Ein pinker Pfeil auf Beton. Das ist Barrierefreiheit. Im „Maker-Space“ in der Erfurter Schlachthofstraße konnten Jugendliche auch bisher schon zu regelmäßigen Veranstaltungen basteln, hacken und gamen - jetzt soll das ganze ohne Hürden funktionieren. Los geht es also schon bei der Adresse, denn die Eingangstür im Hinterhof liegt ganz schön versteckt. Mit farbigen Markierungen haben die Mitarbeiter des Spawnpoint-Instituts dafür gesorgt, dass man den Weg besser sehen kann.

Werkbank mit kreativem Kniff

„Jeder der hierher kommt, benutzt den gleichen Eingang“, sagt Johannes Rück, ein Institutsmitarbeiter. „Wir haben über Aktion Mensch eine Projektförderung bekommen, um den Raum barrierefrei zu machen.“ Nicht nur das, auch ein großer neuer Fahrstuhl stellt sicher, dass Jugendliche mit ihrem Rollstuhl problemlos das Maker-Space betreten können. Mit einem Knopf kann ihn jeder selbst rufen. So viel wie möglich sollen die Besucher hier selbst in die Hand nehmen können, ohne auf Hilfe von außen angewiesen zu sein.

Drinnen herrscht ein buntes Treiben: Über zwei Bildschirme flimmern Videospiele, die Nadel eines 3D-Druckers summt und in einer Ecke bastelt ein Jugendlicher an einem Roboter. „Die Werkbänke hat ein Metallbauer für uns entworfen“, sagt Rück. Sie seien höhenverstellbar, sodass ein Rollstuhl problemlos drunter passe, oder auch im Stehen getüftelt werden könne. Der Kniff: Über einen Knopf wird eine Bohrmaschine gestartet, deren Drehmoment dann in eine Hoch- und Runterbewegung übersetzt wird.

Kreativwerkstatt bestand ersten Praxistest schon im März

Maker-Space in Schlachthofstraße jetzt barrierefrei 2024
Auch kleine Roboter können hier gebaut werden. Der 15-jährige Florian bastelt gemeinsam mit Institutsmitarbeiter Gerrit Neundorf. © Funkemedien Thüringen | Ada Jabin

„Das hat uns unter hundert Euro gekostet, statt mehreren Tausend“, erklärt der Institutsmitarbeiter. Immerhin sind Fördergelder begrenzt und im Maker-Space denkt man schnell mal außerhalb der Box. Sogar der Spültisch mit Waschbecken und Kaffeemaschine ist hier höhenverstellbar. Eine bunte Rampe zur Toilette hat das Team mittels 3D-Drucker angefertigt. Dabei ging es immer darum, wie die einzelnen Lösungen im praktischen Test bestehen.

Deshalb hatte die Kreativwerkstatt bereits im März dieses Jahres Besuch von Jugendlichen, die die neue Einrichtung testen sollten. Eine Anmerkung hatten sie dabei: Druckaufträge waren bisher nur per USB-Stick am Laptop möglich. Jetzt geht alles per Tipp auf einem Tablet. Johannes Rück erklärt, dass die Kinder und Jugendlichen sich sogar selbst Lösungen ausdenken und diese sofort per 3D-Drucker umsetzen können. „Das ist natürlich ziemlich cool.“

Eltern würden anpassbaren Spiele-Controller mit nach Hause nehmen

Auch das Spielen von Videospielen ist hier intuitiv: Neben Standard-Controllern gibt es hier auch Varianten, die sich die Kids individuell anpassen können. Die Knöpfe der Konsole sind größer und lassen sich beispielsweise an der Kopfstütze eines Rollstuhls oder auf dessen Pedal anbringen. So sind nicht immer zwei Hände nötig, um einen Rennwagen zu steuern oder sich mit seinem Opponenten in einen virtuellen Zweikampf zu begeben. Auch ein Elternpaar ist mit dabei, ihr Sohn Florian sitzt im Rollstuhl.

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Sie sind begeistert. Ihr Sohn sei sowieso sehr technikbegeistert. Zuhause verbringe er seine freie Zeit gerne vor dem Computer. „Man weiß ja schließlich nicht so genau, was er später mal beruflich machen kann“, so seine Mutter. Hier könne er alles ausprobieren, was er sonst nicht ohne Weiteres kann. „Für ihn mit dem Rolli ist das hier ideal“, ergänzt sie. Den praktischen Controller würde sie am liebsten mit nach Hause nehmen. Auch die anderen Jugendlichen haben Spaß. „Zeig was du kannst!“ ruft der 15-jährige Danilo dem 14-jährigen Julian zu, während ihre Avatare sich aufeinander werfen.

Maker-Space in Schlachthofstraße jetzt barrierefrei 2024
Noch zehn Minuten dauert es, bis Jakobs (14) selbst gedruckter Smartphone-Halter fertig ist.  © Funkemedien Thüringen | Ada Jabin

Finanzierung nur noch bis Ende 2024 gesichert

Allerdings gibt es auch einen Wermutstropfen. „Wir als Institut Spawnpoint sind noch bis zum Ende des Jahres gefördert“, erklärt Rück. „Es ist gerade unsicher, wie es dann weitergeht.“ Bis dahin soll zumindest vorerst alles ganz normal weiter laufen, sagt er. Das heißt, zweimal im Monat finden in der Schlachthofstraße kostenlose Veranstaltungen statt, die von Ehrenamtlern begleitet werden. Ihre Ideen, mit denen sie den Raum barrierefreier gemacht haben, stellt das Team kostenlos bereit, damit andere sie „nachdrucken“ können. „Das sollte für alle zur Verfügung stehen.“

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