Alt-Oberbürgermeister Manfred Ruge zur Gestaltung der Martinsfeier: Wie schrieb treffend Romi Tennstedt in einem Leserbrief: „Es kommen Scharen mit ihren Laternen zu den Domstufen gepilgert, bis der ganze Platz einem einzigen Lichtermeer gleicht. Wenn dann die Gloriosa über allen Köpfen hoch oben im Turm des Domes zu schwingen beginnt und sich ihr dunkler und ganz warmer Ton über der Altstadt ausbreitet, dann herrscht auf dem Platz eine Atmosphäre, wie sie feierlicher und erhabener nicht sein kann.“ Wo sind wir hingekommen?

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Es war so ein Getöse, dass man die Gloriosa kaum hören konnte und beim Gottesdienst sind die Leute Bratwurst kauend und Glühwein trinkend herumgelaufen. Am Riesenrad war ein großes Gedränge und die Kinder kreischten auf dem Trampolin oder fuhren mit der Kindereisenbahn. Ist dies die Pflege unserer Erfurter Tradition, die seit Jahrzehnten und auch in schwierigsten Zeiten, immer hochgehalten wurde? Mutwillig wird unsere Kultur dem Zeitgeist geopfert. Die Veranstalter sollten sich schämen und die kommenden billigen Entschuldigungen stecken lassen.

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Sitzen die Martins nächstes Jahr im Riesenrad?

Cordula Riediger aus Erfurt zum gleichen Thema: Seit über 60 Jahren gehe ich am 10. November auf den Domplatz. Als Kind, als Mutter mit drei Kindern und als Oma mit Enkeln habe ich die Martinsfeier in guter Erinnerung. Und dieses Jahr der Schock! Riesenrad, Glühwein-, Bratwurst- und Pommesbuden! Warum lässt man den Kommerz gute Traditionen kaputt machen? Nächstes Jahr werde ich nicht zur Martinsfeier gehen, weil ich vermute, dass beide Martins im Riesenrad sitzen und die Spaßgesellschaft applaudiert.

Die Laternen sollten im Mittelpunkt stehen

Auch Bettina Taube aus Erfurt hat eine klare Meinung zum Ablauf der Feier: Was ist die Hauptsache der Martini-Feier in Erfurt? Die Domstufen mit dem Kreuz, der Gottesdienst, das Erinnern an Sankt Martin und Martin Luther. Für die Kinder ist das Wichtigste die Laterne, das Licht in der Dunkelheit. Diese Dinge standen am 10. November 2024 nicht im Mittelpunkt, und das mit Absprache des Evangelischen Kirchenkreises und der Beauftragten? Das grelle Licht, die Ablenkung des Rummels, das sich drehende Riesenrad, das Trampolin, Verkaufsstände waren für die Besucher der Feier nicht auszublenden und für die Kinder eine große Ablenkung. Der Martinimarkt gehört nicht in den Gottesdienst und sollte räumlich getrennt werden. Dazu kam, dass das Technikzelt in breiter Schneise die Sicht aus Richtung Obelisk versperrte und man hinten und am Rand der Fläche wenig hörte. Alle unsere Freunde, die wie wir auf dem Domplatz trafen, waren enttäuscht und verärgert über diese Umstände. Ich hoffe, das Konzept wird überdacht.

Das Martinsfest wird auch blinkende Lichter ertragen

Jörg Jung aus Erfurt sieht die Neugestaltung gelassener: Ich war gespannt, wie sich erstmals Riesenrad und Martini vertragen und wie viel Modernisierung unsere Erfurter Martinitradition erträgt. Meine Laterne bastelte ich vor 55 Jahren in der Christenlehre der evangelischen Reglergemeinde. Sie wird hoffentlich noch viele Jahre mit mir durchhalten. Der Pokémon-Ballon auf dem Zeitungsfoto zeigt symbolisch, wie die säkulare neue Welt auch Martini erreicht. Dass Martin Luthers Lied „Eine feste Burg ist unser Gott“ im Mittelpunkt der Andacht stand und mit allen vier Strophen gesungen wurde, hat mich sehr gefreut. Sangen wir doch vor 1990 diese Hymne auf dem Domplatz mit besonderer Hingabe. Ein Hinweis auf 35 Jahre Maueröffnung und das unvergesslich bewegende Martini einen Tag danach fehlte leider in der Andacht. Martini 2024 hätte etwas Politik gut ertragen, so wie unser Martinsfest auf dem Domplatz auch blinkende Lichter, moderne Laternen, Handylicht, Riesenrad und Bratwurst ertragen wird!

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