlende Teile, bastelt die Krippenbeleuchtungen en miniature selbst, hat den Komplettstrom-Plan immer im Kopf und ist selbst bei größtem Zeitdruck nicht aus der Ruhe zu bringen. Genauso organisiert läuft auch wieder der Abbau ab, so dass nach wenigen Tagen der Obere Rittersaal aussieht, als wäre nie etwas gewesen und jede Figur, jede Krippe wieder vollständig bei ihrem Besitzer ist.
4. Bernadette Eckhardt
Zweimal im Jahr tritt Bernadette Eckhardt aus Dingelstädt ans Mikrofon. Einmal beim Breikuchenfest und einmal beim Weihnachtsmarkt, jeweils zur Eröffnung. Ihr Wirken findet aber zu 99 Prozent hinter den Kulissen statt. Engagiert im Gewerbering der Stadt laufen bei ihr alle Fäden der Vorbereitung von Stadtfest und Breikuchenfest zusammen. Sie organisiert im Hintergrund alles, was es zu organisieren gilt, sie macht dabei das Unmögliche möglich. Und während des Festwochenendes kann sie das bunte Treiben nicht wirklich genießen, denn sie steht bereit, plötzlich auftretende Probleme zu lösen, ohne dass die Gäste überhaupt das Problem mitbekommen. Zudem steht sie noch dem Turnverein vor. Für ihr unglaubliches Engagement für Dingelstädt hat sie im vergangenen Jahr bereits die Ehrengabe der Stadt Dingelstädt erhalten.
5. Markus Rilli
Der Heiligenstädter ist bei der Villa Lampe als Sozialarbeiter unterwegs. Doch was er leistet, geht weit über das Berufliche hinaus. Vor allem im sozialen Brennpunkt „Auf den Liethen“ ist er unermüdlich unterwegs, hilft in allen Lebenslagen, egal, ob es um das Ausfüllen von Formularen für Behörden geht, oder um die reine Bewältigung des Alltages. Er begleitet Jugendliche auf dem Weg aus der Drogensucht, hat immer ein offenes Ohr für junge Menschen in der Schulsozialarbeit, im Liethentreff leistet er unermüdlich Integrationsarbeit und fasst auch im „Quartier 44“ mit zu. Er leitet Mutter-Kind-Projekte, Workshops aller Art und begleitet Schüler auch noch bei Projektarbeiten.
6. Wolfgang Ruske
Wolfgang Ruske war derjenige, der direkt nach Mauerfall und Deutscher Einheit sagte: „Man darf nicht alles wegreißen, sondern wir müssen Teile des Grenzzauns und der Sperranlage für die nachfolgenden Generationen als Mahnung bewahren.“ Im Ehrenamt hat er mit einer Handvoll Gleichgesinnten so das erste Grenzmuseum auf deutschem Boden in Asbach-Sickenberg aufgebaut. Das Besondere: Ein Teil liegt in Thüringen, das andere in Hessen. In den 90er Jahren hat der Arbeitskreis Grenzinformation als eingetragener Verein Exponate gesammelt, um sie vor der Vernichtung zu bewahren. Vor allem die Technik wie Hubschrauber und Militärfahrzeuge veranschaulichen den Aufwand, der für den Eisernen Zaun betrieben wurde. Ruske hat es geschafft, das Museum als Gedenkstätte anerkennen zu lassen, es über die Jahre immer wieder zu bewahren und auch noch einmal samt seinem Inhalt zu retten, als es um eine Neukonzeptionierung ging und er sich weigerte, die völlig überzogenen Anforderungen von außen mitzutragen. Über 40 000 Besucher zählt das Museum jährlich, vor allem investieren Wolfgang Ruske und sein Team einen Hauptteil in die schulische Bildung junger Menschen.
7. Hermann Josef Montag
Der Küllstedter ist ein Urgestein, was ehrenamtliche Tätigkeit angeht. Seit vielen Jahren engagiert er sich im Gemeinderat seines Heimatortes Küllstedt und opfert einen Teil seiner Zeit für die Arbeit im Eichsfelder Kreistag, in dem er der CDU-Fraktion angehört. Auch ist er jedes Jahr mit dabei, wenn es darum geht, die große Hauskrippenausstellung in der Kirche St. Georg & Juliana rund um die Oberammergauer Kirchenkrippe auf zubauen. Darüber hinaus aber gehört seine Liebe der Wallfahrt nach Walldürn. Als Wallfahrtsleiter sorgt Hermann Josef Montag im Vorfeld für die Organisation, veranstaltet Informationsabende und auch noch die Zurüstwallfahrten. Selbstverständlich läuft Montag jedes Jahr die 190 Kilometer nach Walldürn zu Fuß mit und organisiert im Nachgang weitere Pilgertreffen.
