Als neues Verfahren bei Hirnmetastasen haben Experten des Universitätskrebszentrums der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erstmals die intraoperative Strahlentherapie (IORT) eingesetzt. Das teilt Mandy Dall vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation mit. Diese Therapie ermögliche eine gezielte Bestrahlung der Resektionshöhle im Gehirn, die nach der Entfernung des Tumors verbleibe, und dies unmittelbar nach der Entfernung einer Hirnmetastase ohne Schädigung des gesunden Gewebes. „Dies erspart in vielen Fällen eine anschließende Strahlentherapie, die aufgrund der Wundheilung erst Wochen später beginnen kann und mehrere Tage andauert“, so Dall.
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Laut der Sprecherin ist die UMG nur eine von sieben Universitätskliniken in ganz Deutschland, die die intraoperative Strahlentherapie zur Behandlung von Metastasen im Gehirn einsetzt. Gemeinsam mit der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie nutze die Klinik für Neurochirurgie das moderne sogenannte Intrabeam-System. „Es ermöglicht eine hochpräzise Bestrahlung schon während der Operation mit einer hohen Einzeldosis direkt am Tumor beziehungsweise nach dessen Entfernung auch im Tumorbett“, berichtet Dall.
In Norddeutschland sei man bislang die einzige Einrichtung, die dieses Verfahren anbiete. „Die intraoperative Strahlentherapie ist ein sicheres und nebenwirkungsarmes Verfahren. Sie stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung von Patienten mit Hirnmetastasen dar – ein echter Meilenstein in der onkologischen und neurochirurgischen Versorgung“, erklärt seinerseits Professor Veit Rohde, Direktor der Klinik für Neurochirurgie.
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Hirnmetastasen können durch Druck auf umliegendes Hirngewebe zu neurologischen Ausfällen führen. Das könne mitunter lebensbedrohlich sein. In solchen Fällen sei eine operative Entfernung der Metastase notwendig. Voraussetzung hierfür sei, dass die onkologische Grunderkrankung außerhalb des Gehirns kontrolliert ist, der Allgemeinzustand der Patienten stabil und die Metastase chirurgisch zugänglich ist, heißt es in der Mitteilung der Universitätsmedizin Göttingen. Nach der Operation folge in der Regel eine Strahlentherapie, die aufgrund der Wundheilung jedoch erst zwei bis vier Wochen später beginnen könne und mehrere Tage dauere.

Mit der neuen intraoperativen Strahlentherapie lassen sich laut Dall die Tumorentfernung und Bestrahlung in einem Eingriff kombinieren. Dafür werde direkt im Anschluss an die Tumorentfernung ein spezieller Kugelapplikator in die entstandene Höhle eingesetzt. Es stünden Kugeln in unterschiedlichen Größen zur Verfügung, sodass diese individuell an die Größe der Resektionshöhle angepasst werden könnten. Über diesen Applikator werde für zehn bis 20 Minuten eine stark fokussierte Strahlendosis in das Tumorbett abgegeben. Die Strahlung wirke punktgenau, während das umliegende gesunde Gewebe geschont werde. Nach der Bestrahlung wird der operierte Bereich verschlossen, so Dall.
Insbesondere bei Hirnmetastasen biete die IORT große Vorteile, heißt es weiter. Sie ersetze die sonst übliche Nachbestrahlung in vielen Fällen und erlaube so eine schnellere Fortführung systemischer Therapien wie Chemotherapie oder Immuntherapie. Aktuelle Studien belegten, dass die IORT zu einer guten lokalen Tumorkontrolle führe – bei gleichzeitig geringerer Belastung für das gesunde Gehirn.
Einsatz des Verfahrens in Studien untersucht
„Der Einsatz der IORT bei Hirnmetastasen wurde bereits in einigen größeren nationalen und internationalen Studien untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass dieses Verfahren sicher und gleichzeitig sehr effektiv ist“, erklärt Dr. Charlotte Flüh, Oberärztin in der Klinik für Neurochirurgie. „Vor allem bei großen Hirnmetastasen oder solchen, die Kontakt zum Schädel oder den inneren Hirnhäuten haben, ermöglicht die IORT eine unverzügliche und gezielte Bestrahlung an den Stellen des Tumorwachstums“, berichtet ihrerseits Prof. Andrea Hille, leitende Oberärztin der Klinik für Strahlentherapie.
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„In diesen Fällen wäre mit der sonst alternativen Bestrahlung von außen eine recht großvolumige Bestrahlung des Gehirns notwendig, die dann auch mehr Nebenwirkungen entfalten könnte. Mit der IORT verlängert sich die Operationszeit nur minimal, dafür entfallen anschließende ambulante oder stationäre Aufenthalte.“
Laut der UMG-Sprecherin ist geplant, die IORT auch bei bösartigen hirneigenen Tumoren wie dem Glioblastom einzusetzen. Die Wirksamkeit werde derzeit in nationalen Studien weiter untersucht.







