Es ist Samstag. Fetzige Musik spielt, der Raum in der Erfurter Schlachthofstraße ist kaum wiederzuerkennen. Anstelle einer Gaming-Station reihen sich nun Tische aneinander, Helfer tragen Kisten mit allerlei Bauteilen hinein. Einmal im Monat verwandelt sich die Adresse des Spawnpoint-Instituts in eine Tüftler-Werkstatt der anderen Sorte: das Repair-Café. Schon jetzt, 20 Minuten bevor es losgeht, reiht sich eine Schlange durch das Treppenhaus, genauso wie die kaputten oder zumindest muckenden Geräte, die in den Händen ihrer Besitzer auf eine Diagnose warten.
Viele Reparaturen mit Zange und Schraubenzieher
Aufgeteilt ist der Raum fast wie eine Arztpraxis, bald beginnt die Sprechstunde. Auf der rechten Seite ein Warteraum mit Sitzmöbeln, auf der linken Seite die Reparaturstrecke. Die zehn Helfer sind alle ehrenamtlich dabei, sie jagen die Herausforderung mit jedem kaputten Gerät, was sie unter die Finger bekommen. „Viele hier haben einen technischen Hintergrund, das ist aber nicht notwendig“, sagt Roman Hebenstreit, der selbst Maschinenbauingenieur ist. Eine der Ehrenamtlichen nähe beispielsweise kaputte Kleidung, auch dafür hat das Repair-Café also eine Lösung parat.
Das Prinzip: Das Café stellt Werkzeug und kleinere Ersatzteile, wie beispielsweise Sicherungen. Das funktioniert spendenbasiert, getragen wird das Café durch den Verein Wel(t)raum. Größere Teile bringen die Besucher selbst mit. Beraten werden sie dann von je einem der Hobby-Tüftler. Gemeinsam sucht man nach dem Ursprung des Defekts und versucht, diesen zu beheben.
An einer weißen Tafel sind die zu reparierenden Gegenstände aufgelistet, dahinter fröhliche Smileys bei Erfolg und traurige bei einem Misserfolg. Ein Großteil der Reparaturen ist mit einer Zange und einem Schraubenzieher schon erledigt, so Hebenstreit. Bei den häufigsten Patienten handele es sich tatsächlich um Kaffeevollautomaten. Das hat unterschiedliche Gründe.
Hochwertige Geräte werden häufiger repariert
Bei Filterkaffeemaschinen oder Kapsel-Automaten sei der Nachhaltigkeitsgedanke weniger vorhanden, denn zumeist kosten sie eher wenig und gehen schneller kaputt, als ein hochwertigeres Gerät. Habe ein Kaffeeautomat rund 300 bis 400 Euro aufwärts gekostet, bringen ihn Menschen eher zur Reparatur. Das sagt zumindest der Erfahrungswert des Ingenieurs. „Am meisten Zeit kostet es, das Gehäuse der Maschinen zu öffnen, das dauert manchmal bis zu einer Stunde“, sagt er. Immerhin hat das Café nur drei Stunden geöffnet, von 15 bis 18 Uhr.

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Spaß macht es den anwesenden Tüftlern allemal. Ihre einzige Sorge ist, dass manche Besucher zu lange warten müssen. Man deckt hier mit dem Angebot vor allem den nördlichen Teil der Stadt ab. Allerdings passiere es immer wieder, dass auch mal jemand eine längere Strecke komme, zum Beispiel aus Arnstadt. Ein zweites Repair-Café hat während der Corona-Zeit in der Singerstraße am Herrenberg aufgemacht. Direkt zusammen gehören die beiden Cafés nicht, unterstützt haben die Tüftler die Gründung natürlich trotzdem – die Bastler sind kollegial.
Volle Kostenübernahme für Ersatzteile dank Reparaturbonus
Besucher kommen aus verschiedensten Gründen einmal pro Monat in die Schlachthofstraße: Weil sie nachhaltig sein möchten, aber auch, weil sie beim Kundendienst keinen Erfolg hatten oder der Hersteller für eine Reparatur nahezu den Neupreis verlangt. Nicht jeder kann sich das leisten, möchte aber trotzdem lieber reparieren, als entsorgen.
Seit Mitte Mai 2024 gibt es in Thüringen einen Reparaturbonus, bei dem das Land unter bestimmten Bedingungen die vollen Kosten für die Reparatur im Repair-Café übernimmt. Befinden sich die Reparaturkosten für ein Ersatzteil zwischen 25 und 100 Euro, kann man sich den vollen Betrag erstatten lassen.
Dazu braucht es lediglich einen Laufzettel des Cafés, den die Besucher anschließend der Verbraucherzentrale Thüringen in einem Antrag online oder postalisch vorlegen. Beispielsweise sei einmal ein junger Mann da gewesen, der den Akku seines Handys austauschen wollte. Ausgestattet mit einer Unterschrift verließ er das Repair-Café und holte sich den Betrag zurück.
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Besonders ungewöhnliches Teil: Eine Zapfanlage

Wenn sie zurückblickt, dann ist Christiane Porfert, Mitgründerin und Schulbegleiterin von Beruf, besonders stolz darauf, wie viele Menschen das Repair-Café nutzen. Über das Tüftler-Team sagt sie: „Das ist eine richtig tolle Gruppe, die hier dabei ist.“ Dankbar sei man vor allem auch dem Spawnpoint-Institut, das die Räumlichkeiten zur Verfügung stelle. Zu den heutigen Geräten, die auf eine Diagnose warten, gehören unter anderem ein Staubsauger, den der Besitzer kurz nach der Wende gekauft hat, eine in die Jahre gekommene Soundanlage und eine Deckenleuchte.
Aber auch ein ungewöhnliches Gerät: Es handelt sich um eine Zapfanlage. „Die hat sechs Liter Fassungsvermögen, unsere Gäste können sich damit ihr eigenes Bier zapfen“, erklärt Thomas Mäder. Seine Frau Cornelia Mäder ergänzt: „Wir haben die über Ebay gekauft.“ Deshalb könne man auch nicht den Hersteller kontaktieren, jetzt sei vermutlich der Kompressor kaputt. Die beiden sind das erste Mal dabei. An einem anderen Tisch öffnet Roman Hebenstreit gerade, wenig überraschend, das Gehäuse einer Kaffeemaschine.
Repair-Café feiert fast unbemerkt Zehnjähriges

Damit sei er schon mehrmals in Werkstätten gewesen, Kostenpunkt für die Reparatur: an die 1000 Euro. Gabor Gartai ist ebenfalls das erste Mal im Repair-Café. Seine Maschine ist ungefähr 16 Jahre alt, sagt er. Damals habe sie rund 700 Euro gekostet. Jetzt ist er positiv gestimmt, dass ihm hier geholfen werden kann. Normalerweise begrenze man die Anzahl der Reparaturen auf 25 Geräte, so Antje Iwan, die ebenfalls Gründerin und studierte Sozialmanagerin ist. „Das ist eine Zahl, die man gut reparieren kann.“ In der Regel werde es aber trotzdem mehr.
„Das trifft schon den Nerv der Zeit, dass Menschen ihren Geräten eine zweite Chance geben.“ Der soziale Aspekt sei ihr am wichtigsten, es geht vor allem um die Gespräche, die entstehen. Und vielleicht auch ein bisschen darum, weniger einsam zu sein. Deshalb freuen sich die Tüftler jedes Mal über die gelungenen Treffen. „Es braucht nicht viel, ein Dankeschön reicht vollkommen aus“, so Iwan. Am heutigen Samstag (14. September) feiert das Repair-Café sein Zehnjähriges.





