Das Unesco-Welterbe, der Petersberg, die neue Gestaltungssatzung – was Lars Ludwig gerade beschäftigt, sind die großen Themen der Landeshauptstadt. Seit Jahren ist der Erfurter neben seinem eigentlichen Job in der Denkmalpflege engagiert, nun hat er den Vorsitz des städtischen Denkmalbeirats übernommen und hat abseits der inhaltlichen Arbeit auch noch ganz andere Dinge auf der To-do-Liste.
Kontor in Erfurt als positives Beispiel des Denkmalschutzes
„Wir wollen die Außenarbeit angehen und das, was wir machen, in die Öffentlichkeit und in einen Austausch bringen“, so Ludwig. Die Denkmalwoche liegt da nahe, aber auch andere Formate schweben ihm und seinem Beirat bereits vor. Obwohl man es denken könnte, hat der gebürtige Naumburger kein besonderes Lieblingsgebiet, wenn es um Architektur und Gebäudeensembles geht. „Ich bin da nicht auf Epochen beschränkt“, sagt er, fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: „Aber Industriedenkmäler sind schon besonders spannend für mich. Da spricht in Erfurt das Kontor und was aus ihm gemacht wurde auch für sich. Das sollte viel mehr Schule machen“.
Von der Deutschen Reichsbahn zum Erfurter Denkmalbeirat

Das erste Interesse für die Denkmalpflege wurde bei Ludwig schon zu Schulzeiten geweckt. Genauer gesagt in Merseburg, in einer Arbeitsgemeinschaft, in der der Geschichtslehrer historische Bauten der Stadt in den Mittelpunkt stellte. „Das hat mich dann nicht mehr verlassen“, lächelt er. Sein beruflicher Weg sollte ihn dann jedoch zur Reichsbahn führen, wo er seine Ausbildung machte und bis heute – bei der Deutschen Bahn – arbeitet. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz leitet er mittlerweile das Ortskuratorium Erfurt. Dem Denkmalbeirat trat er im Jahr 2021 bei.
Erfurter Architekten und Restauratoren unterstützen die städtische Behörde
Aufgabe der 19 ehrenamtlich tätigen Mitglieder ist es, die Untere Denkmalschutzbehörde zu beraten und zu unterstützen. Sie werden deshalb bei wichtigen Entscheidungen rund um die Themen Bauen und Planen in der Stadt eingebunden. Den Denkmalbeirat gibt es seit 2005. Er besteht aus Architekten, Restauratoren, Landschaftsarchitekten und Historikern, die allesamt sehr eng mit Denkmalschutzproblemen arbeiten oder sich aus Interesse damit befassen. Auch ehrenamtliche Baudenkmalpfleger sind mit von der Partie.
Erfurter und Beirat sollen in gemeinsamen Dialog kommen
„Aus Parteikonflikten möchte ich mich raushalten“, so Ludwig, der als neuer Vorsitzender auch mit Fraktionsmitgliedern zu tun hat, die ebenfalls Teil des Beirats sind. An die Öffentlichkeitsarbeit zu gehen, heißt für ihn auch, für Verständnis für das Fach der Denkmalpflege zu werben: „Sie wird viel zu oft als Verhinderer und Kostentreiber hingestellt. Aber sie ist wichtig und eine Sache, die extrem viel Freude macht“.

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Außerdem wüssten viele Bürger zwar, dass Gebäude denkmalgeschützt seien, zu wenige aber wüssten, was das eigentlich bedeute. Auch diesen Teil wollen Ludwig und die anderen Mitglieder des Beirats quasi als sensibilisierende Wissensvermittlungs-Aufgabe mitnehmen. Um die Erfurter Denkmalpflege in den Dialog zu bringen, braucht es mehr Kontakt zu den Bürgern, aber auch eine Präsenz in den Sozialen Medien, so der Ansatz.
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Wie geht es mit Kirchen und Museen weiter?
Ein Treffen als Vorsitzender hat Lars Ludwig bereits absolviert. Sein Interesse für Industriebauten ist mit gemeinsamem Grübeln über das schlummernde Braugold-Areal oder das Bahngelände der LEG (Thomasstraße) in seinem Team gut abgedeckt. Auch die Frage, wie man mit den katholischen Kirchen in Erfurt umgeht, die nicht mehr von den Gemeinden genutzt werden, treibt den Beirat um.
In jeder der Sitzungen, die viermal im Jahr abgehalten werden, gibt es andere Schwerpunkte. „Es gibt aber auch Themen, die uns über mehrere Treffen begleiten“, sagt Ludwig und nennt unter anderem das neue Museumskonzept, zu der auch die Frage gehört, was man mit den alten stadtgeschichtlichen Museumsgebäuden machen will, wenn diese nicht mehr für Ausstellungen genutzt werden.
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„Es geht eher darum, Ideen einzubringen, statt nur zu meckern und zu benennen, was man alles schlecht findet. Man bewegt mehr, wenn man einen Weg sucht, aktiv mitzugestalten. Das kann jeder Erfurter tun und auch Kontakt mit uns aufnehmen. Wir sind kein Kreis, der allein vor sich hinarbeitet“, betont der Erfurter und appelliert lachend „Keine Angst vor dem Denkmalschutz!“
Ob er sich bei so viel Leidenschaft vorstellen könnte, auch beruflich ins Fach der Denkmalpflege zu wechseln? „Im zweiten Leben auf jeden Fall“. Bis es soweit ist, wird er aber erstmal bei der Bahn weiterarbeiten.






