Erst kreischt eine Betonsäge, dann rattert ein Presslufthammer: Vor dem Haus in der Schützenallee 26 in Gotha wird gestern Nachmittag ein kleines quadratisches Loch in den Gehweg getrieben. Es nimmt wenige Minuten später einen Stolperstein auf. Er wird fachmännisch vom Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, jenem Mann, der die Stolperstein-Aktion 1993 angestoßen hat. Seitdem wurden über 47.000 dieser Erinnerungsstücke in Deutschland und Europa verlegt. In Gotha kamen gestern fünf neue hinzu - 58 gibt es jetzt in der Stadt.

Diese Steine erinnern an die Vernichtung der Juden, Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und anderer Opfer des Nationalsozialismus. Dazu werden mit Messingblech verkleidete Pflastersteine, auf denen biografische Daten der Opfer eingraviert sind, vor dem Wohnhaus der Betroffenen verlegt. Das Gothaer Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt organisierte die Stolpersteinverlegung seit 2006 schon zum 9. Mal.

Der erste Solperstein in Gotha ist gestern für Hugo Meister (1901-1956), der 1933 bis 1935 im Zuchthaus Gräfentonna und als Angehöriger der Widerstandsgruppe um Theodor Neubauer 1944/45 im KZ Buchenwald inhaftiert war, 1945 bis 1951 als Bürgermeister der Stadt Gotha amtierte. Es folgte im Grünen Weg 16 ein Stolperstein für den Fabrikanten Max Ledermann (1875-1942), der 1942 vor der Deportation nach Belzyce den Freitod wählte. Gespendet hat den Stein Klaus-Peter Albrecht aus Gotha. Martin Heinze finanzierte die Stolpersteine für Helene Lutzky (1893-1942) und Siegbert Lutzky (1897-1942), die in Belzyce ermordet wurden. In der Schlichtenstraße 41 wird nun an sie erinnert.

In der Oststraße 40 wurde außerdem ein Stolperstein für den Kommunisten und antifaschistischen Widerstandskämpfer Otto Geithner (1876-1948) verlegt, der 1935 bis 1938 in den Zuchthäusern Gräfentonna, Ichtershausen und Halle sowie von 1938 bis 1945 im KZ Buchenwald inhaftiert war. Dieser Stolperstein und der für Hugo Meister sind den Vereinen "KommPottPora" und "Bildung vereint" zu verdanken.

Claudia Klinger