Den Verkauf des Zumnorde-Gebäudeensembles zwischen Anger, Grafen- und Weitergasse bestätigt jetzt die „Investmentboutique Lübke Kelber“. Zu welcher Summe der Besitzer gewechselt hat, bleibt indes ein gehütetes Geheimnis: Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilt das Unternehmen mit, das sein Headquarter in Frankfurt am Main und den Verkauf vermittelt hat. Es handele sich dabei um „ein bedeutendes Gebäudeensemble in Toplage im Erfurter Zentrum“. Das Ensemble umfasse eine Nutzfläche von etwa 8.000 Quadratmetern, die sich in Hotel-, Gastronomie-, Einzelhandels- und Wohneinheiten unterteile. Der Käufer, die Porth Gruppe, hatte mit der Tante Alma Hangout GmbH bereits einen Pächter für das Hotel gefunden, der den laufenden Betrieb übernimmt und als Hotel Alma am Anger weiterführen wird.

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Hinter Tante Alma Hotels steht die Holding-Gruppe von Stephan Gerhard, einer der Gründer der 25hours Hotels. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. „Es ist uns mit unserem hervorragenden Netzwerk und unserer Expertise gelungen, einen passenden Käufer mit entsprechendem Know-how für diese Immobilien zu finden“, sagt André Heinrich von der Lübke Kelber AG. „Objekte am Erfurter Anger sind nahezu kaum auf dem Markt, daher hat der Käufer eine Rarität mit Entwicklungspotenzial erwerben können“, ergänzt Heinrich.
Neue Regie für Hotel und Gastronomie
Äußerlich weist auf den Betreiberwechsel noch nichts hin: „Hotel Zumnorde“ und „Restaurant Zumnorde“ steht weiterhin an der Fassade und dem kunstvollen Ausleger. Alle bisher zu Zumnorde gehörigen Gebäude, Gästewohnungen und Läden im Karree gehören nicht mehr dem Familienunternehmen, das aus dem westfälischen Münster nach Erfurt kam, ursprünglich nur, um hier Schuhe zu verkaufen. Weil die Geschäftsleute ohnehin Übernachtungsmöglichkeiten brauchten, erwuchs daraus das eigene Hotel. Nun ist dieser Traum von Franz-Josef Zumnorde, der sich Erfurt besonders verbunden zeigte, die Stadt häufig besuchte und stetiger Gast der Domstufenfestspiele war, ausgeträumt: „Nach 30 wunderbaren Jahren in Erfurt möchten wir uns herzlich für Ihre Treue und Unterstützung bedanken. Es war uns eine Freude, Sie in unserem Hotel Zumnorde begrüßen zu dürfen. Auch wenn sich unsere Wege trennen, bleiben wir der Stadt Erfurt verbunden. Besuchen Sie uns gerne weiterhin in unserem Schuhhaus Zumnorde am Anger 21“, heißt es auf der Zumnorde-Webseite.
Tante Alma will weiterhin gute Gastgeberin sein
Neuer Eigentümer der ehemaligen Zumnorde-Immobilien ist die Porth-Gruppe aus Lüneburg/Berlin. Für 54 Hotelzimmer, vier Ferienwohnungen sowie Restaurant mit Biergarten sowie Tagungs- und Bankettbereich hat die „Tante Alma Hangout GmbH“ einen Mietvertrag für 20 Jahre – mit der Option einer Verlängerung – abgeschlossen, wie das Unternehmen selbst mitteilt. Die Porth-Gruppe ist seit Monatsbeginn auch neuer Vermieter der Ladenlokale am Anger, die vom Modehaus Papenbreer und der Buchhandlung Peterknecht genutzt werden. Damit hat das Familienunternehmen Zumnorde offenbar sämtliche Immobilien aus dem langjährigen Eigentum in Erfurt abgestoßen. Der Zumnorde-Schuhladen, einst dort beheimatet, wo jetzt Bücher verkauft werden, zog schräg gegenüber an den Anger. Er befindet sich seither in keinem eigenen, sondern einem angemieteten Objekt. Im Mai 2022 war er an neuem Ort eröffnet worden.

