Exakt 11 Uhr begannen sämtliche Handys zu piepsen. Egal, ob im Wartezimmer, in der Schule, im Geschäft oder im Großraumbüro – das durchdringende laute Piepsen übertönte kurzzeitig alles. „Notfallwarnung. Probealarm“ steht in großen Buchstaben auf dem Display. Egal, ob das Handy vorab lautlos gestellt war, auch unabhängig davon, ob man eine Warn-App installiert hat oder nicht: Die Warnung erschien auf nahezu jedem Smartphone, das nicht im Flugmodus war. Dieses sogenannte „Cell Broadcasting“ setzt voraus, dass die Geräte ein aktuelles Softwareupdate haben und unter den Geräteeinstellungen der Erhalt von Warnmeldungen aktiviert war. 

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Auch auf den digitalen Stadtinformationsanlagen wurde die Warnung angezeigt, ebenso auf den Anzeigetafeln der Erfurter Verkehrsbetriebe, als Textinformationen in Radio und Fernsehen sowie Durchsagen und Warnmeldungen an Bahnhöfen. Diese wurden über das zentrale modulare Warnsystem „Mowas“ angesteuert. Laut wurde es zudem in einigen Ortsteilen. Niedernissa zum Beispiel ist geteilt. Dort ist die Sirene nur in dem von Hochwasser gefährdetem Teil zu hören.

Warntag
Die Nina-Warn-App zeigte den Alarm ebenso an.© Funke Medien Thüringen | Anja Derowski

Erfurt verfügt derzeit über 21 Sirenen. 2024 sollen noch neun weitere Sirenen in Erfurt dazu kommen. Und zwar in Büßleben, Molsdorf, Möbisburg, Bischleben, Hochheim, auf der Feuerwache 2 im Erfurter Süden, bei Nippon Gases an der Lache, in der Warsbergstraße und auf der Multifunktionsarena.

Innenstadt noch nicht ausgestattet

In der Innenstadt selbst war keine Sirene zu hören, hier besteht noch Bedarf, das war vorab bekannt. „Von den 21 Sirenen haben wir sieben ausgelöst. Nur diese können den Warnton ‚Warnung der Bevölkerung‘ abgeben“, erklärt Feuerwehrsprecher Lars Angler auf Nachfrage unserer Zeitung. Wie sich dieser Warnton anhört, kann hier getestet werden.

Angesteuert werden die Sirenen von der Leitstelle aus. Einen großen roten Knopf gibt es längst nicht mehr, alles erfolgt per Mausklick im Einsatzleitsystem. „Das hat bestens funktioniert“, so Lars Angler. Auch die Entwarnung über die Sirenen um 11.45 Uhr, ein einmütiger Dauerton, kam in den Ortsteilen an.

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Die Sirenen, die den Probewarnton noch nicht ausstrahlen können, werden nach und nach umgerüstet. Zudem werden weitere neue gebaut. „Wenn wir dann eine Sirene in der Warsbergstraße haben, kann die Innenstadt fast gänzlich beschallt werden“, erklärt Lars Angler.

Warntag 2024 in Erfurt
Hier der Wortlaut des Notfall-Alarms.© Funke Medien Thüringen | Markus Stelle

Wie viel Prozent der Bevölkerung per Handy erreicht wurden, kann nur das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bekanntgeben. Hier wird in den kommenden Tagen mit einer Auswertung gerechnet. Das Thüringer Innenministerium zeigte sich zufrieden. Insgesamt heulten ab 11 Uhr in Thüringen rund 1200 Sirenen auf. „Insgesamt kann man konstatieren, dass der Warnmittelmix sehr gut funktioniert hat und die Bevölkerung bereits gut über den Warntag informiert war“, sagt Innenminister Georg Maier. „Der Warntag hat sich als wichtiges Instrument der Sensibilisierung der Bevölkerung vor Katastrophengefahren bewährt und erfährt große Aufmerksamkeit. Damit ist bereits ein wichtiger Schritt zur Steigerung der Resilienz der Bevölkerung vor Gefahren erreicht. Wir sollten uns darauf nicht ausruhen, sondern die erforderliche Infrastruktur weiter ausbauen, unsere Warnsysteme konsequent weiterentwickeln und verbessern“, so der Thüringer Innenminister.

Gegen 11.45 Uhr erfolgte eine Entwarnung über die Warnmittel und Endgeräte, über die zuvor die Warnung versendet wurde.  Auch die Warn-App Nina schickte eine Entwarnung auf die Handys.

Besonderheit: Über Cell Broadcast, so hieß es vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katstrophenhilfe, wird derzeit noch keine Entwarnung versendet. Die Möglichkeit, auch über diesen Warnkanal zu entwarnen, werde derzeit unter anderem von den Mobilfunknetzbetreibern geprüft.

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