Was hat das mit mir zu tun? Diese Frage stellten sich die Schüler der Gemeinschaftsschule 7 in Erfurt-Kerspleben in Hinblick auf den Holocaust. Ende Januar unternahmen Jugendliche aus den Klassenstufen neun und zehn eine Gedenkstättenfahrt nach Oświęcim. Ziel dieser Reise war es, nach nunmehr 80 Jahren der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz mehr über die Verbrechen des Nationalsozialismus zu erfahren und ein tiefergehendes Verständnis für die Geschichte und der damit einhergehenden Verantwortung für die Gegenwart zu entwickeln.

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Während des fünftägigen Aufenthaltes galt es, den Ort zu erkunden und neues Wissen über den Zweiten Weltkrieg zu erlangen. Gemeinsam mit zwei Lehrkräften und zwei Elternteilen besuchten 15 Schüler diesen geschichtlich geprägten Ort in Polen.

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Zerstörte Baracken und Gaskammern, zerbombte Flächen

Die Ankunft erfolgte am ersten Tag am späten Nachmittag. Die Unterkunft lag nur wenige Minuten vom Stammlager der Gedenkstätte Auschwitz entfernt. Am zweiten Tag stand am Vormittag ein Besuch im Museum an, das an die Bevölkerung der Stadt Oświęcim erinnert. Eigenständig erarbeiteten sich die Teilnehmer mit kleinen Tablets Wissen aus einer Vielzahl an thematischen Bereichen.

Erfurter Schüler fahren nach Auschwitz
Auf bedrückende Art lebendig werden die Verbrechen der NS-Zeit in der Gedenkstätte.© Gemeinschaftsschule 7 | Danny Meyer

In einer dreistündigen Führung besichtigte die Gruppe am Nachmittag das Stammlager Auschwitz. Am nächsten Tag führte derselbe Mitarbeiter alle Teilnehmer über das riesige Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Birkenau. Man sah neben zerstörten Baracken und Gaskammern freigeräumte und zerbombte Flächen sowie die berüchtigte Rampe an den Bahngleisen, an der die ankommenden Häftlinge ausgeladen und selektiert worden sind.

In Gesprächsrunden über das Erlebte ausgetauscht

Die Schüler zeigten sich tief betroffen von den Eindrücken und es entstand ein unbehagliches Gefühl durch den Anblick beider Gedenkstätten. In täglichen Gesprächsrunden, die den Austausch über das Erlebte und Gesehene ermöglichten, spiegelte sich die emotionale Verarbeitung der Erlebnisse wider. Auch der Film „Der letzte Zug“, den sich die Gruppe am ersten Abend gemeinsam ansah, verlieh den Besichtigungen eine besondere Tiefe.

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Mehrere Workshops zu Themen wie „Medizin im KZ“, „Flucht und Fluchtversuche aus dem KZ“ und „Täter in Auschwitz“ ermöglichten ebenso eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Schicksalen der Opfer und den Strukturen innerhalb der Lager. Am vierten Tag besuchte die Gruppe die Stadt Krakau. Eine Stadtführerin zeigte das jüdische Viertel und anschließend die sehenswerte Altstadt. Die zusätzliche Freizeit wurde dazu genutzt, um die Stadt eigenständig zu erkunden und landestypische Speisen zu probieren. Nach diesen aufregenden vier Tagen ging es zurück nach Erfurt.

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Diese Gedenkstättenfahrt wurde mit der Unterstützung der Bethe-Stiftung und des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur ermöglicht. Fortan soll die Gedenkstättenfahrt nach Oświęcim Teil des Konzeptes der Gemeinschaftsschule 7 werden, um den Schülern die Möglichkeit zu bieten, sich intensiv mit dem menschenverachtenden Charakter der NS-Diktatur auseinanderzusetzen.

Auch wenn die Schrecken der Konzentrationslager schon seit Jahrzehnten Vergangenheit sind, kann eine solche Fahrt dennoch dafür sensibilisieren, dass Freiheit und Toleranz – trotz des Wissens um den Holocaust – nicht selbstverständlich sind. Diese Erkenntnis ist gleichzeitig eine Antwort auf die Frage: Was hat das mit mir zu tun?

* Die Autorinnen und der Autor sind Schüler der Klasse 10b der Gemeinschaftsschule 7

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