Querdenker wollen alte Bücher retten

Jena  Das Jenaer Forschungsinstitut Innovent und die Thüringer Universitätsbibliothek bringen Wissenschaftler und Restauratoren zusammen.

Constanze Roth und Thorsten Laube von Innovent gehören zu den Referentenbeim Workshop „Objekte aus Papiererhalten und schützen“, auf dem in Jena in der kommenden Woche Wissenschaftler, Bibliothekare und Restauratoren zusammenkommen, um über neue Verfahren zur Rettung bedrohter Bücher nachzudenken.

Constanze Roth und Thorsten Laube von Innovent gehören zu den Referentenbeim Workshop „Objekte aus Papiererhalten und schützen“, auf dem in Jena in der kommenden Woche Wissenschaftler, Bibliothekare und Restauratoren zusammenkommen, um über neue Verfahren zur Rettung bedrohter Bücher nachzudenken.

Foto: Angelika Schimmel

Von alten Büchern geht eine besondere Faszination aus. Jahrhunderte altes Wissen, auf handgeschöpftem Papier niedergeschrieben, oft filigran illustriert und zwischen fein geprägte Lederdeckel gebunden, lässt in Bibliotheken oder Antiquariaten wohl jeden Bücherfreund ehrfürchtig werden. Mit Recht werden die Sammlungen historischer Handschriften, Dokumente und Bücher in Stadt-, Staats- oder Universitätsbibliotheken wie Schatzkammern behandelt. Doch sie sind existenziell bedroht – von Schimmel, Papier- und Tintenfraß und gefräßigen Käfern.

Seit Jahren rufen Bibliothekare laut und öffentlich um Hilfe. Denn nicht nur in deutschen Bibliotheken, sondern weltweit sollen allein zwischen 80 und 90 Prozent aller Schriftstücke aus den vergangenen zwei Jahrhunderten von Papierfraß bedroht sein. Die Folge, das Papier vergilbt, zerbröselt und löst sich auf. Werden noch ältere Bücher und Dokumente – befördert durch ungünstige Lagerung oder Feuchteschäden in Gebäuden – von Schimmelpilzen befallen, dann verkleben und verklumpen Seiten miteinander, was ebenfalls zur Unbrauchbarkeit der Bücher und Schriften führt.

Die solcherart beschädigten Bestände zu retten, erfordert enorme wissenschaftliche, technische und finanzielle Anstrengungen. „Und vielleicht auch Impulse durch Erfahrungsaustausch mit Vertretern ganz anderer Fachgebiete und eine gehörige Portion Querdenken“, sagt Constanze Roth.

Die junge Kunsthistorikerin arbeitet am Jenaer Institut Innovent, das sich mit anwenderorientierter Forschung unter anderem im Bereich Oberflächentechnik und Analytik befasst. Sie gehört zu den führenden Köpfen beim Forschungsnetzwerk „Inn-O-Kultur – Innovative Oberflächentechnik und Kulturgüter“, gegründet 2014 auf Betreiben des Jenaer Institutes. Gefördert vom Bundesforschungsministerium, arbeiten hier Chemiker, Physiker, Materialtechniker und Restauratoren zusammen, um Lösungen zu Rettung und Erhalt von wertvollen Kulturgütern zu finden.

In der kommenden Woche veranstaltet Inn-O-Kultur in Jena einen Workshop, der sich speziell erhaltens- und schützenswerten Objekten aus Papier, also Büchern und bibliophilen Schriftstücken und Gegenständen widmet.

„Dieser Workshop beleuchtet aktuelle Ansätze zum Schutz von Papier. Themen aus der Konservierung und Restaurierung werden ebenso präsentiert wie Einblicke in die industrienahe Forschung und Praxis“, berichtet Roth. „Wir veranstalten diese Tagung gemeinsam mit der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena, in deren Räumen wir uns auch zum Erfahrungsaustausch treffen“, sagt Roth.

Selbstredend gehören Mitarbeiter der ThULB wie Frank Schieferdecker, der aktuelle Beispiele der Bestandserhaltung präsentieren wird, zu den Referenten. Aber auch Mitarbeiter der Deutschen Akademie der Naturforscher, Leopoldina, und des Zentrums für Bucherhaltung Leipzig berichten von ihren Bemühungen zur Rettung bedrohter Bücher.

„Das Besondere unseres Workshops ist jedoch, dass wir auch Fachleute aus anderen Disziplinen zu Wort kommen lassen, deren Forschungen vielleicht Anregung für neue Kooperationen und eine neue Herangehensweise an die Probleme geben“, sagt Constanze Roth.

So werden Referenten der Gesellschaft zur Förderung von Medizin-, Bio- und Umwelttechnologien Jena darstellen, wie sie historische Manuskripte mittels hyperspektraler Bildgebung analysieren. Und Norbert Kaiser vom Fraunhofer-Institut für Optik und Feinwerktechnik (IOF) wird Möglichkeiten des Schutzes von empfindlichen Papieren vor UV-Licht präsentieren. Vom gastgebenden Innovent Institut kommt Thorsten Laube, der im Bereich Biomaterialien arbeitet und dort mit seinen Kollegen Verfahren entwickelt hat, mit denen zum Beispiel die Oberflächen von künstlichen Implantaten antibakteriell werden.

„Die von uns aufgebrachten Zinkoxid-Nanopartikel verhindern, dass sich auf den Oberflächen Mikroorganismen wie Pilze oder Bakterien ansiedeln können“, erklärt Laube. „Und wir haben Möglichkeiten gefunden, dass diese Nanopartikel auch auf Papier aufgebracht werden können“, ergänzt er. Dies wollen die Innovent-Forscher den Bibliothekshütern und Restauratoren vorstellen und mit ihnen diskutieren, ob und wie diese oder andere Verfahren der Nanotechnologie nutzbar wären.

Dass es auch bei den Fachleuten aus dem Kulturbereich großes Interesse und vielleicht auch hohe Erwartungen diesbezüglich gibt, bezeugen die Workshop-Anmeldungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Das Staatsarchiv Hamburg schickt ebenso Vertreter nach Jena zur Inn-O-Kultur-Werkstatt wie Bibliotheken und Museen aus Münster, Gotha und Schleiz, sowie die Bundesanstalt für Materialforschung und die evangelische Kirche Deutschlands.

6. Workshop Forum Inn-O-Kultur, Objekte aus Papier erhalten und schützen, 31.Januar, ab 9.30 Uhr, Hörsaal der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek, Jena, Bibliotheksplatz 2; Anmeldung ist noch möglich unter: www.innokultur.de

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