Freunde. Ein Pokal. Meine Legosteine. Das sind Antworten auf die Frage: Wofür bist du dankbar? Manja Reinhardt-Linke hat sie Drittklässlern gestellt, die vor ihr im Rosengarten auf der Ega sitzen. Neben ihr steht ein Flipchart, darauf ein weißes Blatt. Zentangle ist angesagt. Nie gehört? Die Kinder auch nicht. Und das ist auch nicht schlimm, schließlich geht es nicht um Perfektionismus, sondern um Entspannung.

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„Die Ega ist der perfekte Ort für unsere Wochen der seelischen Gesundheit für Schulen“, sagt Julia Lieder vom Amt für Bildung. Gemeinsam mit Kristin Artschwager von der Ega und ihren Teams hat sie diese Wochen vorbereitet, die nun zum dritten Mal stattfinden. „Der Park ist ein Ort, der nicht an Schule erinnert und wo man die schulischen Abläufe und Geräusche ausblenden kann.“

Derzeit werden Erfurts Heranwachsende befragt

Das große Anliegen der Projektwochen ist die psychische Gesundheit und Stabilität der Kinder. Zur Erinnerung: Jeder siebte Minderjährige hat depressive Symptome, jeder dritte fühlt sich einsam. Bei Kindern und Jugendlichen, deren Familien von Armut bedroht sind, leidet fast jeder zweite Jugendliche unter Einsamkeit. Diese Ergebnisse stammen aus einer Studie der Krankenkasse DAK von 2024. Auch in Erfurt selbst werden derzeit wieder tausende Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren von der Stadtverwaltung befragt.

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„Die Fragen von Lehrern und Erziehern nach Hilfe werden immer mehr. Es gibt Fortbildungen seitens des Landes, wir als Stadt können aber auch beratend zur Seite stehen“, sagt Julia Lieder. Die Wochen der seelischen Gesundheit tragen dazu bei. Die Kinder und Jugendlichen stellen fest, was ihnen guttut und beispielsweise zur Entspannung hilft.

Cybermobbing betrifft viele Jugendliche

„Wir haben beobachtet, dass viele junge Menschen sich nicht trauen zu sagen, wie es ihnen wirklich geht. Zu groß ist die Angst, dass es später von Gleichaltrigen gegen sie verwendet wird oder diese schlecht über sie denken. Cybermobbing spielt dabei eine sehr große, eine erschreckende Rolle“, berichtet Julia Lieder.

Die gelernte Kinderpsychologin suchte also einen Ansatz, den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit für teambildende Maßnahmen zu geben – ohne diese so zu benennen. Und zugleich individuelle Angebote zu unterbreiten, deren Nutzung die anderen nicht mitbekommen. So bekommen die teilnehmenden Klassen auf der Ega Kopfhörer für jedes Kind. Aus drei Kanälen kann gewählt werden, die niemand mithören kann. Ein Podcast zur Einsamkeit, Musik oder Glücksgeschichten.

Geschichten über das Glück

Die Geschichten hat Julia Lieder selbst geschrieben, ein kleines Buch ist parallel dazu erschienen. „Die zehn Geschichten der Glücksblätter basieren auf Forschungsergebnissen aus der positiven Psychologie. Der Wirtschaftswissenschaftler Richard Layard hat sie formuliert“, erklärt sie. Jedes Glücksblatt stehe für eine Grundeinstellung.

Die Ega ist Teil der Geschichten, etwa der Lesebaum mit seinen bunten Bändern. Er ist der Handlungsort der ersten Geschichte. Die Buchstabengeister werden vom Windgeist geärgert. Aber weil sie zusammenhalten, Freunde sind, kann er ihnen nichts anhaben. Freundschaft, Bewusstsein, Traurigkeit, Gesundheit, Träume, Ängste – um all das geht es in den Geschichten des Glücks.

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Manja Reinhardt-Linke zeigt den Kindern, wie Zentangel geht.© Funke Medien Thüringen | Anja Derowski

Ebenso wird den Jugendlichen ein Heft gereicht „Good soul to go“. Hier finden sich nicht nur Tipps zur Psychohygiene, sondern auch QR-Codes, die zu Webseiten von Vereinen führen, die Jugendlichen helfen. „Kaum einer wendet sich an seine Eltern oder Lehrer, berichtet von seinen Ängsten und sucht Hilfe. Mit dem Heft haben sie alle Angebote auf einen Blick und müssen niemanden danach fragen“, sagt Julia Lieder.

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Zentangle ist eine kreative, meditative Zeichentechnik. Auf kleinen Papierkacheln werden einfache, sich wiederholende Muster aus Punkten, Linien, Kurven und Kreisen gemalt.© Julia Lieder | Julia Lieder

Natürlich ist dem Organisationsteam bewusst, dass niemandem während eines 90-minütigen Workshops grundlegend geholfen werden kann. Es geht um den Impuls, auf sich zu achten, angebotene Hilfe wahrzunehmen, zu merken, was guttut und was nicht. „Ein Kind mag zeichnen, ein anderes rennt lieber und das dritte entspannt sich beim Yoga oder Waldbaden“, meint Julia Lieder.

Auch Theater, Lachyoga, Kneippen und ein Resilienz-Baumkurs werden angeboten. „Fast 1600 Schüler kommen in diesen Wochen der seelischen Gesundheit auf die Ega, um an Kursen teilzunehmen. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. In diesem Jahr sind erstmals wirklich alle Schularten vertreten, das freut uns sehr“, fasst Julia Lieder zusammen.

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Die Grundschüler beim Zentangle-Kurs malen derweil auf kleine quadratische Zettel verschiedenste Formen und Muster. Jeder für sich. Ohne sich zu vergleichen. Am Ende ergeben die Zettel ein großes Bild. Ein Gefüge. Ein Team. „Dafür bin ich dankbar“, sagt eines der Kinder.