Kein Rückzug aus Erfurt: Schuhaus bleibt
Die Neueröffnung sollte damals all jene Lügen strafen, die das Schuhhaus auf dem Rückzug sahen als Folge von Pandemie und weiter wachsender Online-Konkurrenz. „Wir bekennen uns klar zum Standort Erfurt“, stellte Thomas Zumnorde zur Neueröffnung klar. Seit sein Vater und sein Onkel sich 1991 in Erfurt für die Stadt begeisterten und ein Schuhgeschäft eröffneten, das größer war als das Stammhaus in Münster, habe sich viel getan – eben auch in der Handelsstruktur, hieß es aber schon im Mai 2022. Eine Handelsfläche müsse man auch bespielen können, sagt er. Trotz aller Emotionalität, die sich mit dem bisherigen Geschäft am Anger 51 verbunden habe, sei die Ratio entscheidend und der Weg in ein kleineres Ladenlokal am Anger 21 der richtige gewesen. 450 Quadratmeter Verkaufsfläche sind es hier, etwa ein Drittel der vorherigen.
23 Schuhhäuser und einen Onlineshop hat Zumnorde aktuell laut eigener Internetseite – und eine mehr als 133-jährige Tradition. Die Branche scheint indes weiter im Wandel. Nicht allein in Erfurt. Zwei seiner vier Filialen im westfälischen Bielefeld hat das Schuhaus Zumnorde im ersten Quartal 2024 geschlossen. Auch hier war in den örtlichen Medien von einer Konzentration des Schuhgeschäfts die Rede.
Auf individuelle Hotellerie spezialisiert
Aus der Zumnorde-Geschäftsführung war seit Montag für diese Zeitung niemand telefonisch erreichbar, um persönlich eine Stellungnahme zu den Veränderungen in Erfurt abzugeben. Auch die mit Öffentlichkeitsarbeit betraute Agentur konnte kein Licht ins Dunkel bringen und Beweggründe fürs Abstoßen der Immobilien benennen. Immerhin: Die Verkaufsentscheidung sei kurzfristig gefallen, wie deren Chef Christian Seidel sagt. Und: Für das Schuhgeschäft existiere ein langfristiger Vertrag, eine Abkehr von Erfurt stünde keinesfalls zur Debatte.
Der neue Betreiber führt unter der Marke Tante Alma bereits vier Hotels in Deutschland, in Köln, Bonn, Mannheim und Mülheim an der Ruhr, und hat sich auf die individuelle Hotellerie spezialisiert. Geschäftsführer Marc Schlieper teilt mit: „Gemäß unserer Strategie bevorzugen wir Traditionshäuser in Innenstadtlage und haben uns schon länger in Thüringen umgesehen. Jetzt sind wir froh, in der Landeshauptstadt Erfurt ein so schönes und einzigartiges Haus mit all seinen zum Teil langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefunden zu haben.“ Geführt werde der Betrieb weiterhin von Nancy Holz als Mitglied der Direktion, alle weiteren Team-Mitglieder seien von „Tante Alma Hangout“ ebenfalls übernommen, teilt das Unternehmen mit.
„Im Gegensatz zu unseren Tante-Alma-Hotels wird das Schwesterhotel Alma am Anger konzeptionell nicht so sehr an das Leben der fiktiven Tante Alma erinnern“, so Schlieper. „Wir glauben sehr an den Standort Erfurt und wissen um die Beliebtheit der Landeshauptstadt im internationalen Touristen-Ranking.“ Immerhin heißt der Chatbot, der Besucher der Webseite hilfreich empfängt, „Alma“ – kommt aber schon optisch wenig tantenhaft, sondern als eine Art Roboter daher.
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