Eine Auszeichnung für den Bastionskronenpfad: Beim Deutschen Brückenbaupreis 2025, der am Mittwoch in Dresden vergeben wurde, erhielt das Bauwerk in der Kategorie „Fuß- und Radwegbrücken“ den ersten Preis. Der Pfad ist eine 108 Meter lange und 2,50 Meter breite Fußgängerbrücke auf der Zitadelle, in sich in 13,5 Metern Höhe befindet.
Pfad schlägt „Brücke zwischen den Jahrhunderten“
„Überzeugt hat das Bauwerk die Jury, weil es in Funktion, Design sowie ideell eine Brücke zwischen den Jahrhunderten schlägt“, schreibt die Stadtverwaltung. Der Deutsche Brückenbaupreis wird von der Bundesingenieurkammer und dem Verband Beratender Ingenieure ausgelobt und steht unter Schirmherrschaft des Bundesministers für Digitales und Verkehr.
Wie sehr man in Erfurt erfreut ist, macht ein Instagram-Post deutlich. Alexander Reintjes, der Leiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes, schwärmt nahezu von der Brücke. „In der schönsten Stadt der Welt haben wir die Mauerkronenbrücke an der Bastion Martin auf dem Petersberg gebaut. Wir sind natürlich sehr stolz darauf, dass sich die Jury für unsere Brücke hier in Erfurt entschieden hat“, sagt er in dem Video.
Widrigkeiten in der Planung und beim Bau
Dabei sei das eine besondere Herausforderung gewesen. „Wenn man sich das Bauwerk anschaut, es ist extrem filigran, semi-integral und natürlich von einer Leichtigkeit, die es im Stahlbau nicht an vielen Stellen in der Republik zu sehen gibt.“ Er berichtet von den Widrigkeiten, mit denen die Planer und die Statiker zu kämpfen hatten.

Täglich
Der Newsletter für Erfurt
Alle wichtigen Informationen aus der Landeshauptstadt Erfurt, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
In der Begründung der Jury des Deutschen Brückenbaupreises heißt es: „Durch die Herausforderungen an die gestalterische Qualität im historischen Umfeld der Festung mussten die Ingenieure die feine Balance zwischen hoher Funktionalität und technischer Machbarkeit maximal herausarbeiten. Dabei standen Robustheit und elegante Schlankheit nicht im Widerspruch, sondern verbinden sich zum beeindruckenden Touristen-Highlight und spannenden Dialog zwischen Alt und Neu.“ Positiv bewertet wurde auch die fugen- und lagerlose Konstruktion, die den Wartungsaufwand minimiert und die Langlebigkeit der Brücke erhöht.
Nur einer von zwei Abschnitten wurde Realität
Die Stadtverwaltung betont, dass der Bau für alle Beteiligten kein einfacher und auch kein kurzer Weg war. Umso größer sei die Freude über die Auszeichnung.

Zur Erinnerung: „Was lange währt, wird endlich gut“, sagte der damalige Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) im Mai 2023 zur Freigabe des Pfads. Das Bauwerk sollte ursprünglich zur Bundesgartenschau 2021 öffnen. Während eines Buga-Forums war vorab über die barrierefreie Erschließung des Petersberges diskutiert worden. So war das Projekt eines Bastionskronenpfades geboren, der das Lauentor in zwei Abschnitten überspannen sollte. Realität ist allerdings nur einer dieser beiden Abschnitte.
Neue Ausblicke auf Erfurt: Mauerkronenbrücke am Petersberg und Lauentor geöffnet - Die Bilder
Die Klagen von Umweltverbänden gegen die Bauarbeiten in dem Wäldchen nördlich des Lauentors zwangen die Stadt zum Umplanen. Schlichtweg nur die Hälfte des Pfades zu bauen, so einfach war es nicht, sagte damals Baudezernent Matthias Bärwolff (Linke). Im Gegenteil: Da die Statik gänzlich neu berechnet werden musste, fingen die Planer im Prinzip bei Null an. „Wir kannten nur die Linie des Brückenverlaufs, mehr nicht“, so Matthias Bärwolff im Mai 2023. Diese Linie folgt der ursprünglichen Festungsmauer, die in diesem Bereich zugunsten der Lauentor-Straße in den 1920er-Jahren durchbrochen wurde.
Stadt hält an Verlängerung des Pfades grundsätzlich fest
Bei der Eröffnung gaben sich der Dezernent und Andreas Bausewein hoffnungsvoll, dass der zweite Brückenschlag irgendwann Realität werden könnte. Der barrierefreie Weg wäre dann nicht wie jetzt eine Sackgasse, sondern ein echter Rundweg, der den Petersberg weiter aufwerten würde.
Stadtrat David Maicher (Grüne) stellte im Februar dieses Jahres eine Anfrage an die Verwaltung. Die Antwort darauf ist eher ernüchternd: Eine terminliche Einordnung zur Vorlage einer beschlussreifen Planung sei derzeit nicht möglich. Es stünden weitere Planungen an. Die Verwaltung lässt wissen: „Vor dem Hintergrund des im Brückenbau bestehenden allgemeinen Investitionsstaus und einer derzeit nicht absehbaren positiven Entwicklung der kommunalen Finanzlage, muss der zweite Bauabschnitt des Bastionskronenpfades in seiner Priorität vorerst zurückgestuft werden, obgleich an dem Ziel der baulichen Umsetzung im Grundsatz weiter festgehalten wird.“
Mehr Nachrichten aus Erfurt
- Erfurter TA-Hochhaus: Wohnungskäufer rebellieren gegen Bank
- Schoki, Käse, Wurst: Das ist Erfurts beliebtester Snackautomat
- Erfurter Weihnachtsmarkt knackt magische Marke und ist bereit für neuen Rekord
- Licht, Heizung, Telefon: Dieses Erfurter Hotel war seiner Zeit voraus
- Per ICE nonstop von Erfurt nach Paris: „Das ist gut für unsere Stadt“ (mit Video)
Zahlreiche Erfurter waren bis jetzt nicht auf dem Bastionskronenpfad, dabei ist dieser täglich geöffnet. Alexander Reintjes richtet sich per Instagram an alle potenziellen Besucher, egal ob Erfurter oder Touristen: „Kommen Sie auf die Mauerkronenbrücke. Kommen Sie hoch auf den Petersberg, genießen Sie die Aussicht, genießen Sie Erfurt.“























