Gebäck, das es nur einmal im Jahr gibt
Sein oder Nichtsein, Lakritz oder kein Lakritz, Hunde- oder Katzentyp. Marzipan oder Marmelade? Ja, diese Entscheidung reiht sich ein in die großen Fragen des Lebens. Welche Füllung das Martinshörnchen haben soll, darüber gibt es ganz klare Aussagen. Beider Lager.

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Als es hieß, wir schreiben etwas über 5 Dinge, die Erfurter an Martini lieben und hassen, stand für mich sofort fest, welcher Part meiner sein wird. Als Puffbohne vergöttere ich Martini, also das Fest. Wobei wir mitten im Thema sind. In all diesen anderen Örtchen unseres schönen Landes ist Martini das Getränk von James Bond. Geschüttelt. Wir, wir Erfurter, verbinden mit Martini den 10. November. Im Vorfeld meines Textes fragte ich also Freunde und Bekannte. Häufigste Antwort: Martinshörnchen. Als es um das wesentliche Detail ging, was drin sein soll, schieden sich die Geister. Und wie jedes Jahr stellte sich mir die Anschlussfrage: Wieso heißt es Persipan und nicht Marzipan. Die Bäcker unter Ihnen wissen es und jene, die nun sofort googeln, auch. Irgendwas mit Aprikosen und Pfirsichen.
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Prio 1 am 10. November: Klären, wer die Hörnchen besorgt, bevor sie ausverkauft sind. Mit Strichliste für Marmelade oder Marzipan, ähm Persipan, juckelt dann einer los und besorgt sie für die ganze Familile. Im Idealfall erhält man die Teilchen in nach Füllung getrennten Tüten. Das ist ein bisschen abhängig von der Laune der Person hinter der Theke. Der Genuss dieses Gebäcks, das es nur einmal im Jahr gibt, ist himmlisch.
Freie Bahn für Glückshormone
Mit dem Licht ist es im November so eine Sache. Irgendwie gibt es immer zu wenig davon. Vitamin-D-Pille und Tageslichtlampe gleichen aus. Betrachten wir also Martini mal ganz praktisch. Gäbe es die Feier auf dem Domplatz nicht, wäre der Platz auch an diesem Abend dunkel wie an jedem anderen Abend, wenn nicht grad Weihnachtsmarkt ist. Oder Oktoberfest. Oder Frühlingsfest. Aber nein, am 10. November wird er dank Tausender Laternen in einen Glanz getaucht, der einmalig ist. Vitamin D für lau. Mittendrin zwischen den Menschen zu stehen bedeutet mittendrin zwischen Laternen und Kerzen zu sein. Eindeutig Glückshormon-fördernd. Besser als jede Tablette oder Speziallampe.
Im Dunkeln draußen sein
Gehen Sie mal an einem grauen Novembertag nach 18 Uhr durch die Stadt. Nix los. An Martini ist das anders. Und dann erst wieder zum Weihnachtsmarkt. Plötzlich ist sie voll, die Stadt. Man ist im Dunkeln draußen. Früher, also so vor 35 bis 40 Jahren, war genau das die Besonderheit: als Kind abends nochmal rausgehen dürfen, natürlich in Begleitung der Mama. Unterwegs zu sein, wie die Großen, das war das Highlight. Auch jetzt noch wird es den Kindern so gehen, egal, ob sie zum Domplatz laufen, in die Kirchen oder durch ihre Dörfer ziehen beim Lampionumzug.
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Gemütlichkeit, Gemeinschaft, friedliche Stimmung
Diese drei Aspekte fasse ich als einen Grund, warum Erfurter Martini lieben, zusammen. Drücken sie doch was Heimeliges aus, etwas, wonach wir Menschen uns sehnen. Egal, welcher Religion man angehört oder nicht, bei der ökumenischen Martinsfeier sind alle vereint. Als schwebe der Mantel Martins über dem Domplatz. Es ist eine einzigartige Stimmung, die es nur an diesem Tag gibt. Und die Tausende alljährlich anzieht. Sogar Ex-Erfurter reisen an, das wollen sie sich nicht entgehen lassen.
Tradition
In dieser schnelllebigen Zeit braucht es Rituale, Wiederkehrendes. Wenn kurz vor 18 Uhr die Gloriosa läutet, wenn alle Erfurter, danach alle von auswärts Kommenden und letztlich alle gemeinsam ihre Laternen schwenken, dann weiß man, es ist Martini. Martini in Erfurt, wie es nirgendwo sonst sein wird. Einmalig.
NUN HABEN SIE VIEL GUTES GELESEN. LESEN SIE HIER, WAS VIELE ERFURTER AN MARTINI SO RICHTIG NERVT.
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