Die Erfurter Stadträte haben die Einführung eines vergünstigten Schülertickets durchgedrückt. Schüler werden ab Herbst dieses Jahres einen Rabatt von 25 Euro für ihre Monats- beziehungsweise Deutschlandtickets bekommen. „Es war für uns keine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“, sagte Laura Wahl (Grüne) bei der Ratssitzung am Mittwochabend (25.Juni). Zuvor hatte die Stadtverwaltung ungewohnt deutliche Ablehnung gegenüber dem Vorstoß gezeigt. „Nicht finanzierbar“, „nicht umsetzbar“, „rechtlich nicht möglich“, – waren nur einige Einwände. Konkret wird das Projekt vom 1. Oktober 2025 bis Juli 2027 laufen.
Für viele wird es trotzdem nicht genug sein.
Melissa Butt, SPD-Stadtratsfraktion
Vergünstigtes Ticket soll Teilhabe verbessern
Die Vergünstigung des Tickets soll vor allem den Kindern und Jugendlichen zugute kommen, deren Schulweg knapp unter der Drei-Kilometer-Grenze liegt und die damit keine Finanzierung für ihre Monatskarten bekommen. „Die Vorteile gehen über den Schulweg hinaus. Die Kinder und Jugendlichen können damit auch Freizeitangebote wahrnehmen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern“, sagt Linke-Fraktionsmitglied Paul Gruber. Er beschreibt den Vorstoß als „ersten Schritt in die richtige Richtung“ und wirbt dafür, dass Schüler den Nahverkehr im besten Fall komplett kostenfrei nutzen sollten. „Für viele wird es trotzdem nicht genug sein“, merkt auch Melissa Butt (SPD) an. Dennoch ist die Freude über den nach langen Anbahnungsphasen nun erreichten Schülerticket groß: „Mobilität bedeutet Teilhabe“, so die Stadträtin.
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Harsche Kritik an fehlenden Finanzierungsplänen
„Damit setzen wir ein klares Zeichen für mehr Chancengleichheit, bessere Bildungsteilhabe und konkrete Entlastung im Familienalltag“, hieß es im Antrag. Was in diesem aber ausgeblendet wird, ist die Frage der Finanzierung.
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Tatsächlich landet dieser Ball beim Oberbürgermeister und damit der Verwaltung. Diese soll einen Vorschlag zur Deckung im laufenden Haushaltsjahr ausarbeiten. Ab dem kommenden Jahr wolle der Stadtrat „gemeinsam mit dem Oberbürgermeister und der Verwaltung die nötigen Anstrengungen unternehmen, um auch für den Haushalt 2026/27 die Finanzierung sicherzustellen.“
Rabatt könnte sich auf 2,5 Millionen Euro summieren
Im Hintergrund wird bereits gerechnet. Ersten Schätzungen zufolge dürfte das vergünstigte Schülerticket mit etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Die Kosten schwanken, je nachdem, wie viele Schüler das Angebot zusätzlich zu den bisherigen Ticketnutzern in Anspruch nehmen würden.
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Mehrere Ämter verweisen in ihren Stellungnahmen darauf, dass der Rabatt nicht bezahlbar sei. Die 25 Euro Nachlass pro Schüler wären eine zusätzliche freiwillige Aufgabe für die Stadt. „Sofern freier Finanzierungsspielraum im Rahmen der dauernden Leistungsfähigkeit nicht gegeben ist, schließt sich die Erweiterung der freiwilligen Aufgaben aus“, betont die Stadtverwaltung.
Geht das Ticket zulasten anderer Angebote?
Auch das Prozedere rund um Beantragung, Ausgabe und Kontrolle der Tickets sei in der anvisierten Zeit bis 1. Oktober „personell nicht leistbar“. Zudem seien die Schulen in das Verfahren noch nicht eingeweiht.
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Die Stadtkämmerei weist deutlich darauf hin, dass andere Maßnahmen zugunsten des Schülertickets gestrichen werden könnten. Genannt werden der Familien- und Seniorenpass. Auch mögliche Gebühren- und Steuererhöhungen werden erwähnt, um das Geld an derer Stelle einzunehmen. Die Stellungnahme schließt mit einer Belehrung: „Die Verantwortung des Stadtrates liegt aber auch darin, aufzuzeigen, welche Leistungen wegfallen sollen, um neue Aufgaben zu finanzieren können. Dies ist nicht geschehen.“





