„Es ist egal, wo du herkommst, welche Sprache du sprichst oder welche Herkunft du hast – Kunst verbindet uns.“ Mit diesem Satz beschreibt Barbara Rieck die Essenz ihres Herzensprojekts „Kunstprojekt 2.13“. Es soll ein Ort der Begegnung, Kreativität und Menschlichkeit sein.
Der Weg zum Herzensprojekt
Barbara Rieck ist Sozialpädagogin und hat viele Jahre mit Jugendlichen gearbeitet, die mit schwierigen Lebenssituationen konfrontiert waren. Die Belastung in ihrem Beruf war hoch, doch sie fand einen Ausgleich in ihrer großen Leidenschaft: dem Malen. Diese Leidenschaft war es auch, die sie 2009 dazu inspirierte, an der Schule ihrer Tochter erste Malkurse anzubieten. Zwar war der Andrang zunächst vielversprechend, doch liefen die Kurse nicht so erfolgreich wie erhofft.
Trotzdem blieb sie ihrer Idee treu. Neben ihrem Hauptberuf gab sie weiterhin Malkurse, unter anderem an der Schule ihrer Tochter, die damals etwa 13 Jahre alt war. Eines Tages entstand in ihr der Wunsch nach einem festen Ort, an dem Menschen zusammenkommen und sich frei künstlerisch entfalten können.
Auch interessant
Vom ersten Treffen zum offenen Raum für kreative Entfaltung
Anfangs bestand das Projekt aus fünf Personen – Barbara Rieck und die Menschen, die sie aus ihren Kursen kannte. Im Dezember 2013 wurde sie bei der Ortssuche schließlich mit Unterstützung ihres Mannes im Dalbergsweg 4 fündig und nannte den Raum Kunstprojekt 2.13 – benannt nach dem Gründungsjahr. Anfangs arbeitete Barbara Rieck noch parallel in ihrem ursprünglichen Beruf, bis sie 2016 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte und sich vollständig dem Kunstprojekt widmete.

Täglich
Der Newsletter für Erfurt
Alle wichtigen Informationen aus der Landeshauptstadt Erfurt, egal ob Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur oder gesellschaftliches Leben.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Was zunächst ein Treffpunkt für Bekannte war, entwickelte sich schnell zu einer offenen Plattform für kreative Köpfe. Noch heute ist das ursprüngliche fünfköpfige Team aktiv – alle arbeiten ehrenamtlich. Sie freuen sich über strahlende Kinderaugen, wenn sie beim Malen, Basteln oder Gestalten kleine Erfolge erleben und dabei Ängste und Unsicherheiten überwinden.
Ein kreatives Wohnzimmer für Vielfalt und Teilhabe, Angebote für Groß und Klein
Barbara Rieck versteht ihr Projekt als „kreatives Wohnzimmer“, in dem Menschen dem stressigen Alltag entfliehen können – insbesondere auch Menschen mit Behinderung. Es soll mehr sein als nur ein Malkurs: In einem kreativen Rahmen wollen die Teilnehmer gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen. Darunter Rassismus, Vielfalt, Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Mobbing. Da sich manche Inhalte besonders gut durch Graffiti ausdrücken lassen, entwickeln Kinder von Erfurter Grundschulen eigene Schablonen und Konzepte, um ihre Botschaften visuell umzusetzen.

Das Projekt arbeitet mit verschiedenen Gruppen zusammen, zum Beispiel mit der Lebenshilfe aus Rudolstadt und Erfurt. Manche Gruppen besuchen das Atelier, andere werden direkt vor Ort betreut. Die pädagogische Arbeit folgt einem klaren Prinzip: Im Kunstprojekt 2.13 geht es nicht um Leistung, nicht darum, der Beste oder Klügste zu sein, sondern um den Menschen, egal wie jung oder alt.
Angebote und Techniken sind vielfältig
Das Kunstprojekt beschränkt sich nicht auf bestimmte Materialien oder Techniken. Neben Malerei gibt es Kurse in Resin-Arbeiten – bald vielleicht auch in Fotografie. Das Angebot reicht von Geburtstagsfeiern für Kinder und Erwachsene über kreative Junggesellenabschiede bis hin zu Weihnachtsaktionen mit Glühwein und Kunst. Ein Höhepunkt soll eine Kooperation mit der Ballettschule Erfurt werden. Geplant ist eine Verbindung von Tanz, Musik und Malerei im September dieses Jahres.
Selbst während der Corona-Pandemie blieb das Projekt aktiv: Es wurden Online-Kurse angeboten, Materialpakete verschickt oder zur Abholung bereitgestellt. Mit flexiblen 10er-Karten, regelmäßigen Kursen und Angeboten außerhalb der Ferien ermöglicht das Kunstprojekt allen Interessierten eine Teilnahme – ohne Druck und Leistungszwang.

Für das Jubiläum „700 Jahre Krämerbrücke“ organisierte das Projekt gemeinsam mit einer Malschule eine Ausstellung mit über 100 Kunstwerken – gemalt von Künstlerinnen und Künstlern zwischen 4 und 73 Jahren. Die Werke wurden in einem Pop-up-Store in der Schlösserstraße präsentiert und teils in der gesamten Stadt verteilt. Einige der von Erwachsenen geschaffenen Bilder wurden verkauft – der Erlös fließt vollständig in das Projekt: für Renovierungen, Materialien, Veranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit.
Mehr Nachrichten aus Erfurt
- Erfurter TA-Hochhaus: Wohnungskäufer rebellieren gegen Bank
- Schoki, Käse, Wurst: Das ist Erfurts beliebtester Snackautomat
- Erfurter Weihnachtsmarkt knackt magische Marke und ist bereit für neuen Rekord
- Licht, Heizung, Telefon: Dieses Erfurter Hotel war seiner Zeit voraus
- Per ICE nonstop von Erfurt nach Paris: „Das ist gut für unsere Stadt“ (mit Video)
Warum ein Projekt – und kein Verein?
Barbara Rieck hat sich bewusst gegen die Gründung eines Vereins entschieden: „Wenn man einen Verein gründet, ist man abhängig von Mitgliedsbeiträgen oder externen Geldern – und damit auch von Erwartungen. Doch als Projekt können wir selbst entscheiden, was wir anbieten – passend zu unserem Budget. Das Kunstprojekt 2.13 ist mein Herzensprojekt. Es ist meins, und ich möchte es so gestalten, wie ich es liebe – nicht, wie ich dafür bezahlt werde.“






