• Große Summen an Falschgeld verderben das Geschäft
  • Umstellung auf reine Kartenzahlung als „Zahlungsmittel der Zukunft“
  • Resonanz der Gäste zum Auftakt durchweg positiv

„Der Start war rundum erfolgreich“, zieht Ben Gutt als Betreiber der Engelsburg eine erste Bilanz. Seit Samstag, 1. März, spielt in dem Club Bargeld keine Rolle mehr, gezahlt werden kann dort nur noch „cashless“ – mit Karte, Smartphone oder -watch. Eine Maßnahme, die von der E-Burg mit großem Anlauf schon Wochen vorher angekündigt worden war. „So konnten sich unsere Gäste gut darauf einstellen und es hat keinerlei Proteste gegeben“, fasst Gutt den Start am Samstag als gelungen zusammen.

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Dass die Maßnahme in der breiten Öffentlichkeit auf geteilte Meinungen treffen würde, war dem E-Burg-Betreiber von vornherein klar. Mancher Kommentar in den sozialen Medien aber, der gleich eine große Verschwörung gewittert habe, sorgte dann vor allem für Belustigung. Zumal die Vorteile des bargeldlosen Zahlens für Gutt auf alle Fälle überwiegen – sowohl für den Clubbeteiber, als auch für die Gäste. Er wolle deshalb auf jeden Fall an „bargeldlos“ festhalten.

Mit der Maßnahme gehe die Engelsburg, die dieses Jahr ihr 900-jähriges Bestehen feiern kann, mit der Zeit, wie Andreas Busch vom E-Burg-Team angekündigt hatte. Sie greift aber auch zu einer Vorsichtsmaßnahme zur eigenen Sicherheit: Zuletzt fand sich immer wieder Falschgeld in den Kassen wieder.

Opfer von Falschgeldbanden geworden

Von 650 Euro spricht Betreiber Ben Gutt, die sich seit Jahreswechsel unter den Einnahmen als Falschgeld herausgestellt hätten. Geld, das nur als Verlust verbucht werden könne. „In den letzten Monaten sind wir und andere Kulturbetriebe der Stadt zum Opfer von Falschgeldbanden geworden“, teilt der Club in sozialen Medien zu den weiteren Beweggründen mit. Die Geldfälschungen wären teilweise so gut gewesen, dass sie durch übliche Prüfmethoden nicht feststellbar gewesen wären.

Der entstandene Schaden werde von keiner Versicherung gedeckt. „Cashless“ soll nun die Sicherheit erhöhen – sowohl für die Gäste, die ohne Bargeld auch keines verlieren könnten, als auch für die Clubbetreiber, die nicht auf Falschgeld sitzen bleiben oder sich um die Sicherheit der Scheine im Tresor sorgen müssen. Auch die Zeit für eine Auszählung der Kassen entfalle auf diese Weise.

Aufwand und Wartezeiten werden geringer

Für Andreas Busch ist „cashless die Zukunft“ – und das noch aus anderen Gründen: „Wechselgeld lässt sich nur zeitaufwendig bei der Sparkasse organisieren und jede Geldrolle kostet“, sagt Busch. Damit soll nun Schluss sein in der Engelsburg. Hier ist man sich sicher, dass andere Clubs der Stadt in dieser Frage nachziehen werden. Im Vergleich zum Ausland, wo sich selbst Straßenmusiker bargeldlos honorieren ließen, hinke Deutschland bei „cashless“ zwar ein gutes Stück hinterher, doch auch in Erfurt würden immer mehr Clubgäste schon von sich aus mit Karte, Handy oder Watch bezahlen. Ein weiterer Vorteil: Wartezeiten, in denen nach Wechselgeld gesucht oder die Echtheit eines Scheins geprüft werden müsse, würden an der Theke entfallen.

In der Hektik des Geschäfts dort seien die Falschgeld-Scheine schlicht nicht aufgefallen. Selbst der Markierungstift als üblicher Test, um Falschgeld zu identifizieren, habe bei den fraglichen Scheinen nichts angezeigt. Erst bei der Einzahlung am Bankautomaten seien die falschen Scheine als solche bemängelt worden.

Nur beim Pfand bleibt es bei Münzen

Es gibt nur eine einzige Ausnahme vom Cashless-Prinzip: Pfand erhalten die Gäste weiterhin in Form von Zwei-Euro-Münzen zurückerstattet. Dazu gebe es aktuell kein praktikables Alternativ-Verfahren, heißt es aus der Engelsburg dazu. Zumal es für die Münzen nur eine „Einbahnstraße“ von der Kasse an die Kundschaft gibt und die Gefahr von Fälschungen beim Kleingeld generell wohl gegen null gehe.

Zuletzt war im Erfurter Hauptbahnhof ein verdächtiger Geldschein aufgetaucht. Mit ihm sollte im Kundenzentrum bezahlt werden. „Die geschulten Kräfte der Bundespolizei nahmen die verdächtige Banknote in Augenschein und führten mit einfachen Hilfsmitteln eine Erstprüfung durch. Der Anfangsverdacht bestätigte sich. Eine spätere Überprüfung mit technischen Hilfsmitteln hat ergeben, dass es sich bei dem falschen Fuffi um eine Totalfälschung handelt“, teilt die Bundespolizei mit. Sicherheitselemente waren zum Teil gar nicht vorhanden oder sehr schlecht imitiert auf dem wenig wertigen Dokumentpapier. Die Blüte wurde sichergestellt, ein Ermittlungsverfahren gegen eine unbekannte Person gestartet.

Bundespolizei will mit Dreisatz Fühlen-Sehen-Kippen helfen

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Die Bundespolizei möchte mit einem einfachen Dreisatz helfen, dass Geldscheine durch jedermann auch ohne großes Fachwissen geprüft werden können: Fühlen-Sehen-Kippen.
Fühlen: Beachten Sie die Griffigkeit des Papiers. Mit Daumen und Zeigefinger können Sie Druckelemente erfühlen, wie zum Beispiel Schriftzüge und Schraffuren am Rand des Geldscheins.
Sehen: Den Geldschein gegen eine Lichtquelle halten und auf ein Wasserzeichen achten. Auch jeweilige Wertbeträge des Geldscheines werden sichtbar.
Kippen: Den Geldschein kippen und bewegen. Wechselnde Farben in den Hologrammelementen und ein sichtbarer Glanzstreifen im Papier sind hilfreiche Prüfelemente.

Die Bundespolizei schließt ihre Meldung mit einer Bitte: „Bringen Sie falsches Geld nicht wieder in den Umlauf. Zeigen Sie ihre Verdachtsmomente bei der Polizei an.“