Ihr medizinisches Angebot erweitert die Universitätsmedizin Göttingen (UMG), und zwar für Menschen mit Vorhofflimmern. Wie die Sprecherin des Klinikums, Lena Bösch, berichtet, sei in enger Zusammenarbeit zwischen den Kliniken für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie und für Kardiologie und Pneumologie ein neues minimalinvasives Verfahren eingeführt worden, das bereits erfolgreich bei ersten Patienten angewendet wurde.

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Vorhofflimmern ist nach Angaben der Deutschen Herzstiftung die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. In Deutschland seien rund zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Dabei schlage das Herz unregelmäßig und oft zu schnell. Typische Beschwerden wären Atemnot, Leistungsabfall, Herzstolpern, Herzrasen oder Schwindel. Die Erkrankung, so heißt es, könne anfallsartig auftreten oder dauerhaft bestehen.
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„Ursache ist eine Störung der elektrischen Impulse im Herzen: Der natürliche Taktgeber des Herzens wird von fehlerhaften Signalen aus den Herzvorhöfen überlagert. Dadurch gerät der Herzrhythmus aus dem Gleichgewicht“, erklärt die UMG-Sprecherin. Auch wenn Vorhofflimmern zunächst nicht lebensbedrohlich sei, könne es unbehandelt schwerwiegende Folgen haben – etwa eine Herzschwäche oder einen Schlaganfall. Rund 15 Prozent aller Schlaganfälle seien auf Vorhofflimmern zurückzuführen.
Eine zusätzliche Option für Patienten
Häufig, so Lena Bösch, würden Betroffene zunächst medikamentös behandelt oder erhielten eine sogenannte Katheterablation. Dabei werden krankhafte elektrische Signale im Herzen mithilfe eines Katheters – eines dünnen Drahtes, der über die Blutgefäße bis zum Herzen vorgeschoben wird – durch Hitze, Kälte oder elektrische Impulse gezielt verödet. Dieses Verfahren sei für viele Patienten erfolgreich. Bei einem Teil der Betroffenen blieben diese Maßnahmen jedoch ohne dauerhaften Erfolg.
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„Für diese Patientengruppe bietet die Universitätsmedizin Göttingen nun eine zusätzliche Therapieoption an: die endoskopische Ablation des Vorhofflimmerns. Im Unterschied zur Katheterablation erfolgt dieser Eingriff nicht über die Blutgefäße, sondern minimalinvasiv im Rahmen einer sogenannten Schlüssellochchirurgie über mehrere kleine Hautschnitte im Brustbereich“, erläutert Lena Bösch. Der Brustkorb müsse dabei nicht geöffnet werden.

Über diese Zugänge würden eine Mini-Kamera sowie spezielle chirurgische Instrumente eingeführt. Die Kamera übertrage hochauflösende Bilder aus dem Inneren des Brustkorbs auf einen Monitor und ermögliche dem Operationsteam eine direkte Sicht auf das Herz. „Auf diese Weise können die krankhaft veränderten Bereiche des linken Vorhofs, die für die Herzrhythmusstörung verantwortlich sind, gezielt und präzise verödet werden“, so die Sprecherin.
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Ziel des Eingriffs ist es laut ihrer Aussage, die Auslöser der Rhythmusstörung dauerhaft auszuschalten und den Herzrhythmus zu stabilisieren. Zusätzlich könne während der Operation das sogenannte linke Herzohr verschlossen werden. In diesem Bereich bildeten sich bei Vorhofflimmern häufig Blutgerinnsel, die einen Schlaganfall verursachen könnten. Durch den Verschluss des linken Herzohrs lasse sich dieses Risiko deutlich senken.
Fachbereiche arbeiten eng zusammen
Mit dem Verfahren könne man Patienten eine weitere schonende Behandlungsmöglichkeit anbieten, wenn andere Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten, sagt seinerseits Aschraf El-Essawi, kommissarischer Leiter der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der UMG.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der engen Zusammenarbeit der beteiligten Fachdisziplinen. Herzchirurgen und Kardiologen würden gemeinsam im sogenannten Herzrhythmus-Team entscheiden, welche Behandlung für die jeweiligen Patienten am sinnvollsten sei.
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„Gerade bei komplexen Krankheitsverläufen ist es wichtig, unterschiedliche medizinische Perspektiven zusammenzuführen. So können wir die Therapie für jeden Patienten individuell anpassen und personalisieren“, ergänzt die Direktorin der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Constanze Schmidt.
„Für viele Betroffene, die bereits mehrere Eingriffe hinter sich haben, eröffnet sich damit eine neue Chance auf eine stabile Herzrhythmus-Kontrolle“, meint zudem Oberarzt Fawad Jebran.
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Die neue Methode wurde Mitte vergangenen Jahres an der Universitätsmedizin Göttingen eingeführt, sorgfältig vorbereitet und fachübergreifend abgestimmt. Der weitere Ausbau des Angebots sowie eine begleitende wissenschaftliche Auswertung der Behandlungsergebnisse sind geplant.
red/sma