8. Johanna Ausmeier
Die Gerbershäuserin hat ihre gesamte Freizeit der Jugendarbeit in der ortsansässigen Feuerwehr gewidmet. Im April 1995 wurde die Jugendfeuerwehr in Gerbershausen gegründet. Da ist Johanna Ausmeier eingetreten, weil sie wegen ihres Vaters schon immer nah an der Feuerwehr des Ortes war. Im Januar 1999 ist sie als erste Frau in die Einsatzabteilung gewechselt, war dann von 1999 bis 2002 stellvertretende Jugendwartin und hat ab 2002 übernommen. Sie war auch viele Jahre Kreisjugendfeuerwehrwartin und hatte dort 93 Eichsfelder Jugendfeuerwehren unter ihren Fittichen. Ein Ehrenamt, das viel Zeit verschlingt. Für ihr Engagement wurde sie vom MDR und der Ehrenamtsstiftung Thüringen als Thüringerin des Monats Juli ausgezeichnet. In ihrem Ehrenamt versucht sie Kinder und Jugendliche, für die Feuerwehrarbeit zu begeistern und das passiert ganz oft mit Spaß und Spiel.
9. Gertrud Kunze
Die Glasehäuserin Gertrud Kunze war nicht nur 27 Jahre Bürgermeisterin, sie ist auch eine Brückenbauerin, die in diesem Jahr von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier persönlich mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt wurde. Im November 1989 wollten auch die Glasehäuser einen Grenzübergang, sammelten Unterschriften. Erst passierte nichts, dann hieß es, dass er binnen drei Tagen errichtet sein müsse. Gertrud Kunze schaffte es mit Unterstützern. Am Ende feierten alle ein großes Begrüßungsfest. Von Anfang an gab es ein gutes Miteinander mit Beienrode, Weißenborn und Etzenborn. 1990 wurde Gertrud Kunze offiziell zur Ortschefin gewählt und ins kalte Wasser geworfen. Denn nach der Wiedervereinigung galten neue Gesetze, Bestimmungen. 1993 ein Unwetter: Eine Windhose richtete im Dorf schwere Schäden an. Dächer wurden abgedeckt, um die 100 Grabsteine auf dem Friedhof stürzten um. Es galt zuzufassen, ebenso wie bei der Dorferneuerung. Die Kommune, die um die 170 Einwohner zählt, ist heute ein kleiner, aber feiner Ort. Viele Jahre trug sie Verantwortung. Glasehausen sollte ein ordentliches und sauberes Dorf sein, als kleiner Ort nicht zurückstehen. Das schaffte sie und war Zuhörer, Entscheider, Planer, Organisator. Sie entwickelte Glasehausen, einen Ort einst direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze von einem aussterbenden Sperrzonendorf zu einem lebendigen Wohnort und machte Mut, Veränderungen vorzunehmen. Sie engagierte sich, motivierte und sorgte für ein attraktives Leben auf dem Land.
10. Hubert Kaufhold
Hubert Kaufhold war gut 20 Jahre lang der Bürgermeister des Ortes, bevor er das Zepter 2011 an Marco Waldmann übergab. Er brachte den Ort gleich zweimal in die Dorferneuerung und ebnete so seinem Nachfolger den Weg. Weiterhin hat er den Beitritt des Ortes zur Einheitsgemeinde Schimberg maßgeblich vorangetrieben. Und auch wenn er dort oft auf Widerstand stieß, zahlte sich der Kampf aus, denn das Dorf profitiert sehr von der größeren Struktur. Im Sommer feierten die Bürger das 700-jährige Bestehen ihres Ortes und auch da war Hubert Kaufhold, der aktuell auch im Ortsteilrat sitzt, ganz vorn dabei. Als Vorsitzender des Festkomitees für das Jubiläum brachte er sich stets mit ein, Ideen mit an den Tisch und war bei der Vorbereitung und Umsetzung sämtlicher Programmpunkte mit vor Ort. Auch ist es ihm zu verdanken, dass die Chronik komplett von Fördermitteln bezahlt werden konnte. Außerdem setzte er sich – damals noch im Amt – für die Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses ein, die in diesem Jahr fertig gestellt wurde. Er blieb bei den Förderanträgen am Ball und packte auch mit an, als es um die Entkernung der Scheune ging.
