Stadt Saalfeld prüft Luftfilteranlagen für Schulen und Kitas

Saalfeld.  Corona-Kritiker Steffen Teichmann hat mit einem Prüfantrag im Saalfelder Stadtrat Erfolg, verärgert aber mit einer unrealistischen Frist den Bürgermeister.

Der Gorndorfer Fitnessstudio-Betreiber und Stadtrat Steffen Teichmann bei einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Markt in Saalfeld.

Der Gorndorfer Fitnessstudio-Betreiber und Stadtrat Steffen Teichmann bei einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen auf dem Markt in Saalfeld.

Foto: Guido Berg

Ausgerechnet der Mitorganisator von Demonstrationen gegen angeblich überzogene Corona-Infektionsschutzmaßnahmen, der Gorndorfer Fitnessstudio-Betreiber Steffen Teichmann, hat im Saalfelder Stadtrat einen Prüfauftrag zur Installation von Luftfilteranlagen in Saalfelds Schulen eingebracht. Bürgermeister Steffen Kania (CDU) zeigte sich der Thematik gegenüber als informiert und aufgeschlossen – war jedoch verärgert über Teichmanns Zeitvorstellungen.

Teichmann ist, ohne CDU-Mitglied zu sein, Mitglied der CDU-Fraktion im Saalfelder Stadtrat. Als Betreiber des Fitnessstudios „Life“ in Gorndorf zeigte er sich erbost von den Corona-Schutzmaßnahmen. Zuletzt hielt er Reden auf Demos auf dem Saalfelder Markt, die sich gegen die Corona-Maßnahmen richten. Nach eigener Auskunft habe er sein Fitnessstudio nun mit Lüftungs- beziehungsweise Luftfilteranlagen ausgerüstet. Das wolle er auch für die Saalfelder Schulen, erklärte am Mittwoch im Stadtrat.

Teichmann: Eine Million Euro für Saalfelds Schulen nötig

Bei der Sitzung im Meininger Hof sagte Teichmann, die Politiker hätten „die Kinder nicht im Plan – seit acht Monaten nicht“. Hätte die Bundesregierung bei der Rettung der Lufthansa eine Milliarde Euro gespart, könnten alle Schulen in Deutschland mit Luftreinigungstechnik ausgestattet werden. Teichmann erklärte weiter, Saalfeld bräuchte für die Schulen und Kitas – etwa 200 Räume – circa eine Million Euro, um sie mit einer Technik auszustatten, die ihm vorschwebt.

Teichmann sagte, er sei in diesem Zusammenhang enttäuscht von Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke), denn das Land sei „nicht bereit, Geld dafür auszugeben“. Für den Prüfauftrag hinsichtlich der Möglichkeiten, Saalfelds Schulen mit Lüftungstechnik auszustatten, stellte sich Teichmann eine Frist bis zum 30. November vor, also weniger als zwei Wochen.

Kania: Keine Lösung noch für diesen Winter

Dazu erklärte der Bürgermeister konsterniert, in sieben Arbeitstagen zu verbindlichen Aussagen zu kommen, sei schlicht nicht möglich. In den acht öffentlichen Schulen in Saalfeld mit 160 Räumen herrschten völlig unterschiedliche Bedingungen, die alle geprüft werden müssten. Außerdem kenne er keinen Verwaltungsangestellten, der sich ad hoc mit der geforderten Technik auskenne.

Kania zitierte aus einem entsprechenden Bericht der Zeitung „Die Welt“, aus dem hervor geht, dass die Lieferfrist für Lüftungstechnik drei Monate betrage – „für ein Gerät“. Zudem müsste die Finanzierung durch Fördermittel geklärt werden und es gebe Ausschreibungsfristen. Kania: „Dass wir noch diesen Winter zu einer Lösung kommen, kann ich mir nicht vorstellen.“

Daraufhin sagte Teichmann: „Schade, dass die Geschwindigkeit so rausgenommen wird.“ Kania reagierte säuerlich: „Wir stellen uns den Aufgaben, die uns der Stadtrat stellt, immer so schnell wie möglich. Die Mitarbeiter geben ihr Bestes!“

SPD/Grüne-Fraktionschef Steffen Lutz erklärte, es handele sich „um einen Prüfauftrag, der Sinn macht – wenn wir auch generell mit Steffen Teichmann nicht auf einer Wellenlänge sind“. Auch Lutz ist der Auffassung, „dass wir mit Ausschreibung und Beschaffung in diesem Winter zu keinem Ergebnis kommen“. Joachim Heinecke (FDP) sagte: „Wir müssen dran arbeiten, aber jeder Praxisverbundene weiß, dass es so schnell nicht möglich ist.“

Mehrheit für Prüfauftrag ohne Frist

Der Stadtrat nahm Teichmanns Prüfauftrag mit großer Mehrheit an – ohne die von Teichmann gewollte Frist bis Ende November.