Eine der größten Herausforderungen in der modernen Medizin ist es, jedem Krebspatienten eine effektive und individuelle Therapie zukommen zu lassen, insbesondere bei komplexen Fällen wie Darmkrebs. „Der Behandlungsansatz und die langfristige Prognose hängen dabei stark vom Stadium des Krebses ab, insbesondere davon, ob er sich bereits auf umliegende Lymphknoten ausgebreitet hat“, sagt die Sprecherin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Lena Bösch.

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Diese Lymphknoten würden als eine Art Grenzkontrolle des Immunsystems fungieren, indem sie die Lymphflüssigkeit aus dem Darm filtern. Wenn Krebszellen streuten, träten sie häufig zuerst in diesen Knoten auf. Das Vorhandensein oder Fehlen der Metastasen habe direkten Einfluss auf die Behandlungsentscheidungen: Patienten ohne Lymphknotenbefall hätten häufig eine günstigere Prognose und benötigten gegebenenfalls auch keine Chemotherapie, erläutert Lena Bösch.

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Für eine genaue Beurteilung des Lymphknotenbefalls wird Krebspatienten während einer Operation Fettgewebe mit den darin enthaltenen Lymphknoten entnommen und anschließend in der Pathologie untersucht. „Bisher erforderte die Aufbereitung dieses Gewebes ein hochkomplexes und arbeitsintensives manuelles Verfahren. Frühere Forschungen zeigen, dass die Fettzellen durch kontrollierten Druck aufbrechen können, während die Lymphknoten intakt bleiben und vollständig mikroskopisch untersucht werden können“, so die Sprecherin.

Bislang hätten viele Pathologielabore auf selbstgebaute provisorische Geräte zurückgegriffen, um die Untersuchung durchzuführen. Diese Lösung habe sich jedoch als unzureichend erwiesen, um Lymphknoten zuverlässig und effizient vom umgebenden Fettgewebe zu trennen.

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Patent wurde in den USA angemeldet

Um diese Lücke zu schließen, hat Pedro Gebhardt Apalategui, Medizinstudent an der UMG, nun ein elektromechanisches Verfahren entwickelt, das einen konstanten Druck auf das Gewebe ausübt, um so intakte Lymphknoten aus dem Fettgewebe herauszulösen.

„Die Idee dafür kam mir bereits während meines Praktikums im Institut für Pathologie der UMG. Mit dem neuen Gerät werden die Fettzellen effektiv zerstört und das Probenvolumen optimal reduziert. Der Vorteil: Neben den Lymphknoten bleiben auch vermehrt kleinere Blut- und Lymphgefäße, Nerven und Immunzellen erhalten, aber auch Gewebe, in das sich bereits Krebszellen ausgebreitet haben sowie vernarbtes Gewebe, das bei chronischen Entzündungen entsteht“, sagt Apalategui.

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Die Abtrennung des Fettgewebes sowie ein guter Erhalt von Gefäßen und Gewebe sei wichtig für eine umfassende pathologische Untersuchung und eine daraus resultierende Therapieentscheidung für die Patienten.

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Philipp Ströbel, Professor und Direktor des Instituts für Pathologie, war an der Entwicklung des Geräts beteiligt. Der schonende Aufschluss ermögliche es uns, auch kleinere Lymphknoten sicher aus dem Fettgewebe zu isolieren, was vorher nur bedingt möglich war, sagt er. Das Gerät werde maßgeblich dazu beitragen, die Diagnostik für viele Krebspatienten weiter zu verbessern.

Es wurde Ende 2025 in den USA zum Patent angemeldet und wird aktuell im Institut für Pathologie getestet. Perspektivisch soll es neben Darmkrebs, auch für die Diagnose von Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs einsetzbar sein, berichtet die UMG-Sprecherin.

red/sma