11. Helmut Seidemann
Er lebt für das Turnen: Helmut Seidemann (75) trainiert den Nachwuchs des SC Leinefelde. Zweimal wöchentlich steht der ehemalige Diplomsportlehrer noch in der Halle, leitet an acht Stunden in der Woche die Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren an. Seine Schützlinge sind im Gerätturnen thüringenweit erfolgreich. Seidemann, der im bayrischen Mittenwald geboren und im Vogtland aufgewachsen ist, wird beim Trainieren des Nachwuchses von seiner Frau Heidrun unterstützt.
12. Amelie Lücke
Die 15-jährige Amelie Lücke von Ken Budo Heiligenstadt sichert sich im Sommer dieses Jahres in Erfurt die Deutsche Karate-Meisterschaft in der Altersklasse U16, plus 54 Kilogramm und löste damit auch das Ticket für die Europameisterschaften im Februar 2019 im dänischen Aalborg. Die Neuntklässlerin der Regelschule Lorenz Kellner fing mit sieben Jahren mit Karate an, wurde 2015, 2017 und 2018 Landesmeisterin und vor drei Jahren von Bundesjugendtrainer Klaus Bitsch in den Talentkader aufgenommen. Seit 2016 gehört sie dem höheren B-Kader an.
13. Thomas Dölle
Die Trommelgruppe „Dancing Hands“ in Kirchworbis gibt es seit 2008, und ihre Gründung passierte quasi aus Versehen. Thomas Dölle wollte damals jemanden anlernen, der den Kirchworbiser Chor „musica encanta“ mit einem Percussion-Instrument begleitet. Diese Aufgabe hatte er bis dahin immer übernommen. Sein Zögling, Julia Frölke, machte damit aber wohl so gute Werbung, dass immer mehr Leute anfragten, ob sie denn auch mal mitmachen könnten. So entstanden die „Dancing Hands“, die wie der Kinderchor, der Instrumentalkreis und der Chor selbst zum Verein „Kim. Kinder und ihre Musik“ in Kirchworbis gehören. Die insgesamt 25 Trommler zwischen acht und 45 Jahren spielen auf sogenannten Djemben. Thomas Dölle war es auch, der die afrikanischen Klänge ins Eichsfeld brachte. Er leistete 1995 Aufbauarbeit in Togo und hatte das Trommeln von den Einheimischen gelernt. Er achtet stets darauf, dass nicht mehr als zwei Auftritte im Monat angesetzt werden. Es soll ja Spaß machen und nicht Überhand nehmen. Er selbst gibt auch Trommel-Workshops in Schulen oder im Hort. Mit der Gage oder den Spenden unterstützt die Gruppe oft soziale Projekte im In- und Ausland. Ab und zu gönnt sie sich aber auch Ausflüge und ist so zweimal im Jahr unterwegs.
14. Irene Sander
Irene Sander aus Heiligenstadt ist seit seiner Gründung 2003 die Vorsitzende des Tierschutzvereins Heiligenstadt und Umgebung, sitzt im ministeriellen Tierschutzbeirat, ist Ehrenvorsitzende des Landestierschutzverbandes. Ihr Tierschutzverein zählt 40 Mitglieder. Unermüdlich hat Irene Sander für den Bau des einzigen Tierheimes im Landkreis Eichsfeld gekämpft, genauso unermüdlich kämpft sie um Spenden, Fördermittel und Unterstützer. Tag und Nacht ist sie im Einsatz, wenn es darum geht, notleidenden Tieren zu helfen – auch wenn sie sich damit nicht immer Freunde macht. Sie hat angekündigt, noch mindestens zehn Jahre weiter für Tiere zu streiten.
15. Dagmar Blacha
Seit dem Jahr 2000 ist Dagmar Blacha aus Ferna Feuerwehrfrau mit Leib und Seele. Seit 2006 ist sie Jugendwartin in ihrer Heimatgemeinde. Seit 2015 arbeitet sie ehrenamtlich im Kreisfeuerwehrverband Eichsfeld als Frauenbeauftragte und ist seit 2016 auch im Referat Frauen des Thüringer Feuerwehrverbandes im Einsatz. Was sie tut, tut die junge Mutter mit Herzblut, zum Beispiel jährlich thüringenweit Workshops für Feuerwehrfrauen zu organisieren, in denen die Kameradinnen für Einsätze fit gemacht werden und ihr Selbstbewusstsein stärken. Dagmar Blacha sorgt dafür, dass die Frauen das Gleiche können und wissen, wie die Männer in den Wehren.
Zur Abstimmung für den Eichsfelder des Jahres geht es hier:
Johanna Braun, rom

















