Autotest

Brabus verwandelt die G-Klasse zum Luxus-Pick-Up

Berlin  Wie kaum ein anderer Geländewagen meistert die Mercedes G-Klasse den Spagat zwischen Stadtflucht und Luxusleben. Erst recht in der AMG-Version. Doch weil genug manchmal nicht genug ist, hat sich jetzt der Tuner Brabus den Pick-Up vorgeknöpft. Was ist dabei rausgekommen?

Nicht nur seine Größe, auch die Anbauteile aus Karbon sowie eine Seilwinde im Bug und mächtige Zusatzscheinwerfer auf dem Dach machen den Brabus 800 Adventure XLP zum Blickfang.

Nicht nur seine Größe, auch die Anbauteile aus Karbon sowie eine Seilwinde im Bug und mächtige Zusatzscheinwerfer auf dem Dach machen den Brabus 800 Adventure XLP zum Blickfang.

Foto: dpa

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Was Rolls-Royce für die Royals, das ist Brabus für superreiche Premium-Käufer mit einem Hang zur Extravaganz. Denn kaum ein anderer Tuner baut Autos so tiefgreifend um wie der Mercedes-Veredler aus Bottrop.

Das jüngste Beispiel dafür ist der Brabus 800 Adventure XLP, mit dem die schnelle Truppe aus dem Ruhrpott jetzt das Luxus-Segment erobern will. Für Preise ab 463.900 Euro wird dabei aus der Mercedes G-Klasse ein pompöser Monster-Pick-Up, in dem sich der Fahrer als Fürst auf der Sandpiste fühlen darf.

Für Boulevard und Buckelpiste

Um die Vorzüge des Vierkant aus Graz voll auszuschöpfen, sollte das asphaltlose Gelände jedoch eine gewisse Größe haben, was für die oft in den Emiraten vermuteten Kunden kein Problem sein dürfte. Genauso wenig wie für wohlhabende Russen, die als Zielgruppe gleichermaßen infrage kommen. Wer bei uns so einen Koloss fahren will, muss wohl eher mit dem Boulevard vorlieb nehmen. Aber auch da besticht dieses ganz besondere G-Modell durch seine imposante Erscheinung. Denn Brabus hat nicht nur eine Pritsche angesetzt und den Geländeprofi dafür in Radstand und Länge gewaltig gestreckt. Sondern die Entwickler haben den jetzt stolze 5,31 Meter langen Wagen außerdem auf so genannte Portalachsen gestellt. Mit ihnen steigt die Bodenfreiheit auf knapp einen halben Meter.

In der Wildnis klettert der Allradler unbeirrt über Baumstämme und watet durch Flussbetten, in denen andere Geländewagen buchstäblich untergehen. In der Stadt fällt vor allem seine Größe auf. Aber auch die Anbauteile aus Karbon, die ringsherum angebracht sind, sowie eine Seilwinde im Bug und mächtige Zusatzscheinwerfer auf dem Dach dienen als Blickfänger. Fast schon wirkt die G-Klasse wie ein Auto aus einem Survival-Film - schüchtern und scheu sollte man deshalb nicht sein, wenn man diesen Lifestyle-Laster fahren will.

Luxus-Oase mit 800 PS

Zwar ist sich der Pick-Up im Gelände für keinen Dreck zu schade. Doch egal wie schmutzig es draußen zugeht, die Insassen umgarnt er mit jeder Menge Luxus. So hat Brabus trotz der Pritsche nicht nur genügend Platz für die Passagiere frei gehalten, sondern auch das schon beim Original üppige Arrangement aus Lack und Leder noch mehr aufgewertet. Zudem haben die Tuning-Experten den Geländewagen mit eloxierten Schaltern, verkleideten Oberflächen und aufwendigen Steppnähten in den Polstern ausstaffiert.

Ebenso schafft es Brabus, den Antrieb zur opulenten Größe und Ausstattung ins richtige Verhältnis zu setzen. Als wären die 430 kW/585 PS des AMG-Modells nicht schon üppig genug, nimmt sich der Veredler den vier Liter großen Achtzylinder noch einmal vor. Das Ergebnis: Die Leistung steigt auf 588 kW/800 PS, und die Drehmomentkurve gipfelt nun erst bei 1000 Nm. Obwohl der Pick-Up drei Tonnen wiegt, fühlt sich der Wagen deshalb plötzlich ganz leicht an, wenn der Turbo den Koloss in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 katapultiert. Und 210 km/h Spitze mögen für einen durchschnittlichen Geländewagen Standard sein. Aber gefühlt zwei Meter über der Straße sieht die Sache in dem Riesenmobil ein bisschen anders aus.

Die Größe hat ihren Preis

Aber Vorsicht: Auch wenn der Pick-Up besser beschleunigt als mancher Porsche, braucht es am Steuer einen gewissen Weitblick. Denn trotz besonders bissiger Bremsen und eines stabilen Fahrwerks nimmt sich die G-Klasse in Kurven etwas mehr Raum und lässt sich beim Anhalten ein wenig Zeit. Und noch einen Nachteil hat die XXL-Größe: Der Verbrauch klettert schon auf dem Prüfstand auf 14,5 Liter (CO2-Ausstoß 345 g/km) und dürfte in der Praxis schnell beim Doppelten landen. Die Kunden wird das kaum stören - denn Sparsamkeit gehört sicher nicht zu ihren Kaufmotiven.

Auch der Preis ist für sie wohl kaum ein Hindernis. Selbst wenn Brabus mindestens etwa das Dreifache von dem verlangt, was Mercedes-Ableger AMG in Rechnung stellt. Doch zum Geld brauchen Interessenten auch noch reichlich Geduld: Weniger wegen der drei Monate, die Brabus für den Umbau veranschlagt. Sondern weil allein bei Mercedes die Lieferfrist über ein Jahr beträgt.

Fazit: Viel Vergnügen, null Vernunft

Natürlich ist der Brabus 800 Adventure XLP hoffnungslos unvernünftig und damit mit jedem anderen Spielzeug vergleichbar. Aber genau wie eine Modelleisenbahn kann er viel Vergnügen bereiten - vorausgesetzt das Geld reicht. Immerhin birgt sein hoher Preis auch Vorteile: Für die Besitzer, weil sie damit zu einem exklusiven Zirkel zählen. Und für den Rest der Welt, weil der Preis die Anzahl und damit den schädlichen Umwelteinfluss stark limitiert.

Datenblatt: Brabus 800 Adventure XLP

Motor und Antrieb V8-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 3982 ccm
Max. Leistung: 588 kW/800 PS bei 6600 U/min
Max. Drehmoment: 1000 Nm bei 3600 U/min
Antrieb: Allradantrieb
Getriebe: Neungang- Automatik
Maße und Gewichte
Länge: 5327 mm
Breite: 2100 mm
Höhe: 2264 mm
Radstand: 3390 mm
Leergewicht: 2936 kg
Zuladung: 754 kg
Kofferraumvolumen: k.A.
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,8 s
Durchschnittsverbrauch: 14,5 Liter/100 km
Reichweite: k.A.
CO2-Emission: 345 g/km
Kraftstoff: Super
Schadstoffklasse: EU6dtemp
Energieeffizienzklasse: F
Kosten:
Basispreis des Mercedes G 63 AMG: 152.725 Euro
Grundpreis des Brabus 800 Adventure XLP: 463.90 Euro
Typklassen: k.A.
Kfz-Steuer: 580 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit: Sechs Airbags, LED-Scheinwerfer, Tempomat, Allradantrieb
Komfort: Klimaautomatik, Zentralverriegelung, digitale Instrumente, Lederpolster
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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